Blogger-Serie: Voll Vivi

Vivien Walther (20) nennt ihren Kleiderschrank liebevoll „das Monster“: Während sie viele Röcke, Blazer und Übergangsjacken instagram-tauglich auf einer Kleiderstange präsentiert, lassen sich die Türen ihres Kleiderschrankes kaum mehr schließen, so voll ist er mit Kleidung. Unten ein Berg von Schuhen, eine Etage drüber Dutzende Pullover und Röcke. Ganz oben T-Shirts und Tops. Selbst auf dem Kleiderschrank stehen Kartons und Sandalen.

Gewagte Bilder

Doch heute sucht sie keine Klamotten. Heute will sie sich auf ihren Blog zeigen, wie sie ist. In einem schwarzen Sport-BH und Leggins steht sie da. Der Bauch wölbt sich über den Hosenbund, man sieht ihre Dehnungsstreifen. Das Licht ist gedimmt, sie stellt den Selbstauslöser ihrer Kamera an. Zunächst steht sie ungewohnt steif vor der Kamera, das Gesicht von den braunen Locken verdeckt. Doch von Foto zu Foto wird sie immer mutiger. Sie lacht, macht einen Kussmund, zeigt ihren Bauch von vorne. Nach wenigen Minuten ist sie fertig. „Wenn ich mich so zeige, können es meine Leser auch“, sagt sie mit einem Achselzucken.

Sie weiß, wer sie ist

Zielsicher greift die Übergrößen-Bloggerin in ihren Kleiderschrank, zieht einen schwarzen Plissee-Rock und ein Jeanshemd heraus, sucht sich ein passendes Paar Sandalen und eine auffällige Statement-Kette. Mit den Klamotten ist sie nicht mehr die verletzliche 20-Jährige, sondern eine selbstbewusste starke junge Frau. Die weiß, wer sie ist.

Keine Lust auf Diäten

Vivien Walther hat die Nase voll von Diäten, denn „dafür esse ich einfach zu gerne“. Pizza, Pasta, Scampi. Hauptsache lecker. Deshalb hat sie vor einigen Jahren beschlossen, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie ist. Mit Haut und Haaren. Und trotzdem wird sie häufig für ihre Röcke und kurzen Hosen kritisiert. Schlüsselerlebnis im September vor vier Jahren war, als sich eine Passantin beschwerte, wieso sie mit einer kurzen Hose unterwegs ist. Das hat sie so wütend gemacht, dass sie daraufhin ihren Blog „fashionforothersizes“, also Mode jenseits „der normalen Größen von 36 bis 40“ ins Leben gerufen hat.

Viel Kritik, aber auch viel Lob

Für ihren Kleidungsstil erntet die gelernte Fotografin auch heute noch viel Kritik: Plisseerock, Kleider, kurze Hosen oder bauchfrei im Croptop gefallen nicht jedem. „Ich wusste nicht, dass es heute noch so verrufen ist, Übergrößen zu tragen“, sagt sie. Dennoch – oder gerade deshalb - will sie anderen Frauen Mut machen: Denn „wenn ich so etwas trage, können sie das auch“. Nicht nur ihre Leser, sondern auch ihre Freunde fragen sie mittlerweile nach Mode-Tipps. Mit einigen geht sie sogar shoppen und kleidet sie „shopping queen-like“ um.

"Meine Definition von sexy"

Zu ihren jüngsten Leserinnen gehören Zwölfjährige, die sich nach Walthers Erfahrung „nicht wohl in ihrem Körper fühlen“. Die älteste Leserin ist 45. Darunter viele befreundete Blogger oder Familienmitglieder. Sie schreiben der jungen Bloggerin regelmäßig und suchen – meist modischen - Rat. Wichtig sei es, sich „keine Müllsäcke zu kaufen, in denen man breiter aussieht, als man ohnehin schon ist.“ Sie rät jedem, solange Klamotten anzuprobieren, bis man vor dem Spiegel steht und sich denkt „Mensch, sehe ich geil aus“. Was jedoch ihrer Erfahrung nach jedem unabhängig von der Kleidergröße steht: Eine enge Jeans, ein in die Hose gestecktes Oberteil und schöne Schuhe. „Das ist meine Definition von sexy.“

"vivi-mäßig" eben

Auch wenn sich die 20-Jährige lange für ihren Körper geschämt hat, hat sie gelernt, sich zu akzeptieren: Auch wenn sie ihre Nase „ganz schrecklich findet“, mag sie ihre Hüften und ihre Locken. Trotz Kritik will sie sich auch weiterhin freizügig, bunt und modern kleiden – „vivi-mäßig“ eben.

In unserer Serie „Bayreuth bloggt“ stellen wir jede Woche einen Blogger aus der Region vor. Ein Blog beschreibt eine tagebuchartig geführte, öffentlich zugängliche Website, die ständig um Kommentare oder Notizen zu einem Thema ergänzt wird.

Den Anfang macht der Bayreuther Food-Blogger Daniel Beuschel, der nach eigenen Angaben den größten veganen und vegetarischen Foodblog im deutschsprachigen Raum hat. Danach stellte die Sportbloggerin Laura Höhmann ihren Blog „helloseptemberxoxo“ vor. In dieser Woche wird die Plus-Size-Bloggerin Vivien Walther von fashionforothersizes ihr Leben mit Kleidergröße 46 zeigen. Kommende Woche wird der Foodblogger Christian Brodmerkel sein Konzept der intuitiven Ernährung vorstellen. Ihre Dankbarkeit und Naturverbundenheit zeigt Sabrina Schraml auf ihrem Blog lebeliebelache. Mit nach Australien, Island oder Irland nehmen die Reiseblogger Carina Arndt und Simon Markhof ihre Leser. Tabus gibt es nicht für die Bloggerin Maureen Heimann auf ihrem Blog mautschtschtsch.

3 (2 Stimmen)

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Kommentare

Echt jetzt ..... das ist Euer Anspruch als überregionale Tageszeitung ?!
Wo steht das?
...solche Berichte braucht man NICHT!
BILD-Zeitungsniveau eben... :(
@hohehu:
Nachdem Sie ja bald auswandern, müssen Sie's nicht mehr lange ertragen.
In dem Fall eine win-win-Situation...
Sollten Sie sich vielleicht auch überlegen...
Jetzt nicht mehr!
Gehen dem NK die Themen aus oder geht es qualitätsmäßig wirklich so bergab, dass man diesen Quatsch fast ganzseitig auf Seite 2 des Stadtteils bringen muss?