Bayreuther Revoluzzer in Berlin

Es gibt sie schon seit über 30 Jahren. Jedes Jahr in der Walpurgisnacht zum 1. Mai sammeln sich in Berlin schwarz gekleidete Menschen - aber nicht, um fröhlich in den Mai zu tanzen, sondern um unter anderem ihren Hass auf den "Bullenstaat" kund zu tun und um ihre antifaschistische Haltung zu untermalen. Mit Bengalos, Stein- und Flaschenwürfen. So war das auch heuer: Am Spreewaldplatz in Kreuzberg kam es zur Eskalation: 40 linke Demonstranten wurden festgenommen. Darunter auch der Nachwuchsrevoluzzer aus Bayreuth.

Tatort Berlin, Verhandlungsort Bayreuth? Das geht nur, wenn ein Angeklagter ein Jugendlicher ist. Das Gesetz schreibt vor, Straftaten, egal wo begangen, am Heimatort des Beschuldigten vor Gericht zu bringen. Der 18-Jährige, Typ Punk mit grün gefärbten Haaren, war zur Walpurgisnacht in die Bundeshauptstadt gereist.

Er will nur durch "Zufall hineingeraten" sein

In seinem Prozess bei Jugendrichterin Andrea Deyerling wehrt er sich. Nein, er erhebt Gegen-Anklage. Man hört das Wort "Bullen" nicht als er sagt: "Ja. Ich war auf dieser Demo. Ich wurde auf den Boden geworfen und von der Polizei geschlagen. Ich wurde von Zelle zu Zelle geschubst. Angehört wurde ich nicht."

Er sagt, er sei kein Gewalttäter und "nur durch Zufall" in die gewaltsame Demo "hineingeraten". Die "revolutionäre 1. Mai-Demo" sei "seit Jahren friedlicher geworden" und er sei nicht in einem gewaltbereiten Block mitmarschiert. In Verdacht geraten sei er nur, weil die Polizei - damals waren über 5000 Beamte im Einsatz - seinen friedlichen Block und einen anderen, offenbar weniger friedlichen Block, zusammengedrängt habe.

Als es "hitzig" wird, zieht er das Shirt hoch

Auf die Fragen des Staatsanwalts und der Richterin, warum er sich vermummt habe, sagt er: "Ich wollte mich schützen, um nicht identifiziert zu werden. Als es hitzig wurde, habe ich mein Shirt über den Kopf gezogen."

Ein Polizeifoto des Angeklagten mit schwarzem Kapuzenpulli über den Kopf, mit schwarzem Stoff im Gesicht bis zur Nase und einer schwarzen Sonnenbrille über den Augen spricht eine andere Sprache. Der junge Bayreuther sagt: "Die Sonnenbrille gehört zum Outfit."

Zum Outfit eines Straftäters? Diese Frage bleibt noch offen, denn zwei Polizisten aus Berlin, die die Umstände der Festnahme des Angeklagten beschreiben sollen, sind zu diesem Prozesstermin verhindert. Deshalb wird es in diesem Fall einen neuen Verhandlungstermin geben.

1 (1 vote)

Anzeige

Kommentare

wegsperren
Wenn man sich mit Angeklagten oder Häftlingen unterhält, erfährt man meistens, dass diese total unschuldig sind. Selten ist einer einsichtig und gibt seine Schuld zu.
Auf diesen " jungen Bayreuther " Märchenerzähler kann die Stadt stolz sein. Das eint diese
Demokratieallergiker mit ihren Neonazivollpfosten, " ich hob doch nichts gemacht, die Polizei
war schuld an der Eskalation und vermummt hob ich mich blos, weil ich a Lichtallergie hob".