Berglauf: Betzensteinerin beste Deutsche

Sie ist begeistert von der Eröffnungszeremonie, dem Wettkampf, dem Publikum, der Stimmung, der Athletenabschlussfeier – und der ganzen atemberaubenden Gegend überhaupt. Und nicht nur sie darf begeistert sein, sondern auch all ihre Fans, die ihr die Daumen gedrückt hatten. Das scheint auch etwas geholfen zu haben.

Beste des deutschen Nationalteams

Denn: Als einzige des deutschen Teams kam die 26-Jährige unter die besten 20. Auch keine Männer der Nationalmannschaft hatten das geschafft. Bei den Frauen waren 64 Teilnehmerinnen bei der Weltmeisterschaft dabei. Lisa Wirth erreichte den mehr als respektablen 18. Platz. In 1:10:30 Stunden erreichte sie nach 13,5 Kilometer bergauf und bergab das Ziel.  „Der Rundkurs war knallhart und sehr anspruchsvoll. Mit steilen Steigungen und Gefällen, teilweise um die 30 Prozent, und wechselnder Bodenbeschaffenheit“, erzählt sie.

 

 

Oder wie der Berglaufberater des deutschen Leichtathletikverbandes, Kurt König, sagt: „Eine beinharte Strecke.“ Während der erste Kilometer noch mit einer humanen Steigung durch die Stadt ging, wechselte dann die Strecke. Es ging über Stufen, Steine, Wiesen und Pfade. Gibt man auf Youtube „World Mountain Running Championship Premana 2017 Virtual Tour speed up“ ein, dann sieht man ein virtuelles Video, das die Strecke zeigt.

Eindrucksvolles Video

Und betrachtet man sich das Video, tun einem dabei schon alleine vom Zusehen die Knochen weh und es setzt Schnappatmung ein. „Ich hab ziemlich argen Muskelkater. So einen hatte ich noch nie. Ich tue mir momentan schwer, eine Treppe runter zu laufen. Neben dem Muskelkater meines Lebens habe ich mir auch noch zwei blutige Zehennägel erlaufen“, sagt Wirth. In der nächsten Zeit sei jetzt erst mal Erholung angesagt. Das beinahe tägliche Training, das sie im Vorfeld gemacht hatte, muss erst einmal ausfallen, die Muskeln – und auch die Zehennägel – brauchen erst mal Erholung.

Atemberaubende Ausblicke

Auf der Geraden, egal ob auf der Straße oder auf der Bahn, zu laufen wäre schon entspannter, als sich erst einmal drei Kilometer mit 430 Höhenmetern nach oben und anschließend wieder drei Kilometer nach unten zu quälen, und das zweimal hintereinander. Aber, so die Athletin: „Das Schöne daran ist, dass sich die Gegend immer wieder ändert. Man blickt zur Seite und plötzlich sieht man ein atemberaubendes Bergpanorama“.

 

 

Sie schaut nie nach oben. Sonst würde man vermutlich verzweifeln, wenn man sieht, dass die Steigung überhaupt kein Ende mehr nehmen will. Man schaut nur auf den Boden, damit man wegen des wechselnden Untergrunds nicht stolpert, wissend, dass man von jemanden, ein paar Meter dahinter, verfolgt wird. Oder man schaut eben ab und zu mal zur Seite, wenn die Zeit dafür da ist. Und Zeit ist bei einer WM grundsätzlich Mangelware.  

Sanitäter im Großeinsatz

Viele Sportler steigen auf der Strecke aus, weil sie einfach am Ende ihrer Kräfte sind. Und viele werden, nachdem sie am Ziel angekommen sind, im Sanitätszelt versorgt. „Noch bevor ich gestartet bin, sah ich, wie Sportler ankamen und reihenweise von Sanitätern versorgt werden mussten.“

Wenn die Muskeln schmerzen

Wirth blieb das erspart. Zwar taten ihr alle Knochen weh und vor allem die Oberschenkelmuskulatur schmerzte, aber ans Aufgeben dachte sie nie. „Nach einiger Zeit bergauf, und dann wieder bergab, spielt es keine Rolle mehr, wie sehr die Beine schmerzen. Dann läuft der Schmerz die ganze Zeit mit. Die hören eh nicht mehr auf. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist es schon egal.“ Dann geht es, wie sie sagt, nur noch darum mental durchzuhalten. Sich auf das Ziel zu konzentrieren – körperliche Befindlichkeiten müssen ausgeblendet werden.

Zuschauer tragen Athleten ins Ziel

„Als ich schließlich bereits das Ziel vor Augen hatte, durch die Zielbögen gelaufen bin und von den ganzen Menschen an der Straße angefeuert wurde, war ich überglücklich. Dann gibt man sein letztes Körnchen. Man wird dann von dem Publikum ins Ziel getragen“, erklärt Wirth. Im Ziel angekommen merkte sie schließlich doch, welchen Tribut die Strecke an ihrem Körper gefordert hatte. Als eine Dame ihr den Chip, der zur Zeiterfassung zuständig ist, abgenommen hatte, musste sie sich an der erst einmal festhalten. Dann war ihr ein wenig schummrig vor Augen. „Ich bin getaumelt und wusste gar nicht mehr so richtig, wohin.“

Sie würde es noch einmal tun

Hatte sie selbst überhaupt damit gerechnet, bei ihrer ersten WM solch einen Platz zu erzielen? „Nicht wirklich. Aber bei der Streckenbesichtigung im Vorfeld wusste ich, dass mir der Kurs gut liegen würde, da vor allem die Bergabpassagen unseren Wanderungen in den Bergen ähnelten.“ Geht es nach ihr, würde sie sich das alles im nächsten Jahr noch einmal antun, bei der Weltmeisterschaft im Bergauflauf in Andorra oder bei der Europameisterschaft im Bergauf-Bergab in Mazedonien.

"Wäre sofort dabei"

Voraussetzung dafür ist natürlich dass sie sich wieder aufgrund ihrer Leistungen für das deutsche Team qualifiziert. „Ich wäre natürlich sofort dabei“, schwärmt die Sportlerin.

Sponsoren gesucht

Lisa Wirth ist übrigens noch auf der Suche nach Sponsoren, die Lust haben sie finanziell oder mit kleinen Sachleistungen im Sport zu unterstützen. „Das Training ist sehr zeitaufwendig“, sagt sie. Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Außerdem bin ich ja auch noch Studentin.“

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