Bayerns oberster Jäger spricht Klartext

These 1: "Der Wolf passt nicht problemlos in unsere Natur"

Nach neuesten Zahlen des Lupus-Instituts für Wolfsmonitoring und -forschung leben derzeit 31 Rudel sowie acht Wolfspaare mit Aussicht auf Nachwuchs in Deutschland. Das ist eine Steigerung im Vergleich zum Monitoring-Jahr 2013/14, als 25 Wolfsrudel, acht Paare und drei sesshafte Einzelwölfe gezählt wurden, teilt die Deutschen Presse-Agentur (DPA) mit. Jäger dürfen Wölfe im Normalfall nicht erlegen.

Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, steht der Entwicklung skeptisch gegenüber. "Wir müssen uns die Frage stellen, ob ein Tier wie der Wolf noch in unserer übernutzte Natur passt", sagt Vocke. Er sagt: "Wenn der Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch wird, haben wir schlagartig keine Jogger, keine Geocacher und keine Mütter mit Kindern mehr im Wald. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort."

Die Jagd auf den Wolf ist ein umstrittenes Thema. „Die Koexistenz von Wolf und Mensch ist auch in Deutschland machbar“, meint der Naturschutzbund (Nabu) dazu. Sein Experte Markus Bathen bilanziert gegenüber der DPA: „Die Anzahl von Angriffen innerhalb von 15 Jahren Wölfe in Deutschland: null.“ Vocke aber sagt: "Wir reden irgendwann nicht mehr nur über ein paar Wölfe. Und Schäfer zum Beispiel haben schon heute ein Problem. Auch, weil sie gar nicht die Hunde haben, die es mit dem Wolf aufnehmen können."

Landwirte und Schäfer fürchten den Wolf: In betroffenen Regionen hätten Kollegen „aufgerüstet“, um sich wehren zu können, sagt Knut Kucznik von der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde, einem bundesweiten Zusammenschluss von Weidetierhaltern gegenüber der Nachrichtenagentur. „Wir Hirten sind nicht gegen den Wolf, sondern für unsere Tiere“, betont der Brandenburger.

These 2: "Die Zukunft der Jagd liegt im Wildbret"

Heimat, dieses Thema werde immer wichtiger, sagt Vocke. "Und Wild ist ein Stück Heimat." Der Bayerische Jagdverband setzt verstärkt auf das Thema Wildbret. "Mit Trophäen braucht man heute niemandem mehr kommen. Wildbret ist unser Sympathiefaktor", sagt Vocke. Gerade wenn Menschen sich wieder mehr darauf besinnen, woher ihr Essen komme. Allerdings stellt Vocke  auch fest, dass immer weniger Menschen in der Küche mit Wild umgehen können. "Deswegen versuchen wir, diese Fähigkeit zu schulen." Der Jagdverband bringt zum Beispiel Kochbücher heraus, die sich ausschließlich mit dem Thema Wild beschäftigen.

Vocke will den Leuten bewusst machen, dass Wild nicht nur als Ausnahme zum Weihnachtsfest auf den Tisch kann. "Wild lässt sich auch wunderbar grillen", sagt er. Zu diesem Thema gehöre aber auch, den Jägern klar zu machen, dass sie nur "sauberstes Wildbret" vermarkten dürfen. Der Bayerische Jagdverband hat eine Liste veröffentlicht, wo Kunden heimische Anbieter von Wildbret finden.

Vocke sagt, Wildbret sei günstiger als viele glauben. "Freilich, ein Hase oder Fasan kosten Geld. Aber die Preise für Wildschwein zum Beispiel sind moderat." Der Landesjägertag im kommenden Jahr wird in Kulmbach stattfinden, vom 15. bis zum 17. April. Thema des Treffens, zu dem wohl 600 Jäger aus ganz Bayern kommen werden: Wildbretvermarktung. "Das Thema passt perfekt nach Kulmbach, weil wir dort eben die Genussregion haben", sagt Jagdverbandssprecher Thomas Schreder.

These 3: "Die Jagd wird weiblicher, und sie ist nicht nur für Großkopferte"

Frauen sind unter Jägern immer noch in der Minderheit. "Aber wir haben es geschafft, den Anteil der Frauen zu erhöhen", sagt Vocke. Im Jahr 1994 machten Frauen noch 0,3 Prozent der Jäger aus. Heute sind es zehn Prozent. In den Jägerkursen seien mancherorts 25 Prozent der Teilnehmer weiblich. "In meinem Kreisverband in Ebersberg nehmen wir zum Beispiel jede Frau, die sich auf einen der 25 Plätze bewirbt, im Kurs auf", sagt Vocke.

Auch das Klischee vom "großkopferten" Jäger lässt Vocke nicht gelten. Obwohl dieses Bild immer noch in den Köpfen derer sitze, die sich oberflächlich mit der Jagd auseinandersetzen. "Wir haben alle möglichen Menschen in unseren Reihen. Vom Müllfahrer über den Uni-Professor bis hin zum Bischof."

