BBL-Check, Teil zwei: Das Mittelfeld

S.Oliver Würzburg: Die Messlatte liegt hoch

Die Rückkehr von S.Oliver Würzburg in die BBL hätte in der vergangenen Saison kaum besser laufen können. Die Unterfranken schwebten nie in Abstiegsgefahr, konnten frühzeitig den Klassenerhalt sichern und am Ende als Tabellenachter sogar in die Playoffs springen.

Dort endete die Erfolgsgeschichte zwar mit drei klaren Niederlagen gegen Bamberg, aber das konnte die Bilanz von Trainer Douglas Spradley nicht trüben: „Wir haben mit dem frühzeitigen Klassenerhalt und dem Erreichen der Playoffs zwei Ziele erreicht. Darauf können wir stolz sein!“

Das deutsche Rückgrat des erfolgreichen Teams mit Maurice Stuckey, Max Ugrai und dem derzeit verletzten Sebastian Betz wurde mit Centertalent Georg Voigtmann (Jena) und vor allem Rückkehrer Kresimir Loncar (Berlin) sogar noch hochwertig verstärkt. Der abgezockte Deutsch-Kroate, der seine Profi-Karriere im Jahr 2000 als 17-Jähriger in Würzburg gestartet hatte, ist als wichtiger Faktor im Frontcourt eingeplant neben den bewährten Amerikanern Brendan Lane und Lamonte Ulmer sowie Neuzugang Marshawn Powell. Der 2,01 Meter große Forward bringt bereits drei Jahre Europa-Erfahrung in der Ukraine, Litauen und Italien mit, wird jedoch aufgrund einer Hand-OP zum Saisonstart ausfallen. Kurzfristig wurde daher James Southerland (zuletzt MBC) für zwei Monate verpflichtet.

Den Taktstock im Spielaufbau schwingt künftig Jake Odum. Der 1,93 Meter große US-Spielmacher stand in der vergangenen Saison bei Medi Bayreuth mit durchschnittlich 35 Minuten länger als jeder andere BBL-Akteur auf dem Parkett und zählte mit durchschnittlich 14,3 Punkten, 5,7 Korbvorlagen und 4,3 Rebounds in allen drei Kategorien zu den besten fünf Spielmachern der Liga. „Jake bringt einfach alles mit, was ein guter Point Guard braucht“, schwärmt Spradley über den Ex-Bayreuther, der als Nachfolger von Routinier Dru Joyce allerdings kein leichtes Erbe antritt. Aus Tübingen kam Vladimir Mihailovic, der dort im Schnitt 13 Punkte sammelte, mehr als drei Assists verteilte und über 40 Prozent seiner Dreierversuche verwandelte. „Unser Ziel sind die Playoffs. Ich freue mich auf das neue Kapitel meiner Karriere in Würzburg“, lässt der Nationalspieler aus Montenegro keinen Zweifel an seinen Ambitionen. Den Backcourt komplettiert der schwedische Nationalspieler Charles Barton (Sundsvall). Sein Name lässt Basketball-Insider aufhorchen: Charles Barton senior war einst Headcoach bei den Bundesligakonkurrenten Frankfurt und Ulm.

Tipp:Verletzungsprobleme störten die Saisonvorbereitung der Unterfranken. Die Neuzugänge bürgen für Qualität, sind aber kein Freifahrtschein in die Playoffs. Der Weg dorthin wird für das Spradley-Team ähnlich steinig werden wie in der Saison 2015/16.

Skyliners Frankfurt: Begehrlichkeiten geweckt

Die Skyliners Frankfurt blicken auf eine historisch gute Saison zurück. Wettbewerbsübergreifend konnten sie 49:13 Siege vorweisen, die Hauptrunde der BBL auf dem dritten Tabellenplatz abschließen, ins Playoff-Halbfinale vordringen und das Ganze noch mit dem erstmaligen Gewinn eines europäischen Titels im Fiba-Europe Cup garnieren. Es wird jedoch sicher schwer, an diese Erfolge anzuknüpfen. Vor allem die deutschen Akteure im Kader hatten Begehrlichkeiten bei zahlungskräftigerer Konkurrenz geweckt. So verabschiedeten sich die aktuellen A-Nationalspieler Johannes Voigtmann (Vitoria) und Danilo Barthel (München) sowie Konstantin Klein und Johannes Richter (beide Bonn) aus der Hessenmetropole, wo sie Trainer Gordon Herbert zu Leistungsträgern geformt hatte. Auch US-Spielmacher Jordan Theodore (Banvit/TUR) und der kanadische Flügelspieler Aaron Doornekamp (Teneriffa/ESP) verließen Frankfurt. Publikumsliebling Quantez Robertson und Center Mike Morrison hingegen blieben, ebenso Max Merz und Tim Oldenburg. Neu dazu kamen US-Flügelspieler Shavon Shields, die Nachwuchscenter Daniel Mayr (München) und Mahir Agva (Tübingen) sowie der amerikanische Shooting Guard Antonio Graves (Crailsheim), der als Vertreter des verletzten Kanadiers Philip Scrubb zunächst mit einem Vertrag bis Mitte Januar ausgestattet wurde. Für die Suche nach einem Theodore-Nachfolger ließen sich die Hessen Zeit und präsentierten erst Anfang September den 25-jährigen US-Amerikaner Markel Starks. Der Absolvent der renommierten Georgetown-University spielte zuvor beim italienischen Erstligisten Vanoli Cremona. „In der jüngeren Vergangenheit hatten wir einige sehr gute Pointguards in Justin Cobbs und Jordan Theodore. Wir hoffen natürlich, dass Markel diese Rolle für uns einnehmen kann“, sagt Herbert, der nach einer Rückenoperation die Saisonvorbereitung der Hessen nicht selbst leiten konnte und sich durch Co-Trainer Klaus Perwas vertreten lassen musste.

