Bewegung im Schanzenstreit

Eine Skisprungschanze ist kein alltägliches Bauwerk. Sondern ein Vorhaben, bei dem mehr Risiken lauern als bei einem Einfamilienhaus. Diese Erfahrung musste vor einigen Jahren schon Bischofsgrün machen. Und nun Warmensteinach. Bauherr war beziehungsweise ist jeweils der Zweckverband des Wintersportleistungszentrums nordischer Disziplinen im Fichtelgebirge, dessen Vorsitzender kraft Amtes der Warmensteinacher Bürgermeister ist.

In Warmensteinach begannen vor fünf Jahren die Arbeiten für die neue 42-Meter-Schanze. Doch die Abnahme des halb fertigen Baus wurde verweigert, weil der Betonbau vom Bauplan abweicht, ein Aufbringen der Anlaufspur sei nicht möglich, die Zertifizierung der Schanze für Wettbewerbe durch die FIS stehe in Frage, als Konsequenz wurde ein Teil des vereinbarten Geldes für die Firma zurückgehalten. Ein Gutachter stellte denn auch Abweichungen des Rohbaus von den Plänen um bis zu 15 Zentimeter fest.

Baufirma hält dagegen

Der Geschäftsführer der Baufirma hielt dagegen, dass sie nicht ausreichend mit Daten versorgt worden sei, dass ein Betonrohbau in so anspruchsvoller Form (unter anderem Betonieren mit 35 Grad Neigung) nicht in der geforderten Genauigkeit (maximale Planabweichung: ein halber Zentimeter) erstellt werden kann. Und stellte in den Raum, dass die Detailarbeiten mit Spritzbeton und einer zusätzlichen Schalung ein eigenes Gewerk hätten sein müssen. Die Baufirma hatte schließlich den Zweckverband verklagt auf Auszahlung von ausstehenden 107 000 Euro.

Während die Fronten verhärteten und im Vorfeld eine Einigung ohne Gerichtsverhandlung unmöglich erschien, bewegten sich nun vor Gericht beide Seiten deutlich aufeinander zu. Der Geschäftsführer der Baufirma musste einsehen, dass er um eine Nachbesserung nicht herumkommen wird. Und der Zweckverband musste einsehen, dass er wohl das Unmögliche ausgeschrieben hatte.

Kein Abriss nötig

Auch die Frage, ob die halb fertige Schanze nachgebessert werden kann oder komplett abgerissen und neu gebaut werden muss, konnte vor Gericht geklärt werden. Es soll nachgebessert werden. Dabei soll teils Material weggenommen, teils neues aufgebracht werden.

Vor Gericht wurde gleich hart verhandelt. Wie viel Toleranz ist erlaubt: 1,5 Zentimeter? Drei Zentimeter? Was gilt als Mängelbeseitigung und was ist zusätzliche Arbeit, die extra vergütet werden muss? Und neben den technischen Fragen müssen auch die finanziellen Differenzen geklärt werden.

Entscheidend ist aber aktuell, dass beiderseits der Wille bestand, die Sache zügig zu einem guten Ende zu bringen, und zwar gemeinsam. Die Baufirma soll nun vom Gutachter Daten bekommen, mit denen die Nachbesserung geplant werden kann. Die Arbeiten selbst sollen nicht mehr als sieben bis maximal 14 Tage dauern und können von der Firma kurzfristig gemacht werden. Für Ende Juli ist ein gerichtlicher Verkündungstermin angesetzt. Der abgeblasen werden kann, wenn beide Seite zu einer außergerichtlichen Einigung finden.

Schanze fehlt dem Nachwuchs

Das Schanzenprojekt insgesamt ist mit rund 840 000 Euro angesetzt. Die Schanze mit einer Sprungweite von 42 Metern spielt eigentlich eine wichtige Rolle fürs Training des Skisprungnachwuchses, weil sie genau zwischen den beiden Bischofsgrüner 30- und 64-Meter-Schanzen liegt. Das Fehlen der Schanze zwingt die Athleten zu langen Fahrten zu weiter entfernten Trainingsstätten.

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