Bayreuther Wirtschaft unter Volldampf

"Die Bayreuther Wirtschaft brummt. Die Rahmenbedingungen sind so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr", sagt Jörg Lichtenegger, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth. Der Konjunkturklimaindex stieg gegenüber dem Herbst um sechs auf 138 Punkte und damit auf den höchsten Januar-Wert seit vielen Jahren. Dabei meldeten 61 Prozent (Vorjahr 56 Prozent) der befragten Unternehmen eine gute Geschäftslage, 32 Prozent (38) sehen ihre Situation als befriedigend an und lediglich sieben Prozent (sechs) sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage unzufrieden. Das sei die beste Lagebeurteilung seit mehr als sechs Jahren, so Lichtenegger. Diese Einschätzung spiegelt sich auch in der Auslastung der Unternehmen wider. 95 Prozent gaben an, voll oder zumindest befriedigend ausgelastet zu sein.

Positive Erwartungen

Und dieser Boom scheint anzuhalten. So rechnen 30 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verbesserung ihrer Geschäfte im laufenden Jahr, 63 Prozent mit einer stabilen Entwicklung und nur sieben Prozent mit einer Verschlechterung. Damit haben sich die Erwartungen gegenüber der Herbstumfrage deutlich verbessert und exakt das Vorjahresniveau erreicht.

Nachfrageschub

Getragen wird die Entwicklung sowohl von der Inlands- als auch der Auslandsnachfrage. Besonders aus der Eurozone, als auch aus der Region "Süd- und Osteuropa, Russland und Türkei" verzeichne die Bayreuther Wirtschaft eine spürbar gestiegene Nachfrage, schreibt die IHK. Ein Nachfrageschub werde im laufenden Jahr zudem aus China und Afrika erwartet.

Risiken: USA, Brexit, zähe Regierungsbildung

Es gibt aber auch Risiken. So beobachtet etwa Stefan Trassl, Geschäftsführer der Sigmund Lindner GmbH in Warmensteinach, die protektionistische Politik in den USA mit Sorge und hofft, "dass unsere Produkte nicht mit Strafzöllen belegt werden". Und Lichtenegger ergänzt: "Die Ergebnisse der Konjunkturbefragung zeigen bei aller Euphorie auch, dass die Unternehmen die Risiken sehr wohl im Blick haben, etwa die seit Monaten andauernde Hängepartie bei der Regierungsbildung, den zähen Gang bei den Brexit-Verhandlungen oder die Gefahren für den freien Welthandel."

Betriebe wollen investieren

Dennoch ist die Investitionsneigung bei den Unternehmen hoch, nahezu jeder befragte Betrieb plant, sein Investitionsniveau beizubehalten oder zu steigern. Cybex, Preccon, Schlaeger - alles Unternehmen, über deren teils hohe Millioneninvestitionen der Kurier gerade erst berichtet hat. Auch Sili-Chef Trassl kündigte an, "dass wir am Standort Warmensteinach rund 1,5 Millionen Euro investieren werden, um 2019 mit einer neuen Produktlinie für Glaskugeln zur Herstellung von Impfstoffen starten zu können". Markus Baum, Sprecher des Vorstands der Baumaterialien-Handelsgesellschaft AG (BHG/Hagebau), will 2018 "deutlich in die Modernisierung unserer Standorte investieren".

Auf der Suche nach Personal

Ein Ergebnis der Umfrage ist auch, dass die Betriebe tendenziell neues Personal einstellen wollen. "Investitionen schaffen weitere Arbeitsplätze", sagt Lichtenegger, und: "Dazu müssen aber auch die Rahmenbedingungen vor Ort passen, von der Verfügbarkeit von Fachkräften über die Infrastruktur und die Höhe von Gewerbe- und Grundsteuer bis hin zu einer wirtschaftsfreundlichen Verwaltung. Umso mehr begrüßen wir die vorgesehene Senkung der Gewerbesteuerhebesätze für 2018, über die der Bayreuther Stadtrat am Montag entscheidet."

sts/red

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