Bayreuth/Hof: Commerzbank legt zu

Netto 1300 Neukunden habe man 2016 gewinnen können, rund 119 000 werden damit mittlerweile betreut, sagte der für das Privatkundengeschäft zuständige Niederlassungsleiter Wolfgang Bauer im Gespräch mit dieser Zeitung. „Speerspitze“ sei dabei das kostenlose Girokonto. „Die Wechselbereitschaft hat eindeutig zugenommen, das merken wir positiv“, sagte Bauer. Die Zugänge kämen dabei querbeet von allen Konkurrenten – mit Spitzen, wenn ein Nachbarinstitut zum Beispiel die Gebühren anhebe.

Mehlmeisel soll bald öffnen

Gerade deshalb sei auch nicht an Filialschließungen gedacht, vielmehr stehe ja in Mehlmeisel nach dem dortigen Rückzug der Sparkasse die Übernahme der dortigen Filiale an. Noch im zweiten Quartal soll sie eröffnet werden, doch schon jetzt gebe es dort rund 100 Neukunden. „Wir können nur wachsen, wo wir vor Ort sind. Das ist unsere Überzeugung“, sagte Bauer.

Vermögende Kunden

Ebenfalls ausgebaut, auch personell, wurde im vergangenen Jahr das Wealth-Management. Zwar gab es hier nur knapp 20 Neukunden, aber deren Beratung ist umso lukrativer. Handelt es sich doch um Anleger, die mindestens 500 000 Euro frei verfügbar haben. Bei denen geht es um andere Investments als bei „normalen“ Kunden.

Doch auch die, so Bauer, hätten mittlerweile mehrheitlich erkannt, dass man bei null Prozent Zinsen etwa aufs Tagesgeld bei der Anlage seines Geldes „etwas mehr ins Risiko gehen muss, wenn man die wieder deutlich höhere Inflation schlagen will“. Viele Kunden würden deshalb zu Aktienfonds oder gleich zu Aktien greifen. Das Neugeschäft mit Wertpapieren betrug 7,4 Millionen Euro. Als Folge erhöhte sich das für Privatkunden von der Niederlassung in Depots und als Einlagen verwaltete Volumen auf 1,5 Milliarden Euro. Das Einlagenwachstum bezeichnete Bauer dabei als nicht dramatisch. So oder so aber gebe es für Privatkunden (im Gegensatz zu Firmenkunden) weiter keinen Negativzins.

Billige Kredite

Die andere Seite der Niedrigzinsmedaille sind die billigen Kredite. Hier wurden Konsumentenkredite in Höhe von 28 Millionen Euro ausgegeben, bei den Immobilienfinanzierungen waren es rund 100 Millionen Euro. Das entspricht zwar in etwa dem Vorjahreswert, im ersten Quartal 2017 haben die Baugelder aber laut Bauer schon wieder um 22 Prozent angezogen. Das gesamte Kreditvolumen der Niederlassung im Privatkundenbereich liegt bei 430 Millionen Euro.

Mehr Firmenkredite möglich

Mit 1,3 Milliarden Euro deutlich höher liegt diese Summe in der Mittelstandsbank, die Firmenkunden mit einem Umsatz ab 15 und bis etwa 500 Millionen Euro betreut. Allerdings umfasst das Marktgebiet hier auch noch die Räume Weiden und Schwandorf. Niederlassungsleiter Horst Schmidt und sein Team steigerten die Zahl ihrer Kunden um drei Prozent auf jetzt über 1200, das Kreditvolumen legte um zwei Prozent zu. Schmidt spricht von einem „soliden Ergebnis“ in einer herausfordernden Umgebung: „Das Kreditgeschäft mit Firmenkunden ist unter Druck. Zum einen will jeder ein Stück vom Kuchen, weil sich hier noch etwas verdienen lässt. Andererseits haben viele Mittelständler bei Finanzierungen zuletzt ihren Eigenmittelanteil erhöht. Wir würden jedenfalls gerne noch mehr Kredite ausreichen.“

Größter Außenhandelsfinanzierer

Bis zu einer Höhe von 50 Millionen Euro können die von der Niederlassung gestemmten Mittelstandsfinanzierungen dabei gehen – das sei kein Einzelfall. Ein Vorteil der Commerzbank sei die Expertise als größter deutscher Außenhandelsfinanzierer. „Unsere Spezialisten können über die Finanzierung eines Auslandsgeschäfts hinaus zum Beispiel helfen, wenn es um eine Lieferung in schwierige Regionen geht. Viele Mittelständler kennen sich zum Beispiel nicht aus, was zu beachten ist, wenn man in ein Nachbarland des Iran liefert“, sagte Schmidt.

INFO

Die Zahl der Mitarbeiter der Commerzbank-Niederlassung Bayreuth/Hof ist im vergangenen Jahr mit 180 (davon zehn Auszubildende) konstant geblieben. Zur Niederlassung gehören je zwei Filialen in Bayreuth und Hof sowie je eine in Bad Berneck, Auerbach, Helmbrechts, Kulmbach, Pegnitz, Weidenberg, Bad Steben, Münchberg, Naila, Rehau, Schwarzenbach (Saale), Selb, Selbitz, Arzberg, Marktredwitz, Wunsiedel – und demnächst in Mehlmeisel.

Nicht bewertet

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Kommentare

In letzter Zeit hat man uns doch immer erzählt, dass es den Banken ja sooo schlecht geht !?