Bayreuther Festspiele für Anfänger

1. Wie lang ist die Wartezeit für Festspiel-Karten wirklich?

Wer wie früher schriftlich bestellt, muss unter Umständen immer noch mehrere Jahre warten. Manchmal reichen aber auch ein paar Mausklicks. Für den „Ring“ gibt es jetzt noch Karten, „Tristan“ und „Parsifal“ sind ausverkauft.

2. Wie teuer sind die Karten?

Die schlechtesten Plätze kosten 30 Euro, die teuersten 320 Euro. Die zweite Kategorie des Rings, der aus vier Opern besteht, kostet 1200 Euro.

3. Müssen die Promis ihre Karten selbst zahlen?

Ja. Nur für die Premiere der Neuinszenierung - die immer der Auftakt der Festspiele ist und am 25. Juli stattfindet - hat die Stadt Bayreuth ein Kontingent von Karten, die sie an geladene Gäste vergibt. 

4. Wie viele verschiedene Inszenierungen gibt es, und wie oft kommt ein neues Stück dazu?

Es gibt einen Kanon von zehn Opern, die im Festspielhaus aufgeführt werden, aber nie alle gleichzeitig und keine immer. In diesem Jahr sind es „Parsifal“, „Tristan“, der „Holländer“ und der „Ring“ mit seinen vier Opern „Rheingold“, „Siegfried“, „Walküre“ und „Götterdämmerung“. Normalerweise ist eine Inszenierung immer fünf Jahre in Folge zu sehen, in leicht abgewandelter Form. Jede neue Inszenierung hat auch einen neuen Regisseur, aber die Sänger wechseln oft.

5. Welches sind die beliebtesten Stücke?

In der Regel die neuen Inszenierungen. Und Katharina Wagners „Tristan“ scheint sich zu einem Favoriten zu entwickeln.

6. Wie läuft eine typische Vorstellung ab?

Die meisten Wagner-Opern laufen über mehrere Stunden und haben deshalb zwei lange Pausen, in denen das Publikum nach draußen geht. Ausnahmen sind der „Holländer“ und „Rheingold“, die dauern nur etwas über zwei Stunden. Deshalb ist der "Holländer" gut für Anfänger, die zum ersten Mal eine Wagner-Oper sehen. Das Festspielhaus ist nicht klimatisiert: Es wird heiß. 

7. Warum hat das Festspielhaus immer noch Klappsitze aus Holz?

Klang vor Komfort: Die Verantwortlichen haben die Sorge, dass weich bezogene Stühle die legendäre Akustik verändern könnten.

8. Was macht die Akustik denn so besonders?

Das Festspielhaus hat gleich mehrere Besonderheiten: Der Orchestergraben fällt nach unten ab. Der Schall kommt indirekt auf der Bühne an - deshalb muss der Dirigent Sänger und Musiker etwas versetzt leiten.

9. Darf ich während der Vorstellung zur Toilette?

Ja, aber dann darf man bis nach der nächsten Pause nicht wieder zurück in den Saal. Es heißt halb im Scherz: Wer den Saal während der Aufführung verlassen will, muss herausgetragen werden.

10. Wie ist der Dresscode?

Die Kleiderordnung ist nicht mehr ganz so steif wie früher, aber die meisten kommen immer noch konservativ und elegant ins Festspielhaus. Man soll aber auch schon Leute in kurzen Hosen gesehen haben.

11. Wie funktionieren die Festspiele ohne festes Ensemble: Woher kommen die Musiker, die Dirigenten, die Sänger?

Sie kommen von überall her. Gerade das Orchester ist erlesen. Die Musiker und Sänger kommen für den Spaß, für die Ehre und für die Reputation  – die Bezahlung ist meistens schlechter als in vergleichbaren Häusern.

12. Was ändert sich während der Festspiele für die Bayreuther?

Nicht viel: In manchen Kneipen gehen die Preise spürbar nach oben und manchmal sieht man Leute in eleganter Abendgarderobe in der Innenstadt flanieren.

13. Warum wird das Festspielhaus nicht für andere Zwecke genutzt?

Das war Richard Wagners Wille. Das Festspielhaus ist sein Gralstempel. Keine anderen Opern als seine eigenen sollen dort erklingen. Während der Besatzung durch die US-Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es übrigens trotzdem für andere Veranstaltungen genutzt: Damals war dort unter anderem „Madame Butterfly“ zu hören.

14. Was passiert in den übrigen 48 Wochen des Jahres im Festspielhaus?

Es gibt Führungen, Renovierungsarbeiten und der Bühnenbau für die nächste Saison beginnt.

15. Wie war das denn nun mit den Wagners und Hitler?

Er war da, so viel ist sicher. Hitler war eng mit der Familie Wagner verbandelt, sie waren von der ersten Stunde an von ihm begeistert. Er war oft zu Gast in der Villa Wahnfried. Das Papier für „Mein Kampf“ kam aus der Villa. Experten streiten aber darüber, ob er wirklich ein Fan der Musik war.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06