Bei Faurecia kehrt wieder Leben ein

Perspektiva ist ein Projektentwicklungs- und Logistikunternehmen mit Hauptsitz in Hof und hat bereits 80 Prozent der Lagerflächen auf dem weitläufigen Gelände an andere Firmen vermietet – darunter einige Speditionen.

Geschäftsführer Norbert Raps bietet die restliche Fläche Interessenten an. „Das hier ist ideal zum Auslagern oder wenn jemand mehr Platz braucht,“ erklärt der 50 Jahre alte Bayreuther, dessen Vater aus Kirchenlaibach stammt, gegenüber dem Kurier.

Mittelfristig 20 bis 30 Mitarbeiter

Bislang arbeiten etwa acht Leute für Perspektiva in Trabitz, mittelfristig will das Unternehmen die Mitarbeiterzahl auf 20 bis 30 ausbauen. Wie die Presseabteilung von Faurecia erklärt, stehe Perspektiva deshalb mit der Transfergesellschaft  in Verbindung.

Über den neuen Eigentümer des 65.000 Quadratmeter großen Firmengeländes freut sich besonders die Trabitzer Bürgermeisterin Carmen Pepiuk. „Das ist natürlich eine sehr positive Nachricht  für die Gemeinde, wenn die Industriebrache wieder mit Leben erfüllt wird.“

Schnell über die Bühne gegangen

Die Bürgermeisterin war über die Verkaufsverhandlungen stets informiert und letztlich überrascht, wie schnell diese über die Bühne gegangen seien. In Stadeln, wo Faurecia ebenfalls sein Werk geschlossen hat, habe es zwei oder drei Jahre gedauert, bis das Gelände verkauft worden sei, weiß Pepiuk.

Faurecia zählt weltweit 32.000 Beschäftigte, davon 7000 in Deutschland, und  ist die weltweite Nummer eins für Autositzstrukturen und -mechanismen,für Emissionskontrolle und den Fahrzeuginnenraum.

50 Prozent haben wieder einen Job

260 der zuletzt 222 Mitarbeiter des Werks Trabitz wechselten im Lauf des Jahres 2016 in die Transfergesellschaft des Augsburger Unternehmens Projekt- und Transfergesellschaft (PTG).

Mittlerweile hätten laut PTG-Geschäftsführer Bernd Nickolay rund 50 Prozent wieder einen Job gefunden. „Für den Rest, meist ältere Arbeitnehmer, sieht es auf dem Arbeitsmarkt halt schlecht aus“, so Nickolay.

Geballter Widerstand

In den Glanzzeiten des Unternehmens arbeiteten bis zu 800 Frauen und Männer in Trabitz. Nach Bekanntwerden der Schließung Mitte vergangenen Jahres regte sich geballter Widerstand bei Beschäftigten, Gewerkschaft, Politikern und Kirche. So schrieb der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zwei Brandbriefe an die Firmenleitung, in denen er einen adäquaten Sozialplan für die Betroffenen forderte.

Das und der Einsatz des damaligen Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel bei seinem französischen Amtskollegen haben nach Einschätzung des früheren Betriebsratsvorsitzenden Karl Boemmel zum Einlenken des Unternehmens geführt.

Schließung schmerzt noch immer

„Die Geschäftsführung hat zugegeben, dass der politische Druck am Ende sehr groß wurde“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende im Juli 2016. Boemmel, der Ende Dezember vergangenen Jahres ebenfalls in die Transfergesellschaft wechselte, freut sich über die Neuansiedlung. Zugleich will er aber nicht verhehlen, dass die Schließung immer noch schmerze. „Es tut weh, wenn du da vorbeifährst“, sagt der 55-Jährige und schätzt seine eigenen Aussichten als sehr düster ein.

Tropfen auf dem heißen Stein

Wenn jetzt vielleicht 20 ehemalige Faurecia-Angestellte einen neuen Job finden in Trabitz, so ist dies zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber damit sei wenigstens ein paar Leuten geholfen, sagt der zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Udo Fechtner, und erinnert an seine Aussage vom Juli 2016: „Wir konnten zwar nicht Scheiße zu Gold machen, haben aber relativ viel erreicht. Faurecia hat sich gegen diese Lösung lange heftig gesträubt.“

Nicht bewertet

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Kommentare

Wie geht das denn, dass von 222 Mitarbeitern 260 in eine Transfergesellschaft wechseln können??
Montag, 13. November 2017 - 11:06