Berliner slammt am Besten beim 40. Bayreuther Poetry Slam

Bereits in der Vorrunde hatte Weigl mit seinem witzigen Werbeclip „Bibi & Bubu in der Gosse“ die Lacher auf seiner Seite. Für seine schräge Story vom Kindergartenmädchen, das dank Selbstbehauptungstrainings vom Weichei zur Terrorzicke mutiert, gab es hohe Punktzahlen von der Publikumsjury. Mit seinem Sieg qualifizierte sich der Berliner für das Finale der Monatsbesten – in Slamkreisen Highlander genannt – am 25. Mai. Nach dem bekannten Motto „Es kann nur einen geben“ wird dort ermittelt, wer Bayreuth bei den deutschsprachigen Poetry Slam-Meisterschaften in Hamburg vertreten darf.

Die Abenteuer seines Helden haben schon Kultstatus: Dennis Langer, der auf Rang zwei landete, präsentierte die neuesten Erlebnisse des Herrn von Runkenstein. Dieses Mal machte sich der findige Runkenstein Gedanken um die weitere Verwendung der auf seinem Dachboden lagernden Atombrennstäbe und konnte das verstrahlte Metall schließlich zum Zwecke praxisorientierten Physikunterrichts an Schulen verkaufen. Besonders seine kreative Suche nach sauberer Energie begeisterte die muntere Runde im Podium: Runkenstein alias Dennis Langer riet zu Heißluftreaktoren – angetrieben durch die Dampfplauderei ausgewählter Politiker.

Johlender Applaus

Platz drei ging in die Oberpfalz: Hatte Wolfgang Tischer bereits im ersten Durchgang für sein urkomisches „Märchen von den drei weiblichen Schwestern“ johlenden Applaus geerntet, setzte der Amberger im Finale noch eins drauf. Ungerührt von einigen Versprechern („Ich hab mich jetzt in Gedanken verlesen“) trieb der ohne Spickzettel angetretene Tischer den Slamfans mit Erfahrungen mit seiner chinesischen Chatfreundin Ling die Lachtränen in die Augen.

Das Feld der Slammer komplettieren Paddy aus Ansbach mit einer runden Persiflage auf König Fußball („Der Ball ist rund und hinten muss die Null stehen“), der Dortmunder Markus Veith mit einem Seitenhieb auf poetische „Herzschmerz-Tintenphantasien“, Lokalmatador Jan Hörsch mit wunderschönen Weisheiten rund um die Liebe sowie der erst sechzehnjährige Tobi Lischka aus Fürth. Letzter zauberte nicht nur seinen Zuhörern mit witzigen Reimen zum Thema Frauenhelden („Keine war ihm schön genug, egal wie sie die Haare trug“) ein dickes Grinsen ins Gesicht, sondern überraschte zudem seine gerührte Freundin mit einer selbstgetexteten Liebeserklärung.

Selbstgetextet – eine der Grundvoraussetzungen beim Poetry Slam – waren natürlich alle Beiträge im kurzweiligen Poetenwettstreit. Auch wenn man das in Bayreuth immer noch einmal extra sagen müsse, grinste Moderator Michl Jakob: „Abschreiben ist hier nicht.“

Der nächste Poetry Slam in Bayreuth findet am 25. Mai um 19.30 Uhr im Podium statt.
Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06