Bayreuth: Apfelschorle und ein Halleluja beim Mitsingkonzert

„assonanz“, das sind vier junge Sänger aus Bamberg, die schon im vergangenen Jahr das Mitsingkonzert gestalteten und am Freitagabend eine gelungene Mischung aus eigenen Stücken und Mitsing-Klassikern zu Gehör brachten. Bei dieser Art Konzert ist neben der Bühne eine Leinwand aufgebaut, auf die per Beamer die Liedtexte projiziert werden. Wolfgang Schömig, der Bariton von assonanz, zieht einen sehr positiven Vergleich zum letzten Mitsingkonzert: „Gleich geblieben ist die tolle Stimmung vom letzten Jahr und dass die Leute von Anfang an mit dabei waren. Die deutlich gestiegene Besucherzahl hat uns wirklich sehr gefreut, und auch dass unser neuer Sänger Randy nun fester Bestandteil bei uns ist.“ Etwa ein Viertel der Konzertbesucher hatte die gleiche Veranstaltung im vergangenen Jahr besucht, der überwiegende Teil des Publikums kam auf begeisterte Mundpropaganda hin zum Konzert.

Lachanfälle auf der Bühne

Schon bei der erste Einsingübung zeigte sich, dass an diesem Abend ein gewaltiger Klangkörper den Bechersaal erfüllen würde. Ein erfreutes Lächeln überzog die vier Gesichter auf der Bühne, und bereits beim ersten Stück „Hang on sloopy“ bewiesen die 180 Sänger im Saal, dass nicht nur auf der Bühne mehrstimmiger Satzgesang möglich ist. Ein Großteil des Publikums schien Gesangserfahrung zu haben und sang aus voller Kehle mit, oft übertönten die Kanons und Nebenmelodien sogar die Sänger mit Mikrophon. Bestes Beispiel hierfür: der Refrain von „Don’t worry be happy“, bei dem die vier Strophensänger keine Chance gegen die 180 Refrainsänger hatten. Der wohl gravierendste Unterschied zu „normalen“ Konzerten war sicherlich die Blickrichtung der Anwesenden: die Sänger schauten ins Publikum, aber die Besucher drehten ihre Köpfe (zumindest bei den Strophen) in Richtung Leinwand. Der wortwörtlichen guten Stimmung tat das aber keinerlei Abbruch, weil im Saal mindestens so gefühlvoll mitgesungen wurde wie auf der Bühne. Zuweilen war es dann aber auch für die Band schwierig, vor Lachen weiterzusingen, besonders bei einem Lied, das sie als 80er-Jahre-Popstars verkleidet sangen: „Wenn alle mitsingen und wir es geschafft haben, dass das Publikum streckenweise dreistimmig mit uns singt – das war auch heuer wieder wunderbar“, meint Schömig. „Bei Live is life hatten wir dann aber selbst mit Lachattacken auf der Bühne zu kämpfen!“

Auch mal siebenstimmig

Kleinere rhythmische und textliche Unsicherheiten waren zwar vorhanden, doch mit einem Lachen gingen die Sänger und Mitsänger darüber hinweg. In den Atem- und Generalpausen hörte man zuweilen eine Getränkebestellung („Apfelschorle!“) aus dem Saal und die Geräuschkulisse von einigen wenigen Besuchern, die schon rein kleidungstechnisch besser in ein Oktoberfestzelt gepasst hätten. Nachdem schnell klar war, dass das Publikum sehr gut mit mehrstimmigen Liedern umgehen konnte, verteilte assonanz die verschiedenen Stimmen und kreierte im Handumdrehen bis zu siebenstimmige Liedversionen. „The Lion sleeps tonight“, „Stand by me“, 500 Miles“, „Hail Holy Queen“ aus dem ersten Sister-Act-Film und „Hallelujah“ von Leonard Cohen zauberten ein genießerisches Lächeln auf die Gesichter und oft auch Gänsehaut auf die Arme der Anwesenden. Dazwischen sang assonanz einige Lieder ohne Chorbegleitung, teilweise aus ihrem aktuellen Programm, aber auch Klassiker anderer Bands wie „Sing mal wieder“ von den Wise Guys und „Ja, Schatz!“ von Bodo Wartke.

Unter dem hängenden Hopfen an der Bechersaal-Bühne verausgabten sich die vier Bamberger fast drei Stunden lang und holten eine starke und mitreißende Stadion-Atmosphäre in den voll besetzten Saal. Dieses Mitsingkonzert ist auf dem besten Wege, ein fester und sehr beliebter Bestandteil des „Sangeslust“-Festivals zu werden.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06