Brandstiftung: 80-Jährige freigesprochen

Bei der Suche nach dem, was damals wirklich passierte, tat sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt auch deshalb schwer, weil die Angeklagte jede Aussage verweigerte – was ihr gutes Recht ist. Vor allem zwei Dinge sprechen dafür, dass sie die Tat begangen hat. Kurz bevor das Feuer ausgebrochen war, wurde sie an der Tür des Schuppens gesehen, der später als Zentrum des Feuers ausgemacht wurde. Außerdem hatte die Frau im Streit wenige Minuten zuvor ihrer Enkelin gegenüber geäußert: „Wenn das so weitergeht, zünde ich das alles an.“

Immer wieder Streit

Die Angeklagte bewohnt mit der vierköpfigen Familie ihrer Enkelin (27) ein Haus in Hutschdorf. Immer wieder habe es Streit wegen Kleinigkeiten gegeben, berichtete die Enkelin. Diesmal war ein Schlüssel nicht zu finden. „Sie hat mich und meine Kinder beschimpft und beschuldigt“, sagte die Enkelin. Sie hatte ihre Oma auch vom Badezimmerfenster aus an der Tür des Schuppens gesehen. Daraufhin sei sie nach unten gegangen, habe erneut wegen des Schlüssels diskutiert, als plötzlich erste Rauchschwaden zu sehen gewesen seien.

Mehrere Feuerwehren im Einsatz

Der Brand war insofern verheerend, als er zahlreiche Nebengebäude in Mitleidenschaft zog. Nur dem Einsatz mehrerer Feuerwehren aus der Umgebung war es zu verdanken, dass das Feuer nicht auf die Wohngebäude übergriff. Allerdings mussten einige Personen wegen Rauchvergiftungen behandelt werden.

Lebenswerk des Großvaters

Die Enkelin sagte aber auch: „Ich habe keine Ahnung, wie das Feuer entstanden ist.“ Ob es die Oma war, darauf konnte die junge Frau keine Antwort geben. Im Schuppen waren beispielsweise auch viele Sachen des verstorbenen Großvaters. Sie könne sich nicht vorstellen, dass ihre Großmutter das alles mutwillig anzünden würde. Die Geräteschuppen hatte der Großvater sogar selbst gebaut. „Das war praktisch sein Lebenswerk“, sagte die Zeugin. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Oma gerade das anzündet, was ihr so viel bedeutet. Auf der anderen Seite habe die Oma seit dem Brand immer dann emotional und aufgebracht reagiert, wenn man sie darauf angesprochen hatte. „Sie wollte davon nichts hören“, sagte die Enkelin.

Rätselhafte Kippen

Wer es denn sonst gewesen sein könnte, wollte die Vorsitzende Richterin wissen und erntete erst einmal Achselzucken. Vor Jahren habe sie nachts mal jemanden mit einer Taschenlampe um die Geräteschuppen schleichen sehen. Das sei aber ganz offensichtlich jemand aus dem Ort gewesen, der neugierig war, weil am gleichen Tag eine Holzpelletlieferung eingetroffen und im Schuppen deponiert wurde, sagte die Enkelin. Kurz vor dem Brand sollen auch öfter Zigarettenkippen auf dem Grundstück gelegen haben. „Das fand ich sehr komisch, denn bei uns raucht niemand.“ Woher die zwei bis drei Kippen pro Tag kamen, wisse niemand.

„Im Zweifel für die Angeklagte“

Ein Beamter der Kriminalpolizei berichtete von den Ermittlungen und auch davon, dass alle anderen Ursachen, wie technischer Defekt oder Selbstentzündung einer leicht brennbaren Flüssigkeit ausgeschlossen werden konnten. Damit bleibe einzig und allein menschliches Fehlverhalten übrig, sagte er. Allerdings war nicht zu ermitteln, von wem. Und so sprach Richterin Nicole Allstadt die 80-Jährige vom Vorwurf der Brandstiftung frei – getreu dem Grundsatz: „Im Zweifel für die Angeklagte“.

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