Blitzmarathon: Wo wird am meisten gerast?

Von Mittwoch bis Donnerstag sind Hunderte von Polizisten in Bayern im Einsatz. Von sechs Uhr morgens an messen sie 24 Stunden lang an 1900 Stellen die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer. So auch im Regierungsbezirk Oberfranken an rund 200 Brennpunkten.

Hinter Bäumen auf der Lauer

Verkehrspolizist Ralf Maisel lauert an der B 303 bei Wirsberg hinter Bäumen auf einer kleinen Anhöhe. Wenn er durch die Laserpistole schaut, sieht er einen schwarzen Zielpunkt. "Damit versuche ich, auf eine glatte, reflektierende Fläche zu zielen", sagt Maisel. Drückt er den Abzug, kann er Tempo und Entfernung der vorbeifahrenden Fahrzeuge festhalten.

24 Stundenkilometer zu schnell

Im Visier der Polizisten stehen an diesem Vormittag die vorbei rauschenden Lastwagen. Als der Lastwagen mit polnischem Kennzeichen gemessen wird, steht auf der roten Digitalanzeige "84". Erlaubt sind allerdings nur 60 Stundenkilometer. Per Funk informiert Maisel die beiden anderen Polizisten auf dem Rastplatz. Gleich werden die Kollegen der Polizeiinspektion Stadtsteinach den Lastwagenfahrer anhalten.

Sofort: Anhalten!

"Wenn wir mit der Laserpistole messen, hat das auch Erziehungszwecke", sagt Maisel. "Wer zu schnell gefahren ist, spürt sofort die Folgen." Die B 303 sei kein Unfallschwerpunkt, jedoch eine Gefahrenstelle: Wegen der eingeschränkten Geschwindigkeit (100 km/h für Autofahrer) und des stellenweisen Überholverbots.

Trotz Vorwarnung ertappt

Überhöhte Geschwindigkeit ist immer noch die Unfallursache Nummer eins. Deshalb macht die bayerische Polizei das fünfte Mal einen Blitzmarathon. Obwohl er angekündigt wird, ertappen die Kontrolleure den ein oder anderen Raser. In der Stadt Kulmbach standen sie an der B 85 bei Leuchau (80  km/h) und beim Gründla (80 km/h), an der B 289 auf der Nordumgehung (100 km/h) und bei Seidenhof (70 km/h). Weitere Messpunkte lagen in Mainleus, Rugendorf, Stadtsteinach, Untersteinach, Neudrossenfeld und Thurnau. Die genaue Auswertung liegt erst im Laufe des Donnerstags vor.

Schwerwiegende Verstöße

An der B 303 konzentrierten sich die Polizisten auf schwerwiegende Verstöße. Also solche, bei denen es nicht bei einer Verwarnung bleibt, sondern zu einer Anzeige kommt. Der Lastwagenfahrer muss den elektronischen Datenträger aushändigen, auf dem alle Fahrbewegungen gespeichert sind. Denn die Polizisten schauen sich auch die Lenk- und Ruhezeiten an. Und das Äußere des Brummis wie Reifen und Bremsscheiben. Der polnische Lastwagenfahrer bekommt ein Bußgeld von 80 Euro aufgebrummt, das er gleich zahlen muss. Zuzüglich 28,50 Euro Gebühr. Der Punkt im Verkehrsregister fällt für ihn als Ausländer weg.

Immer ignorieren welche die Geschwindigkeit

Um den Verkehr umzuleiten, ist die Geschwindigkeit teils auf 50 gesenkt worden. Trotzdem interessiert das manche nicht, die damit die Sicherheit der Verkehrspolizisten gefährden. Trotz der Ankündigung des Blitzmarathons über Radio und Zeitung entdecken die Kontrolleure Verkehrsverstöße auf ihrer Fahrbahnseite: "Es gibt immer welche, die die Geschwindigkeit nicht beachten."

Stadt und Land überwacht

In Bayreuth überwachte die Polizei elf Straßen, darunter die Erlanger Straße (50 km/h), den Bodenseering und die Ecke Preuschwitzer Straße/Kreuz (30 km/h). Auch die Adolf-Wächter-Straße (30 km/h), die Universitätsstraße (50 km/h) und die Markgrafenallee (30 km/h) standen auf der Liste. Im Landkreis standen unter anderem Bad Berneck/B 303 (60 km/h), Bischofsgrün/B 303 (100 km/h), und Eckersdorf/B 22 (70 km/h) unter Beobachtung. Auch bei Goldkronach, Heinersreuth, Hollfeld, Mistelbach, Mistelgau, Speichersdorf, Pegnitz und Pottenstein waren Messstellen eingerichtet.

Nur vier missachten die Regeln

Polizeioberkommissar Stephan Ötter hat in der Zeit von 14 bis 19 Uhr Dienst an der B 22. Er überprüft beide Fahrstreifen mit Hilfe eines Blitzgeräts, einer Kamera und einem Sensor, der den Abstand zur Fahrbahn misst. Obwohl in beide Richtung in knapp drei Stunden zirka 1500 Fahrzeuge fuhren, meldet er nur vier Beanstandungen.

120 Euro Bußgeld dank Beweisfoto

"Offenbar sind die meisten bereits sensibilisiert. Die Höchstgeschwindigkeit war bisher 145", sagt Ötter. Ein Sportwagen aus Tschechien hat überholt, erlaubt ist an der Stelle aber nur 100. "Das gibt ein Bußgeld von 120 Euro. Noch einen Stundenkilometer schneller und es würde ein Fahrverbot verhängt." Einige Kilometer weiter wird er gestoppt, denn in Tschechien käme er ohne Strafe davon. In Bayern reichen dagegen Kennzeichen und Beweisfoto. Ein Lastwagen war mit 80 Sachen unterwegs, hätte aber nur Tempo 60 fahren dürfen. "Die Messstelle ist beliebt, ein Klassiker", sagt Ötter, da hier immer wieder Temposünder erwischt werden und auf der Bundesstraße bereits etliche tödliche Unfälle passierten.

Im Jahr 2016 ereigneten sich nach Angaben der Polizei 32.311 Unfälle in Oberfranken. 2076 Fahrer waren zu schnell unterwegs. Hierbei wurden 973 Personen verletzt und vier Menschen kamen dabei ums Leben.

1 (1 vote)

Anzeige

Kommentare

...Blitzmarathon: Wir fahren doch ALLLE zu schnell... Sollten uns wirklich reduzieren.
Is gescheiter...
Wer auf Dienstfahrt ist, fährt langsam!
Wie man wieder mal lesen kann geht so mancher Ausländer straffrei aus wenn er nicht sofort gestoppt wird. Aber D vollzieht die Strafbefehle aus Polen und Tschechien!?
Wie stehts da mit der EU Gleichbehandlung ?
So ist es!
Genau!! In Italien wird das Auto konfesziert und die Geldstrafen sind viel höher. In Deutschland nicht, wo bleibt die Gleichbehandlung?