Bulldogs und ein Würstchenkocher

Bis sie so aussehen, investiert Heser viele Stunden in die Traktoren. "Wenn ich alles zusammenrechne, stecken in jedem Bulldog locker 100 Stunden Arbeit", sagt er. Kein Wunder, denn wenn er irgendwo eine alte Maschine aufspürt, dann sieht sie für Laien oft nur noch wie ein Haufen Schrott aus.

So wie der Allgaier A18. Baujahr 1950. 18 PS. Im restaurierten Zustand macht der Traktor dein Eindruck eines glupschäugigen, zu groß geratenen Spielzeugs. Kein technischer Schnickschnack. Nur vier Räder, ein Motor, ein Lenkrad und zwei große Scheinwerfer. Nicht mal ein Dach hat der Fahrer über dem Kopf. Jetzt liegt der Allgaier in seine Einzelteile zerlegt in Hesers Garage. Der Traktor gammelte 15 Jahre in einer Scheune in der Region vor sich hin. Wo genau Heser ihn her hat, sagt er nicht. Bulldog-Sammler verraten ihre Quellen nicht. Die Konkurrenz ist groß.

Um den Allgaier zu reparieren, hat sich Peter Heser einen riesigen Franzosen ausgeliehen. Der Zentner schwere verstellbare Schraubenschlüssel kommt aus den USA, vermutet er. "Wahrscheinlich war der mal für die Reparatur eines Panzers gedacht", sagt Heser.

Seit 13 Jahren sammelt der 56-Jährige nun schon Traktoren. Sein erster war ein Holder B10. Die 10 steht für die PS-Zahl. Der Traktor rollte im Jahr 1955 vom Band. "Den habe ich komplett zerlegt", sagt Heser. "Der war wirklich fertig." Immer mal wieder sieht er einen Traktor irgendwo stehen oder bekommt einen Tipp. Dann muss es oft schnell gehen. "Die alten Fahrzeuge sind umkämpft unter den Sammlern."

Heser steckt fast jede freie Minute in sein Hobby. "Es ist einfach eine Freude, wenn ein Traktor wieder fertig ist", sagt er. "Wenn er wie neu ausschaut und wieder fährt." Und das tun alle Bulldogs in Hesers Sammlung. Die Ersatzteile dafür kann er allerdings nicht ums Eck bei der nächsten Autowerkstatt holen. Er bestellt sie im Internet oder tauscht sich mit anderen Sammlern aus. Einmal im Jahr fährt Heser auf die Ersatzteilbörse in Alsfeld in Hessen. Dort trifft er dann einen Händler aus Holland, der ihm die benötigten Ersatzteile nachbaut.

Schon zweimal hat Peter Heser eigene Bulldogtreffen veranstaltet. Am 7. Mai kommenden Jahres soll es wieder eines in Kirchenpingarten geben. Dann zeigt Heser seine Schmuckstücke, für die er vor vier Jahren eine eigene Halle gebaut hat. Sonst hätte er sie nicht mehr untergebracht.

Beim Bulldogtreffen führt er vielleicht auch die ausgefallenste Gerätschaft vor, die in seiner Halle steht. Auf einen alten Stationärmotor von Deutz hat Heser einen Kessel geschweißt. Vom Kessel führen Kupferrohre in den offenen Kühler des Motors. "Das ist meine Erfindung", sagt der Sammler. Und für was ist die gut? Heser lacht. "Das ist wohl der größte Würstchenkocher weit und breit." Der Kühler erhitzt einfach das Wasser im Kessel. Würstchen rein, erhitzen, fertig. Solche Sachen denkt sich Heser aus, wenn er nachts nicht schlafen kann.

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