Bergwacht übt für den Ernstfall

Nicht immer kann die Bergwacht noch etwas ausrichten, wenn sie an einen Einsatzort kommt. So war es zum Beispiel, als ein älteres Ehepaar in der Fränkischen Schweiz gemeinsam Selbstmord beging. Die beiden waren von einem Felsen gesprungen. Dieser Einsatz ist Roland Haber, dienstältester Pottensteiner Bergwachtler, besonders in Erinnerung geblieben. „Aber es ist nicht so tragisch, Leichen zu bergen. Es ist schlimmer, wenn dir jemand unter der Hand wegstirbt“, meint der 59-jährige Haber.

Zahlreiche glücklich verlaufende Einsätze

Stellvertretender Bereitschaftsleiter Thomas Eckert ergänzt: „Immer wenn du Tote hast, dann hast du zu schlucken.“ Doch es gibt auch zahlreiche glücklich verlaufende Einsätze. Zum Beispiel den, als die Bergwacht sich um eine Frau kümmerte, die innere Verletzungen erlitten hatte und ohne die schnelle Hilfe wohl verblutet wäre. Oder als ein Wanderer in der Betzensteiner Gegend stürzte und eine Kopfverletzung davontrug. Im Krankenhaus erfuhr er, dass er vermutlich im Rollstuhl gelandet wäre, wenn die Bergwacht ihn nicht so schnell und behutsam abtransportiert hätte. „Seitdem fördert er uns jedes Jahr und ist auch bei unseren Festen dabei“, sagt Bereitschaftsleiter René Brendel.

Für jede Art von Einsatz müssen die Mitglieder der Bergwacht geschult sein. Deshalb haben sie das Mehrzweckhaus aufgerüstet: Mit Griffen an einer Wand, um die Bergung eines Kletterers, der in der Wand hängt, zu üben. Oder mit einem viereinhalb Meter hohen Baum, an dem die Freiwilligen die Rettung verunglückter Gleitschirmflieger trainieren können. „Das ist ein Verfahren, das jeder Bergretter in Bayern können muss“, erklärt Brendel. Kurze Zeit später demonstriert Roland Haber, wie das geht: Mit Sporen an den Schuhen und einer Schlinge um Baum und Hüfte klettert er Stück für Stück nach oben, um dort den „verunglückten“ René Brendel zu retten. Oben angekommen wendet er diverse Kniffe an, sodass Brendel kurze Zeit später abgeseilt werden kann.

Großes Einsatzgebiet

Das Einsatzgebiet der Bergwacht Pottenstein ist knapp 700 Quadratkilometer groß. Die nördliche Grenze markieren die Orte Hummeltal und Mistelgau, die westliche Trennlinie ist die Wiesent, die östliche liegt auf Höhe von Troschenreuth und Pegnitz, der südlichste Zipfel ist Hormersdorf. Die nächsten Bereitschaften sind in Forchheim, Lauf, Sulzbach sowie in Bayreuth und Kulmbach.

Pottenstein als Standort sei auch deshalb so wichtig, weil in diesem Gebiet die Einsätze immer mehr werden. Erst einen Tag vorher rückten die Freiwilligen aus, ein Kletterer war gestürzt. Die Bergwacht hatte den Verdacht, dass er sich beide Fersenbeine gebrochen hatte. René Brendel lobt besonders die Kameradschaft in seiner Truppe. „Das ist wie Familie“, sagt er. Auf der Hütte zusammenzusitzen, das sei der Wahnsinn.

Wanderer sprechen an

Haber, der für den Bereich Technik verantwortlich ist, erzählt, dass Wanderer die Pottensteiner Bergwachtler immer wieder ansprechen, wenn sie auf der Hütte zusammensitzen, und fragen, warum es in Pottenstein überhaupt eine Bergwacht gebe. „Dann sage ich: ,Genau, weil ihr hier seid, da kommt keine Feuerwehr hin‘“, so Haber.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06