Bogarts: Der Charme des Volkslieds

Ich denke mal, dass Sie sich nach Humphrey Bogart benannt haben. Ich wusste gar nicht, dass der singen konnte…

Tom Heiß: Wir sind die vier unehelichen Neffen von Humphrey. Seit zehn Jahren singen wir von Renaissance bis Pop alles Mögliche, und in den vergangenen Jahren hat sich das Volkslied stark dazu gesellt. Unser Ansatz ist: zu unterhalten, im positiven Sinne. Man steht normalerweise hinter seinem Notenpult, aber Kommunikation mit dem Publikum ist gleich null. Das ist bei uns ein bisschen anders. Ich singe Bass, bin aber auch der Arrangeur der Bogarts. Wir verwenden nie bestehende Noten, jede Fassung ist auf uns abgestimmt. Das ist natürlich wunderbar, ich kann uns so ins Szene setzen, wie es am besten passt.

Bei Ihnen muss man mitsingen… Können das die Leute überhaupt noch?

Heiß: Das stellt sich jeweils in den Konzerten heraus. Am Freitag ist unser Mitsing-Konzert, da werden wir das Publikum auffordern, einen Kanon oder Bass-Patterns mitzusingen. Das versuchen wir zusammen mit den Leuten einzuüben, auch, in dem wir die Leute in Gruppen einteilen. Dieser didaktische Ansatz kommt schon aus dem Konzerthaus Berlin, wo wir seit fünf Jahren auftreten. Und das hieß es irgendwann: Bringt doch Kinder ebenso zum Singen wie die Großeltern. Bringt denen die Volkslieder nah. Vor fünf Jahren wurde das Jubiläum 200 Jahre Gebrüder Grimm gefeiert. Wir haben dazu ein Märchen mit Motiven der Grimms neu geschrieben, ich habe dazu die Volkslieder neu arrangiert und ein richtiges Märchenstück daraus gemacht.

"Jazz und Volkslieder"

Ein Musical?

Heiß: Richtiges Musiktheater, für die ganz Kleinen von 5 bis 9. Davon haben wir einen Ableger gemacht, mit dem Titel „Es tönen die Lieder“. Der Ansatz ist nicht nur Kinder, sondern wie bei ABBA für Menschen von 6 bis 99. Da sind Volkslieder dabei, Klassik, Jazz, das alles ist eingebunden in eine Story, dass die Bogarts um die Welt reisen, Bogart besuchen, am Amazonas landen, und so weiter. Ob die Leute perfekt singen können, ist egal. Wir halten keine Gesangsstunden. Wir wollen, dass die Menschen großartige Lieder erleben, und dass es Spaß macht.

Und das ist wirklich für alle? Haben Sie schon mal erlebt, dass niemand mitsingt?

Heiß: Aaach, das darf man nicht zu didaktisch sehen. Es muss Spaß machen. Und die Leute lachen sich schief über unseren anarchischen Humor. Wer singt, der singt, wer grölt, der grölt, und wer zuhören will, hört zu. Meistens stecken die Kinder die Erwachsenen an. Wenn die Kinder mitmachen, machen eigentlich alle mit.  Aber es ist auch in Ordnung, wenn die Leute mal zuhören. Wenn wir „As time goes by“ singen, erwarten wir nicht, dass jemand mitsingt.

"Eine tolle Musikkultur"

Ihre Erfahrungen, wie sind die: Kennen die Menschen überhaupt noch Volkslieder und Kinderlieder?

Heiß: Ne, also, die Leute stellen bei unseren Konzerten selber fest: Das sind so tolle Lieder!  Wuir singen sie nicht mehr, wir singen die auch nicht mehr mit unseren Kindern, obwohl die so schön sind wie die anderer Länder. Sogar Musiklehrer sagen das. Es kommt wahrscheinlich darauf an, wie man es macht. Deutsche Volkslieder, das klingt erstmal nach Piefigkeit, nach Qual. Wir singen die aber anders, ohne das Rad neu zu erfinden. Damit die Leute erkennen, was für eine tolle Musikkultur dahintersteckt.

Von Heimat wird gerade allenthalben gesprochen. Ist Heimat wieder im Kommen?

Heiß: Als Sänger möchte ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Wir machen grad eine neue Scheibe, die viele Bearbeitung von deutschen Liedern beinhaltet. Deutsches Liedgut eben. Aber soll man das sagen? Deutsches Liedgut… andererseits: Was spricht denn dagegen? Man muss das unverkrampft sehen, wir haben unsere Volkslieder, die anderen auch. Man kann es ja auch mit anderen Kulturen verbinden und muss es nicht dem rechten Lager zu überlassen. Wir machen es so, dass man die Lieder noch erkennt, aber dass sie doch anders sind. Den „Lindenbaum“ von  Schubert versehen wir dann auch mal mit anderen Klängen. Man erkennt es, erkennt aber auch den Austausch mit anderen Kulturen.

Ihr Lieblingslied?

Heiß: Ich bin  sehr stark durch unsere CD beeinflusst, die am 19. November rauskommt. Ich finde, das ist in unserer Bearbeitung wunderschön geworden. Es ist Herbst, die Blätter sind bunt, dann kann sich auch gerne mal Melancholie einstellen.

Programm der Sangeslust:  Freitag, 3. November, 20 Uhr, Mitsingkonzert, Liebesbier; Samstag, 4. November, 18 Uhr, Serenata Balkonia, am Markgräflichen Opernhaus; 18.30 Uhr, Restaurantfestival, ab 18.30 Uhr; Sonntag, 11 Uhr, Sing Sing, JVA St. Georgen; 16 Uhr, Kiddy kiddy bäng bäng, Zentrum.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06