Tipp:Der Hessen stehen vor einem Neuaufbau und werden nicht nahtlos an die erfolgreiche Vorsaison anknüpfen können. Einige „Körner“ wird zudem die Teilnahme an der Champions League kosten. Ein sorgenfreier Platz im Mittelfeld sollte dennoch realistisch sein.

TB Bonn: Alles soll besser werden

Nach der zweitschlechtesten Platzierung in 20 Jahren Bundesliga peilen die Telekom Baskets Bonn wieder einen Playoff-Rang an. „Wir haben die Reset-Taste gedrückt und wollen auf dem Hardtberg wieder alte Baskets-Tugenden beleben“, erklärt Präsident Wolfgang Wiedlich, weshalb mit Eigengewächs Florian Koch nur ein Spieler die Sommerpause beim Tabellenelften der Saison 2015/16 „überlebte“. Kampf und Defensive sollten demnach die Tugenden sein, auf die Headcoach Silvano Poropat und Sportmanager Michael Wichterich bei der Teamzusammenstellung besonderes Augenmerk zu legen hatten. Die ersten beiden Puzzle-Teile für das neue Team fand man in Gießen: Von dort wechselten der deutsch-kubanische Flügelspieler Yorman Polas Bartolo sowie der deutsch-amerikanische Shooting Guard Anthony Di Leo auf den Hardtberg. Den Spielaufbau werden künftig US-Playmaker Josh Mayo (Scafati/ITA) und Nationalspieler Konstantin Klein (Frankfurt) dirigieren. Nach einer verkorksten Saison bei Roter Stern Belgrad und später bei Trabzonspor in der Türkei will Swingman Ryan Thompson in Bonn zu der Form zurückfinden, mit der er in der Saison 2014/15 in Bamberg maßgeblich am Gewinn der Meisterschaft beteiligt war. Aus Bayreuth kam Kenneth Horton, als sein Backup auf Position vier ist Johannes Richter (Frankfurt) eingeplant. Die Bretter soll künftig neben dem Montenegriner Filip Barovic (Sofia) vor allem US-Center Julian Gamble (Brüssel) regieren, der mit der Empfehlung als bester Shotblocker der belgischen Liga kommt.

Tipp:Silvano Poropat hat einen interessanten Kader zusammengestellt, dem die Rückkehr in die Playoffs zuzutrauen ist. Dafür muss aber das Aufbau-Duo mit Josh Mayo und Konstantin Klein harmonieren und Ryan Thompson zu alter Leistungsstärke finden.

Gießen 46ers: Auf Überraschungserfolg folgte der Umbruch

Die Gießen 46ers hatten einen gewaltigen Umbruch zu verkraften: Nach dem überraschenden neunten Platz verließ das Gros der Leistungsträger die Hessen, um andernorts besser dotierte Verträge zu unterschreiben: Anthony Di Leo und Yorman Polas Bartolo heuerten in Bonn an, Braydon Hobbs und Karsten Tadda zog es zu Vizemeister Ulm. Auch Gabriel Olaseni (Sassari/ITA) und Suleiman Braimoh (Ziel unbekannt) waren nicht zu halten. Letztlich blieben den Hessen mit Lokalmatador Benjamin Lischka und US-Guard Cameron Wells nur zwei Stammspieler erhalten. Für Trainer Denis Wucherer dürfte somit die zweite Saison nach der Erstliga-Rückkehr des Bundesliga-Gründungsmitglieds eine echte Herausforderung werden.

Mit Spielmacher Joshiko Saibou (Würzburg) lotste man einen Akteur an die Lahn zurück, der in der Pro A schon für die Hessen gespielt hatte. Aus dem erweiterten Kader von Meister Bamberg wurde Aufbautalent Andreas Obst geholt. Zudem kam aus der Pro A mit Flügelspieler Marco Völler (Gotha) der Sohn des ehemaligen Fußball-Bundestrainers Rudi Völler. Maurice Pluskota, der verletzungsbedingt in der vergangenen Saison kein Spiel für Gießen absolvieren konnte, komplettiert das deutsche Quintett.

Fünf neue Kontingentspieler fanden den Weg nach Gießen: Der US-Amerikaner Skyler Bowlin (Södertälje/SWE) verstärkt die Aufbau-Riege, während Yale-Absolvent Justin Sears, sein US-Landsmann Dwayne Evans (Trier) und der Kanadier Thomas Scrubb (Kataja/FIN) im Frontcourt eingeplant sind. Frühzeitig stand der neue Kader der Hessen fest, lediglich Wucherers kanadischer „Wunschspieler“ Jahenns Manigat (Nikosia/CYP) ging den Hessen erst Anfang September ins Netz.

