Bei den Zimmerern läuft's

"Jammern dürfen wir wirklich nicht." Das stellten Landesinnungspräsident Peter Aicher (Halfing bei Rosenheim) und Bezirksvorsitzender Manfred Amon (Hallstadt) im Gespräch mit dieser Zeitung klar. Der Umsatz der knapp 3000 bayerischen Betriebe der Zimmerer- und Holzbaubranche mit ihren gut 16.500 Beschäftigten, von denen rund die Hälfte in den Innungen organisiert sind, habe im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zugelegt. Der Auftragsbestand sei mit im Schnitt acht bis zwölf Wochen sehr gut, wobei es auch Betriebe gebe, die schon für das ganze Jahr ausgebucht sind, so Aicher. Und auch im laufenden Jahr werde mit einem erneuten Anstieg der Erlöse um mindestens vier Prozent gerechnet. Eine Entwicklung, die so ebenfalls für Oberfranken gelte, sagte Amon, auch wenn es konkrete Zahlen auf Bezirksebene nicht gebe. Außer: In der Innung sind rund 80 Betriebe mit gut 700 Mitarbeitern Mitglied.

Fachkräftemangel hemmt Wachstum

Und dennoch könnte es sogar noch besser laufen. "Der Fachkräftemangel ist mittlerweile hier und da ein Wachstumshemmnis. Man muss die Arbeit durchaus schon mal strecken oder sogar einen Auftrag ablehnen", sagte Amon. Umso wichtiger sei es, intensiv um Nachwuchs zu werben. Offenbar mit Erfolg: Die Zahl der Auszubildenden ging jedenfalls bayernweit nur minimal auf insgesamt gut 2800 zurück. Das sei ein statistischer Effekt, weil es im Vorjahr einen starken Anstieg gegeben habe, sagte Aicher. In Oberfranken blieb die Zahl laut Amon bei etwa 150 konstant.

Werben um Nachwuchs

Das sei auch ein Erfolg des intensiven Werbens um Nachwuchs - sei es auf Berufsmessen, über das Angebot von Praktika oder über die direkte Ansprache von Schülern vor allem der Mittel- und Realschulen. "Das Zimmererhandwerk ist zum Trendberuf geworden", sagte Aicher. Man habe vor allem auch den Eltern vermitteln können, dass ihre Kinder hier einen sicheren Job mit guten Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen bis hin zum Studium ergreifen könnten.

Gutes Image

Außerdem sorge auch die Tatsache, dass Holz als nachwachsender und damit nachhaltiger Rohstoff, der sich sogar noch zu einem großen Prozentsatz hochwertig wiederverwerten lasse, für ein zunehmend gutes Image der Branche, so Aicher, und Amon ergänzte: "Es wird schon anerkannt, dass wir für heimische Rohstoffkreisläufe, heimische Arbeitsplätze und heimisches Knowhow stehen."

Digitalisierung: Chance und Gefahr

Apropos Knowhow. "Hier dürfen die Betriebe nicht blauäugig sein", sagte Aicher. Digitalisierung und modernste, teils automatisierte Maschinen könnten den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern und so auch die Folgen des Fachkräftemangels etwas dämpfen helfen. Vorsicht sei aber angebracht, wenn Angebote nur noch digital abgegeben werden dürften, und zwar bis ins planerische Detail. Da könnten im Hintergrund schnell Daten zusammengeführt werden, zum Schaden des Handwerksbetriebs. "Schützen sie ihr Fachwissen und lassen Sie sich nicht von der IT-Branche drängen", appellierte Aicher.

Probleme mit den Berufsschulen

Bezirksvorsitzender Amon wies derweil noch auf ein Problem bei den Berufsschulen im Bezirk hin. Gebe es für das erste Lehrjahr noch die Standorte Bamberg und Bayreuth, müssten ab dem zweiten Lehrjahr alle Auszubildende nach Bayreuth: "Da sind sie als junger Mensch von Ebrach aus ganz schön lang unterwegs." Deshalb fordert Landes-Hauptgeschäftsführer Alexander Habla, "dass auch mal eine Klasse durchgezogen werden muss, wenn an einem Standort die Mindestanzahl von 16 unterschritten wird".

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