Bayreuther Forscher warnt vor Plastikmüll im Gardasee

Ihre Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Current Biology“. Die winzigen Plastikteile stammten vorwiegend von Konsumgütern und Verpackungen. Sie geraten dem Bericht zufolge direkt oder über Mülldeponien in den See und in ufernahe Gebiete. Weil die Teilchen so klein sind, können Fische, Würmer und andere wirbellose Tiere sie mit Nahrung verwechseln. Damit steigt laut Studie das Risiko, dass giftige Plastikreste in die menschliche Nahrungskette gelangen.

In Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen konnten die Forscher winzige fluoreszierende Kunststoff-Ablagerungen nachweisen. Diese Tiere sind am Gardasee heimisch und dienen als Nahrung für andere Tiere – beispielsweise Wasserflöhe, die eine Hauptnahrungsquelle für Fische sind. Und der kommt in vielen Restaurants fangfrisch auf den Tisch.

Überraschend hohe Partikelzahl

Die Experten hatten im Gardasee eine vergleichsweise geringe Wasserverschmutzung durch Plastik erwartet. Denn der See erstreckt sich direkt unterhalb der Alpen, Bäche und Flüsse haben keine lange Strecke zum See. Umso mehr überraschte die Forscher die hohe Zahl der Partikel. Sie vermuten, dass Süßwasserökosysteme nahe an städtischen Zentren und Industrien noch viel stärker betroffen sind.

„Wir wollen die Ergebnisse der Analysen als ein generelles Warnsignal verstanden wissen“, sagte Laforsch. „Plastikmüll ist eine Gefahr, die keineswegs nur auf ferne Regionen in den Ozeanen – wie etwa den bekannten Nordpazifikwirbel – beschränkt ist. Umweltwissenschaften und Umweltpolitik sollten sich für diese Problematik verstärkt interessieren.“ Die Substanzen wie Polystyrol und Polyethylen würden in der Natur nicht oder nur langsam abgebaut. „Alles, was wir seit den 50er-Jahren an Plastik hinterlassen haben, ist noch da“, betont der Bayreuther Forscher im Gespräch mit dem Kurier.

Der Befund der aktuellen Studie deckt sich mit Erkenntnissen, die ein kanadisches Forscherteam am Huron-See – einem der Großen Seen Nordamerikas – vor zwei Jahren veröffentlicht hat. Auch dort konzentrierten sich 94 Prozent der Kunststoff-Partikel auf eine einzige Uferregion.

„Ich werde auf keinen Fall abraten, weiterhin Fisch zu essen"

Welche Konsequenzen Laforsch aus den eigenen Forschungsergebnissen ziehen will? „Ich werde auf keinen Fall abraten, weiterhin Fisch zu essen." Letztendlich helfe nur: „Sorgsam mit den eh schon schwindenden Ressourcen umzugehen." 

Mit Material von dpa

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