Buchhandel: Es geht um die Stadt

Niemand ist unersetzlich, heißt es, und irgendwo stimmt es ja auch: Das Leben geht weiter, und irgendwann merkt man gar nicht mehr richtig, was man da verloren hat. Nur ab und zu erinnert man sich dann, wie das war, als man über Bücher fachsimpelte, eine Lesung anhörte, einem Star der Festspiele eine CD zum Signieren hinschob oder sich in einem Vortrag informieren ließ. Oder wie es war, als jemand einem ein gutes Buch empfahl.  Wenn man zu seiner großen Beglückung etwas fand, wonach man nie gesucht hatte.

Man hungert auch weiterhin nicht

Wenn man daran denkt, mag  kurz ein Schatten des Bedauerns über das Gemüt huschen. Aber auch das geht irgendwann vorbei. Vielleicht benötigt man für dieses Bedauern ohnedies dieses besondere Verhältnis zum Lesen, was einen davon Abstand nehmen lässt, in einem Buch lediglich eine Ware zu sehen. Sei’s drum: Viele Bayreuther werden den Umstand bald verkraftet haben, dass die Markgrafenbuchhandlung ihre Türen für immer geschlossen hat. Ein Buchladen weniger in Bayreuth: Das ist schließlich nichts, was einen Hungers oder Durstes sterben ließe.

Über ein Luxusproblem sprechen wir dennoch nicht. Denn es geht nicht nur um diese eigene Art von  Kultur, die Rolf J. Geilenkirchen und seine Crew von der Markgrafenbuchhandlung über all die Jahre hinweg am Sternplatz etabliert haben. Es geht ja um die Attraktivität Bayreuths an sich, für Besucher wie Bewohner.  

Ein Stückchen öder

Das Fehlen eines Stadttheaters oder eines Orchesters sieht man einer Bezirkshauptstadt nicht unbedingt auf den ersten Blick an. Was der Besucher wahrnimmt, ist das Veröden der Innenstadt. Die vielen leeren Schaufenster in Bayreuth sind zu gut bekannt, als dass man nochmals gesondert auf sie hinweisen müsste. Es geht ja auch gar nicht um die Zahl der Geschäfte, es geht ja auch um ihre Qualität. Was ein Besucher von Bamberg wahrnimmt, sind vielleicht gar nicht erst die Bamberger Symphoniker, sondern die anderen Geschäfte dort: Kleine Läden, die etwas Spezielles anbieten, die keiner Kette angehören, die eine witzige Geschäftsidee verfolgen und offenbar – wie es bei ein, zwei Geschäften in Bayreuth der Fall sein soll – nicht allein aus dem Grunde noch existieren, dass der Geschäftsinhaber zugleich der Hauseigentümer ist und somit die Kosten für die Miete nicht anfallen. Buchläden gibt es in Bayreuth noch, aber sie gehören Ketten an. Und manchmal ist man dort besser beraten, wenn man schon vor dem Eintritt ganz genau weiß, welches Buch man braucht. Nein, es ist schon so, die Innenstadt von Bayreuth ist wieder ein Stücken mehr verödet. Gut, dass wenigstens das gute Dutzend Tattoo-Studios in und um die Innenstadt auch in Zeiten größter Langeweile dort sein Auskommen finden wird: Tattoos kann man, soweit ich weiß, nicht im Internet bestellen.

Was man tun kann

Womit wir bei einem wichtigen Punkt wären: Im Internet lässt sich, wenn man das unbedingt will, das Leben nicht nur weitgehend vermeiden, es lässt sich auch ganz einfach kaputt machen. Wer nur noch übers Internet bestellt, trägt direkt zur Verödung seiner Stadt bei. Das Leben kann nicht per Magistratsbeschluss ins Herz der Städte verordnet werden, die Menschen selbst müssen es dorthin bringen. Eben auch, indem sie ihre Geschäftsleute unterstützen, in die Stadt gehen, in den Geschäften dort bezahlen. Sie sichern damit auch Arbeitsplätze in ihrer Stadt, anstatt am Ast zu sägen, auf dem sie sitzen.

Ein paar Enthusiasten wollen sich am Mittwoch im Hammerstätter Hof treffen, um gemeinsam darüber nachzudenken, was man auf das Ende  der Markgrafenbuchhandlung antworten kann. Können eine Genossenschaft oder ein Verein eine Art Nachfolger tragen, einen Lesetempel, eine Bücherbude? Es gehe darum, sich die Stadt zurückzuholen, hat Initiator Klaus Wührl-Struller gesagt. Besser kann man kaum zusammenfassen, um was es in dieser Frage geht.

Artikel zu den Themen

Ein Lesetempel als Gemeinschaftsaufgabe

und:

Markgrafenbuchhandlung schließt Ende Mai

finden Sie im Internet.

michael.weiser@nordbayerischer-kurier.de

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