Bayreuth wird zum Bildungs-Vorbild

Erstmals wird in dem Projekt der spezielle Weiterbildungsbedarf oberfränkischer Unternehmen systematisch erfasst und sorgfältig analysiert. Hieraus sollen besondere Angebote entwickelt werden, mit denen sich Fachkräfte in unserer Region weiter qualifizieren können. Das ist umso wichtiger, als nach vielen Prognosen in den nächsten 20 Jahren die Bevölkerung um mehr als zehn Prozent schrumpfen wird. Aber: Oberfranken zählt zu den Regionen mit der höchsten Industriedichte bundesweit. Für die hier ansässigen Unternehmen ist es zukunftsentscheidend, dass sie Fachkräfte gewinnen und halten können. Professor Dieter Brüggemann von der Uni Bayreuth zählt auf: „Wir sprechen von Unternehmen der Werkstoff-, Energie-, Elektro- und Kraftfahrzeugtechnik. Eine Vielzahl der Betriebe ist hoch modern. Diese sind oft Marktführer, aber wenig bekannt. Das erschwert die Gewinnung von Fachkräften in anderen Regionen.“

Weiterbildung sei ein Schlüssel zur Fachkräfte-Gewinnung: „Uni-Absolventen achten durchaus auf ihre Möglichkeiten bei einem neuen Arbeitgeber. Es gibt nur noch sehr selten Menschen, die sagen: Jetzt habe ich meinen Abschluss, ich mache die nächsten 30 Jahre meinen Job.“ Brüggemann weiß, wovon er spricht. Er ist Weiterbildungsbeauftragter der Universität und leitet die Campus-Akademie. Deren Angebot zieht seit mehr als zehn Jahren sehr erfolgreich Arbeitnehmer aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland an.

Die Studiengänge und Seminare der Campus-Akademie sind so gefragt, dass die eingenommenen Teilnehmergebühren von jährlich etwa einer Million Euro die Kosten vollständig decken: „Die Teilnehmer zahlen diese Gebühren aus ihrer Tasche. Unser Angebot ist es ihnen wert.“ Die Campus-Akademie bietet zwei Master-Studiengänge an: Health Care Management und Sportmanagement. Jedoch sind diese Kurse bisher nicht auf die Region zugeschnitten. „Diese Lücke möchten wir nun schließen“, führt Professor Brüggemann aus.

Das Forschungsprojekt heißt offiziell „Konzertierte Qualifizierungsoffensive der Region Oberfranken zur Weiterbildung von Fachkräften für die Zukunft“, kurz: QuoRO. Als Zielgruppen hat Brüggemann zum Beispiel Menschen ausgemacht, die nach längerer Auszeit flexibel studieren möchten, oder Fachkräfte, die aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation zum Studium berechtigt sind, dieses Angebot jedoch wegen hoher Hemmschwellen nur selten nutzen. Auch Menschen mit Migrationshintergrund sollen angesprochen werden.

Die Universität versteht dieses Angebot nicht als Konkurrenz zu den Qualifikationsprogrammen der Kammern, sagt Brüggemann: „Es ist kein Gegeneinander, sondern eine Verzahnung.“ Uni-Präsident Stefan Leible ergänzt dies: „Die Entwicklung neuer Weiterbildungsmöglichkeiten ist Bestandteil des Wissens- und Technologietransfers, der in den kommenden Jahren systematisch ausgebaut werden soll. QuoRo passt daher ideal in das Gesamtkonzept unserer Universität.“

Info: Professor Dieter Brüggemann ist Direktor des Bayreuther Zentrums für Energietechnik und leitet das Forschungsprojekt gemeinsam mit Professor Manfred Miosga, Leiter der Abteilung für Stadt- und Regionalentwicklung. QuoRO wird erstmals bei der Auftaktveranstaltung des Bund-Länder-Wettbewerbs am 6./7. Oktober in Berlin vorgestellt.

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Kommentare

"Oberfranken zählt zu den Regionen mit der höchsten Industriedichte bundesweit." Trotzdem gilt Oberfranken als "ländlicher Raum"!
Wer fortgebildet ist, zieht meist aus der Region fort!
Von den genannten Superlativen, wenn sie denn wahr wären, was kommt hier in Bayreuth und bei den Bürgern real umgesetzt an? Klinikum, Verkehrsinfrastruktur, Architektur, Modernität, Kulturleben (Wagner-Festspiele ausgenommen), Hochgeschwindigkeitsnetz, selbst das Stadion ist u. a. S., usw.? Wahrscheinlich herrscht Wunschdenken bei der Regionalentwicklung vor. Das Bestreben v. Prof. Brüggemann ist ein erster Schritt in die richtige Richtung und ist die Fortsetzung des Bemühens des leider viel zu früh verstorbenen Prof. Bormann. Was hierbei zu wünschen wäre, daß man endlich zu Taten durch die Umsetzung der teuer finanzierten ewigen Analysen, schreitet! Es fehlt immer noch eine Erfolgskontrolle.
Es ist nicht der Staat, der fortbildet. Das muss schon die Industrie und das Handwerk in Verbindung mit den Hochschulen leisten. Der Staat kann nur den Rahmen und die Voraussetzungen schaffen sowie gewisse Finanzmittel frei machen.

