Brandstiftung: Mieter kannten den Täter

Im Nu war das Treppenhaus verraucht. Die Familien saßen in der Falle. Der Rauch war so schlimm, dass mehrere Syrer ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Auch die vierjährige Tochter Ceam von Hussein Alkhalaf hatte eine Rauchvergiftung, sagt der 37 Jahre alte Familienvater. Einen Tag verbrachte das Mädchen in der Kinderklinik.

Ein Stein vom Herzen gefallen

Die Familie lebt seit einem Jahr in Kulmbach. „Jetzt, wo der Täter gefasst ist, ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Jetzt haben wir keine Angst mehr“, sagt der Syrer. „Ich vertraue auf die deutsche Polizei und die Regierung. Es wird schon alles gut“, sagt Alkhalaf. Er will keine Anzeige erstatten.

Hussein Alkhalaf hatte zunächst vom Brand nichts mitbekommen, obwohl die Familie im ersten Stock wohnt und damit dem Brandherd im Erdgeschoss am nächsten war. „Ich war eingeschlafen. Abends hat mich dann ein Freund angerufen“, erzählt der Syrer. „Es war so viel Rauch im Treppenhaus, dass wir gar nicht hinaus konnten. Ich habe zuerst gedacht, dass es Probleme mit der Elektrik gibt“, sagt er.

Doch schnell stellte sich heraus, dass Brandstiftung vorlag. Der Täter war ein 20 Jahre alter Mann, den alle im Haus kannten. Er war oft zu Besuch bei einer deutschen Bewohnerin des Mehrfamilienhauses. Auch am Dienstagabend. Und beim Hinausgehen möchte der Täter dann „ganz plötzlich“ auf die Idee gekommen sein, den Kinderwagen in Brand zu setzen, erklärt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, Jürgen Stadter.

In Untersuchungshaft

„Der Täter sitzt in U-Haft und wird auch in U-Haft bleiben, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind oder bis Anklage erhoben wird“, sagt der Pressesprecher der Polizei. „Wir lassen derzeit ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Täters anfertigen“, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth. Auch, ob es sich wirklich um eine spontane Tat gehandelt habe, werde untersucht.

Es habe schon öfter Probleme mit der Frau gegeben, die der Täter besucht hat, erklärt die Vermieterin Ayfer Karacan. Der syrische Flüchtling Saleh Alebayed, der mit der Bekannten des Täters auf einem Stockwerk lebt, bestätigt das. Manchmal wurden Türen geknallt. „Ich habe den Täter gekannt, hatte aber nichts mit ihm zu tun. Er kam mir immer aggressiv vor“, sagt Saleh Alebayed.

Nazikreuze an der Wand

Außerdem wurde das Mehrfamilienanwesen, das Ayfer und Ilhan Karacan, einem türkischstämmigen Ehepaar gehört, erst vor wenigen Wochen mit Nazikreuzen beschmiert. „Wir werden natürlich untersuchen, ob es einen Zusammenhang gibt“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Potzel. Definitiv wurden keine Brandbeschleuniger beim Anzünden des Kinderwagens verwendet. „Das steht schon fest“, sagt Potzel.

Die Besitzerin des Hauses, Ayfer Karacan erzählt, dass vor einigen Jahren zudem ihr Auto immer wieder mutwillig beschädigt worden ist. Erst vor wenigen Wochen wurde ein Geländer beim Privatanwesen der Karacans verbogen. Ob all diese Taten mit dem brennenden Kinderwagen in Zusammenhang stehen oder ob es sich um „Zufälle“ handelt, ist noch unklar.

Auch der Bruder des Täters war im Haus

Allerdings war nach dem Brandanschlag auch der Bruder des Täters im Haus. „Wir haben jetzt genau ein Auge darauf, wer ein- und ausgeht“, sagt Ayfer Karacan. Das Restaurant, das die Familie Karacan im Erdgeschoss betreibt, muss jedenfalls noch eine weitere Woche wegen des Brandschadens geschlossen bleiben. „Wir müssen alles putzen“, erklärt die türkischstämmige Vermieterin.

Auch der 38 Jahre alte Abduhal Halimm erlitt bei dem Brandanschlag eine Rauchvergiftung. „Man kann nicht verstehen, warum jemand so etwas tut“, sagt der alleinstehende Syrer. Auch er möchte nicht daran glauben, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Hintergrund handeln könnte. Denn auch er hat bisher in Deutschland nur gute Erfahrungen gemacht.

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Eine fremdenfeindliche Tat? Das muss erst einmal bewiesen werden!