Bernecker wollen wieder Zug fahren

Die letzte Stadtratssitzung der Kurstadt war weitgehend geprägt von Harmonie und Einigkeit. Dass die Stadtväter und -mütter aus dem Stand heraus auch anders konnten, lag zur Mitte der Sitzung am Antrag des stellvertretenden Bürgermeisters und FWG-Stadtrats Alexander Popp.

Bei der Beratung zur Fortschreibung des Regionalplans Oberfranken-Ost schlug er vor, die Forderung nach Reaktivierung der Bahnstrecke von Neuenmarkt über Bad Berneck bis Bischofsgrün zu beschließen. Nach kurzer Debatte mit mehreren Wortmeldungen wurde Popps Antrag von einer Mehrheit quer durch die drei Fraktionen – einschließlich der Bürgermeister-Stimme – mit acht gegen sechs Stimmen abgelehnt. Aber auch die unterlegene Minderheitsmeinung war fraktionsübergreifend zustande gekommen: Markus Scherm und Christoph Seidel (beide CSU), Joachim Beth und Alexander Popp (beide FWG) sowie Katharina John und Wolfgang Kruhme (beide SPD).

Zum Antrag befragt, sagte dazu der Tourismus-Fachmann und Geschäftsführer der Tourismus & Marketing GmbH Ochsenkopf Andreas Munder: „Der Wiederaufbau der Bahnstrecke im Tal des Weißen Mains würde den Mainradweg an seinem Beginn in der Ochsenkopfregion rückabwickeln. Dabei handelt es sich um einen zertifizierten und hoch prädikatisierten Radwanderweg, der für den Tourismus in Franken über unsere Region hinaus sehr wichtig ist und auswärts entsprechend stark beworben wird. Sinn macht dagegen, den politischen Weg für die noch existente Trasse im Steinachtal mit weit geringerem Aufwand frei zu machen, wie das seit Jahren gefordert und vom Planungsverband gewürdigt wird.“

Die Vorlage des Planungsausschusses des Regionalverbandes vom 15. Juni führt zum Schienenverkehr an: „Die Wiederinbetriebnahme der Strecke Bayreuth-Weidenberg zeigt, dass der Schienenpersonenverkehr einen wichtigen Baustein im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bilden kann. Durch die Weiterführung bis Warmensteinach kann die Ochsenkopfregion durchgehend bis Nürnberg erschlossen und als attraktive Bahnnebenstrecke in den VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) integriert werden. Dies würde auch ein größeres touristisches Nachfragepotenzial generieren.“ Außerdem wird ausdrücklich Bezug genommen auf die vom Regionalen Planungsverband im Jahr 2010 verabschiedete „Hofer Erklärung“. Danach wird auch der Lückenschluss der Strecke Hof-Eger über Selb-Plößberg und Asch „für unabdingbar gehalten“. Auch in Richtung Thüringen wird die Reaktivierung von Hof bis zum Anschluss an das Thüringer Regionalbahnnetz bei Blankenstein für sinnvoll gehalten.

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Kommentare

Ich halte das Vorhaben einer reaktivierten Bahn nach Bischofsgrün auch für kaum durchführbar, wenn man das Trauerspiel bei der Fichtelgebirgsbahn nach Warmensteinach kennt.
Interessant ist aber der Kommentar im Kurier von Andreas Gewinner, der sich wieder einmal gegen ein Bahnprojekt äußert, so wie er auch bei der Bahn nach Warmensteinach immer ablehnend war.
Ein Bahnanschluss des Hohen Fichtelgebirges an den VGN wäre langfristig sicher sinnvoll, weil es vielleicht die letzte große Infrastrukturverbesserung für diese Region sein könnte.
Aber mit Erbsenzählerei (Fahrgastzahlen) und Bedenkenträgerei erreicht man halt keine Verbesserung.
Auch ich stimme Ihnen hier zu. Diese Argumentation wird leider von einigen Verantwortlichen in der Region nicht gesehen oder sie soll nicht gesehen werden. Es fehlt hier eine objektivere Sicht auf die Verbesserung der Fichtelgebirgsregion. Deren Zustand ist bekannt und zwar seit langem: Die Imobilienpreise bröckeln, die ÖPNV-Anbindung ist schlecht. Eine solche Maßnahme würde als Infrastrukturmaßnahme weiterhelfen diesen Trend zumindest abzumildern. In anderen Region funktioniert dies auch. Ich verstehe hier die Bad Bernecker. Die betroffenen Kommunen im Fichtelgebirge - und hier vor allem im Bayreuther Landkreis - werden skandalös alleine gelassen. Wo ist das Konzept des Landkreises Bayreuth für die Entwicklung seines Fichtelgebirgsteils?? Die Wunsiedler sind hier viel weiter. Sie werden den LK Bayreuth touristisch hier um Längen überholen.
Das Positive: Ideen sind ja da, auch wenn nicht jede verwirklicht werden kann. Die Menschen haben zumindest erkannt, dass sie sich selbst helfen müssen und dass sie den verantwortlichen Politikern und Beamten auf Kreisebene nicht mehr trauen können. Sie wollen lieber anpacken als kaputt verwaltet werden...!
Ganz so einfach ist die Situation im westlichen Fichtelgebirge leider nicht.
Es stimmt, dass sich der Bayreuther Landkreis kein Bein mehr ausreißt, um die Bahn bis Warmensteinach weiter zu bauen. Das liegt aber daran, dass die Warmensteinacher Gemeinde sich jahreland dagegen gewehrt haben, auch mit Unterstützung des Kurier-Redakteurs aus Bischofsgrün.
Selbst jetzt gibt es nur einen Gemeinderatsbeschluss, der sich für die Bahn ausspricht, aber sonst in keiner Weise aktiv wird.
Der frühere Landrat Dietel kämpfte zusammen mit dem Weidenberger BG Fünfstück wie ein Löwe, leider nur erfolgreich bis Weidenberg, weil es damals keine Zustimmung des Warmensteinacher Gemeinderates gab.
Ich meine aber auch, dass der neue Landrat nicht von der Sache selbst überzeugt ist und sich deshalb der (vermeintlichen) Meinung der Bürgermehrheit anpasst.
Es stimmt, dass in Bad Berneck ein neuer Wind weht.
Dieser Zug ist aber nun wirklich abgefahren...