Info: Jürgen Vocke war am Mittwochabend zum Akademiegespräch nach Kulmbach gekommen. In einer Diskussion stellte er sich den Fragen der anwesenden Jäger und Journalisten. Den Abend moderiert hat der Journalist Dietmar Gaiser, der unter anderem durch Sendungen wie "Jetzt red i" und "Kunst und Krempel" bekannt ist. 

Nicht bewertet

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Kommentare

Da sich der Wolf in Bayern wieder niederländischen, scheint er sich unserer "übernutzten Natur" anzupassen - warum sollten wir es also verhindern.
Zum Schutze von Wölfen bestimmt nicht.
Dumm, wer in so einer Situation, wo kontra Wolfansiedlung propagiert wird, im gleichen Atemzug von "besserer Wildbrettvermarktung" spricht. Das lässt den Verdacht laut werden, als würde der Wolf als Konkurrent in der Nahrungskette gesehen.
Thomas Plötz, Thurnau

Auch der Wolf braucht ein Asyl.
Jürgen Vocke Präsident des Bayerischen Jagdverbandes "Wenn der Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch wird, haben wir schlagartig keine Jogger, keine Geocacher und keine Mütter mit Kindern mehr im Wald. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort."
Als Mann in dieser Position sollte man wissen das der Wolf den Menschen meidet und diesem aus dem Weg geht, in der Regel flüchtet wenn es zu einer Begegnung kommt. Wenn sich also wegen eines Wolfes keine Jogger, Geocacher oder Mütter mit Kindern mehr in den Wald drauen, dannn wahrscheinlich nur wegen irgend welchen Schauer Märchen vom bösen Wolf die dann von solchen Leuten wie Herrn Vocke verbreitet werden und sich dann auch noch für den großen Beschützer hinstellen wenn Sie ihren ersten Wolf abgeknallt haben. Wo wir jetzt wieder bei den schießwüdigen Männern wären.
Dass sich der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes gegen die Wiedereunbürgerung des Wolfes ausspricht, konnte man erwarten.
Die Jäger haben ein Verhältnis zum Wald und seinen Tieren, welches nur ihre eigenen Interessen vertritt. Wo die Jäger aktiv werden müssten, um den Wald gegen den Verbiss zu schützen, tut sich sehr wenig.
Und jetzt kommt ein Wolf, der vielleicht ein Reh reißt, das beschäftigt jetzt die Jäger.
Übrigens: Der Verbandspräsident ist clever, weil er weiß, dass man mit Angst verbreiten sehr schnell etwas erreichen kann.
Das meiste haben die Vorkommentatoren schon gesagt. Ich belasse es dabei, dass dieser großspurige Herr Vocke überhaupt keine Ahnung hat, von dem, wovon er da KLARTEXT spricht. Das einzige, das dieser PSEUDO-NATURSCHÜTZER UND ANGEBLICHE FACHMANN? tut, ist Menschen zu verunsichern und das zum einzigen Zweck, den Wolf bejagen zu dürfen. Das ist bundesweit das Bestreben der Lodenjanker-Mafia und so absurd, dass man lachen möchte, wenn es nicht so dumm wäre.
Dass Wölfe maßgeblich zur Verbesserung der Biodiversität beitragen,also genau das tun, was diese Herren und Damen Jäger gerade nicht tun, nämlich die Natur zu schützen, verschweigt der Herr /Fachmann", wobei ich geneigt bin zu glauben, er weiss das schlicht nicht. Man muss nichs wissen, um Tiere abzuknallen.
Meine Familie hält Pferde und reitet in einem Wolfsgebiet und ich wandere da mit meinem Hund, auch zum Geocaching. Eine Gefahr existiert nicht, das sind einfach Märchen, um Leute zu erschrecken.
Gerade die riesige Gemeinde der weltweiten Cacher begrüßt die Rückkehr der großen Beutegreifer, denn NaturSchutz ist eines unserer wichtigsten Anliegen.
Wenn Sie als Journalisten wirklich eine kompetente Fachmeinung wollen, interviewen Sie Ulrich Wotschikowsky aus Oberammergau,.Jäger und Wolfsexperte, der EUROPAWEIT zu den renommiertesten Wolfsfachleuten gehört.
Link zum Kontakt: woelfeindeutschland.de
Herr Vocke ist weder kompetent noch seriös, geschweige denn ernst tu nehmen, tut mir sehr leid.
Wenn Sie den obersten Jäger von Bayern vor dem Diktafon hatten, hätten Sie ihm besser gefragt, warum im bayerischen Wald schon 12 Luchse und ca. 300 Wildkatzen abgeknallt wurden, ohne dass die so naturverbundene Jägerschaft die Wilderer stellen kann. Da liegt nämlich der Verdacht sehr nahe, dass die angeblichen Wilderer sehr wohl bekannt sind und gedeckt werden.
Ein guter Beitrag, der die Motive des Herrn Vocke auf den Punkt bringt.
Ich habe selbst einen Wald. Mein Problem ist der große Verbiss an den nachwachsenden Bäumen. Ohne Verbissschutz sind alle Mühen vergeblich.
Aber nicht jeder Waldbesitzer kann sich so intensiv um seinen Wald kümmern.
Montag, 13. November 2017 - 11:06