Bayreuth wird leider sehr oft klein geredet und die positiven Seiten schlecht bis gar nicht herausgestellt, wie z. B. Universitätsstadt, Standort Kompetenzzentrum. Im Artikel steht ja, dass in Bayreuth marktführende Firmen ihren Sitz haben. Das kommt nicht von ungefähr. Ich habe den Eindruck, dass Bayreuth für manche so eine Art eierlegende Wollmilchsau sein soll; von allen das Beste: Bildungsstandort, Gesundheitszentrum, Kulturmetropole, Handelszentrum, Sportstadt, Erholungszentrum. Bayreuth als Mittelstadt sollte sich Kernkompetenzen erarbeiten und diese ausbauen, um dann Schritt für Schritt voran zu kommen.
PS: Was wäre z. B. Ingolstadt ohne Audi?
@MeRo Bayreuth wird nicht klein geredet, Bayreuth ist klein/bürgerlich (sh. Dennis Sand). Zum Begriff marktführende Unternehmen in BT, welche von Bedeutung für die Menschheit bitte? Ingolstadt hat sich nicht ohne Grund zu einer Autostadt mit AUDI entwickelt. "Gewisse" Städte haben eben auch Bevölkerungszuwachs nicht ohne Grund (Attraktivität als Stichwort). Und zum Schluß zur Versöhnung: Ohne AUDI hätte Ingolstadt immer noch MP Seehofer. ;-)
> welche von Bedeutung für die Menschheit bitte?

Drei fallen mir da so auf die Schnelle ein...

ZF, Antriebstechnik und Zulieferer für Automobilbau
BAT, No. 2 im Zigarettenmarkt, größte Produktionsstätte in Bayreuth
Cherry Microschalter und Tastaturen.
Okay, hier ein paar Beispiele für gute, erfolgreiche Unternehmen:
Stäubli, BAT, Fraunhofer-Institut, Ferchau Engineering, elefantracing (Unternehmen?), siemens, Markgraf, Medi, Brauerei Maisel, Neue Materialien Bayreuth GmbH, ebu.
In Bayreuth findet man:
Internationale Schule, Universität, Forschungsstelle Kompetenzzentrum, Regierungssitz Oberfranken. Direkter Anschluß BAB9, direkter Anschluss Schienennetz (verbesserungswürdig), eigener Regionalflugplatz (umstritten), touristische Angebote (Fichtelgebirge, Fränkische Schweiz, Maintal), Kultur (Wagner, Studiobühne, Kulturstadl, Jazzfestival, Afrikafestival, Bürgerfest, Rock in Oberfranken, diverse Kleinfestivals, Cineplexx, Eisstadion, Sportzentrum, Therme), eine hervorragende Stadtbibliothek, Markgräfliche Errungenschaften (Neues Schloss, Eremitage, Schloß Fantasie, Hofgarten, Opernhaus, nun Weltkulturerbe). Darüber hinaus unzählige Biergärten, Restaurants (national/international), Cafes, Kneipen.
Nun ja, fürs Erste doch eine ganze Menge, auch ohne Autobauer.
Ach ja: Ich gönne den Ingolstädtern unseren MP ;-)
Und der Nordbayerische Kurier sowie Radio Mainwelle, das dem wiederum gehört.
Oberfranken-TV ist allerdings in Hof.
Aber keine Kleinstdt, sondern eine Mittelstadt!
Bezieht sich auf: MeRo 02.10.2014 - 09:00 Uhr
Also so vertrottelt ist wohl hoffentlich kein Bayreuther, die Wirtschaftsleistung eines gesamten Konzerns (z. B. gerade ZF etc.) auf Bayreuth abzubilden. Die paar Ausnahmen z. B. BAT sind wirklich irrelevant- zwar nicht für Bayreuth aber im Gesamten. Selten so undifferenziert aufgeführte Beispiele wie von MeRo gelesen. Offenbar fehlt hier wirklich der Weitblick - ist auch ein Problem Bayreuther Mentalität: Überheblichkeit
Aha. Dankeschön, Herr Experte FRANKENWOLF ;-)
Ihre Expertise ist an Schlagkraft und Inhaltslosigkeit nicht zu überbieten. Dennoch lese ich Ihre Kommentare gern, weil ich zugeben muss, diese mir auch ein leichtes Lächeln ins Gesicht zaubern.
ZF ist doch in Friedrichshafen/Bodensee.
Nun zu den 10 besten Universitäten in D:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/uni-ranking-hochschulen-im-the-ranking-a-994684.html