Brexit: Unternehmer geben sich gelassen

Für Axel Gottstein, Chef von Sigikid in Mistelbach, ist der Brexit nicht besonders relevant. „Unsere Lieferbeziehungen mit Großbritannien sind nur mit ein paar Fachhändlern (z. B. Hamley, Harrods) die für uns vom Umsatz nicht wirklich relevant sind“, sagt Gottstein auf Nachfrage unserer Zeitung. Der  englische Spielzeugmarkt sei sehr auf die USA fokussiert „und daher für uns immer schon schwierig“. Insofern wirke sich die Brexit-Entscheidung für die Geschäftspolitik von Sigikid nicht direkt aus. Ob sich später in der gesamten Eurozone Veränderungen für das Geschäft des Kuscheltier- und Kindermodenherstellers ergeben, könne man heute noch nicht einschätzen.

Geringer Umsatzanteil

Auch beim Wärmepumpenhersteller ait-deutschland in Kasendorf sieht man den Brexit gelassen. Geschäftsführer Clemens Dereschkewitz weist darauf hin, dass ait zwar Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien unterhalte, der Umsatzanteil aber unter einem Prozent liege. Der Brexit schade dem Geschäft also nicht, sagt Dereschkewitz. Die Vertriebs- und Servicepartner in England wolle man weiter unterstützen. Aufgrund des sehr kleinen Anteils des Englandgeschäftes am Umsatz sei ein separates Konzept zur Kompensierung nicht notwendig.

Aus Sicht von Roland Hollstein, Geschäftsführer der Bayreuther Grundig Business Systems, die über einen Partner Sprachverarbeitungslösungen auf die Insel liefert, schadet der Brexit den Geschäften; „Ja, allein schon durch den schlechten Wechselkurs.“  Die europäischen Märkte, besonders aber Deutschland, sollen negative Folgen kompensieren.

Keine Klavierhersteller

Udo Schmidt-Steingraeber von der Bayreuther Klaviermanufaktur Steingraeber verkauft Klaviere und Flügel nach Großbritannien. Der Brexit schadet den Geschäften wahrscheinlich nicht, sagt er. „Wenn die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien sich ausgestalten wie mit Norwegen, ist alles kein Problem.“  Auf der Insel gebe es keinen Klavierhersteller mehr. „Die müssen also sowieso importieren und werden das auch nach dem Abschluss der Brexit-Verhandlungen tun. Schließlich kann man ohne Klaviere nicht leben.“

Die Bayreuther Brauerei Maisel exportiert Bier nach Großbritannien, hauptsächlich nach England, überwiegend Maisel’s Weisse.  Der Brexit schadet den Geschäften? „ Bislang nicht, im Gegenteil. Mit unserem Partner vor Ort haben wir tolle Zuwächse zu verzeichnen und wir wollen die positive Entwicklung künftig noch weiter ausbauen“, so das Unternehmen auf Anfrage. Im Export sei man nicht nur auf Großbritannien fokussiert, sondern pflege gute Kontakte schon seit jeher auch in andere Länder.

Negative Folgen

Auch der Bayreuther Porzellanhersteller Walküre hat Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien und liefert Geschirrporzellan auf die Insel. Ob der Brexit dem Geschäft schadet, das werde davon abhängen, ob die Ausstiegsverhandlungen und die daraus resultierenden Ergebnisse eher sachlich oder emotional getrieben ablaufen, sagt Geschäftsführer Wolfgang Meyer unserer Zeitung. In enger Abstimmung mit den Partnern vor Ort will das Unternehmen seine Marktanteile sichern. Mögliche negative Folgen sollen durch Wachstum auf anderen Märkten kompensiert werden, sagt Meyer.

Bürokratie belastet

IHK-Vizepräsident Jörg Lichtenegger (Bayreuth) hatte vor negativen Brexit-Folgen gewarnt: „Der Brexit stellt natürlich vor allem die exportorientierte Industrie Oberfrankens vor Herausforderungen, aber auch Handel und Dienstleistungen werden durch neu entstehende Bürokratie belastet werden.“ Über 200 Unternehmen aus Oberfranken pflegen laut IHK Geschäftsbeziehungen mit Großbritannien. Zu den insgesamt exportstärksten Branchen in Oberfranken zählen der Maschinenbau, die Hersteller von elektronischen und optischen Erzeugnissen, sowie die Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren. Auch die IHK geht davon aus, dass mögliche Umsatzeinbußen auf dem britischen Markt „voraussichtlich durch positive Entwicklungen auf anderen Märkten“ weitgehend ausgeglichen werden können. Auswirkungen könnte es bei den oberfränkischen Automobilzulieferern geben, die zwar kaum direkt exportieren, aber alle deutschen Kfz-Hersteller beliefern. Zu deren wichtigsten Exportmärkten zählt Großbritannien. Jedes fünfte in Deutschland produzierte Auto werde nach Angaben des Branchenverbandes in Großbritannien verkauft.

„Wir gehen davon aus, dass Unternehmen Investitionen in Großbritannien in Zukunft sehr gründlich durchdenken und womöglich dort insgesamt weniger investieren werden. Deutschland verliert zudem mit Großbritannien in der EU einen wichtigen Fürsprecher für eine freie Marktwirtschaft“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Christi Degen.

Wichtiger Markt

Mit einer Exportquote von mehr als 50 Prozent ist die oberfränkische Wirtschaft international ausgerichtet. Großbritannien zählt zu den fünf wichtigsten Handelspartnern Bayerns und war 2015 nach den USA zweitwichtigster Exportpartner. „Großbritannien ist insgesamt ein wichtiger Markt für uns, einerseits weil viele in Deutschland produzierte Autos dorthin exportiert werden und wir hier Zulieferer sind, andererseits auch, weil wir britische Hersteller direkt mit unseren Produkten beliefern“, so Vertriebsleiter Alexander Kapsch von der Scherdel-Gruppe in Marktredwitz.

 

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