Tipp:Der Abgang seiner Leistungsträger traf Denis Wucherer offenbar nicht unvorbereitet. Frühzeitig hatte der 123-fache Nationalspieler sein neues Team komplett, das sich in der Saisonvorbereitung schon gut eingespielt präsentierte. Die Qualität reicht wohl nicht, um den neunten Platz zu bestätigen, aber doch sicher für den Klassenerhalt.

Eisbären Bremerhaven: David Brembly einer der Hoffnungsträger

Zum vierten Mal in Folge mussten die Eisbären Bremerhaven um den Klassenerhalt kämpfen und dabei sogar bis zum letzten Spieltag zittern. Nur der gewonnene Dreiervergleich gegenüber Göttingen und dem Mitteldeutschen BC verhinderte den Abstieg.

Trainer Sebastian Machowski konnte den Kader nach seinen Vorstellungen umbauen. Lediglich Waverly Austin und Fabian Bleck bekommen eine neue Chance. Auf den deutschen Positionen kamen Lars Wendt (Jena), Adrian Breitlauch (Itzehoe) und Bastian Schmitt (München) dazu. Eine Überraschung war die Verpflichtung von A2-Nationalspieler David Brembly aus Ulm. Nach einem Mittelfußbruch am Ende der vergangenen Saison brach sich der Ex-Bayreuther in der Saisonvorbereitung erneut den Fuß und wird wohl bis Weihnachten ausfallen.

Große Erwartungen verbindet man in der Seestadt mit den bewährten Bundesliga-Recken Ivan Elliott (Hagen, Ludwigsburg, MBC) und Harper Kamp (Göttingen). Vielversprechende Referenzen bringt Evan Smotrycz mit: Der 2,06 Meter große Center spielte zuletzt auf Zypern für Keravnos und erzielte 16,2 Punkte, 7,1 Rebounds und 2,3 Assists pro Spiel bei einer Dreierquote von rund 46 Prozent. Jordan Hulls (Limburg/BEL) heißt der neue Spielmacher, der gemeinsam mit Österreich-MVP Quincy Diggs (Oberwart) für Gefahr aus dem Backcourt sorgen soll. Erst zwei Wochen vor Saisonbeginn kam US-Flügelspieler Patrick Christopher hinzu, der in Europa bereits bei Cholet (FRA) und Besiktas Istanbul spielte.

Tipp:Mit Ivan Elliott und Harper Kamp kennen zwei Amerikaner die BBL. Schlagen die vier neuen US-Boys ein, dann sollten sich die Eisbären eine erneute Saison im unmittelbaren Abstiegskampf ersparen können. Auf den etwas dünn besetzten deutschen Positionen darf dann aber nach dem Brembly-Ausfall kein weiteres Verletzungspech mehr hinzukommen.

Phoenix Hagen: Der Trainer ist die Konstante

Jubiläum in Hagen: Das bewährte Trainerduo mit Ingo Freyer und seinem Assistenten und ehemaligen Teamkollegen Steven Wriedt geht in seine zehnte (!) Saison. Ansonsten hat sich bei den Volmestädtern, die in der zurückliegenden Saison trotz des Abzugs von sechs Punkten aufgrund von Lizenzverstößen die Klasse souverän halten konnten, einiges verändert: Von der Vorjahresformation sind mit Kapitän David Bell, dem kanadischen Centerspieler Owen Klassen und Routinier Adam Hess nur drei Konstanten übrig geblieben. Besonders schmerzt der Abgang des talentierten Nachwuchsspielmachers Niklas Geske zum Aufsteiger Vechta. Mit Richard Williams (zuletzt Kirchheim) konnte man einen Spielmacher mit Erstligaerfahrung (Frankfurt, Vechta) engagieren, der als Nachfolger von Brandon Jefferson (Olimpija Ljubljana/SLO) kein leichtes Erbe antritt. Yannick Anzuluni (Umea/SWE) soll die Lücke schließen, die BBL-Routinier Ivan Elliott (Bremerhaven) hinterlassen hat. „Für seine Größe von 2,05 Metern kann er sehr viele Positionen spielen. Er war zu Beginn seiner Karriere sogar Pointguard“, sagt Freyer über den sprunggewaltigen Kanadier mit nigerianischen Wurzeln. Direkt von der Bucknell University kommt Forward Chris Hass, „ein guter Schütze aus jeder Distanz“ (Freyer). Auch Jeremy Dunbar (Vechta) gilt als gefährlicher Distanzwerfer. Über reichlich Europaerfahrung, darunter auch eine Spielzeit in Ulm, verfügt der neue Center: 2,09-Metermann Trent Plaisted lief zuletzt für Neptunas Kleipeda in Litauen auf.

Tipp:Der neue Kader sollte nicht schwächer sein als der alte – und den führte Ingo Freyer trotz des Punktabzugs zum sicheren Klassenerhalt.

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