Baur-Gruppe verfehlt Jahresziele

„Damit können wir nicht zufrieden sein und sind es auch nicht“, sagte Albert Klein, Vorsitzender der Geschäftsführung der Baur-Gruppe, beim Neujahrempfang des Burgkunstadter Versandhändlers auf Kloster Banz zur Entwicklung der vergangenen Monate. Seinen Angaben zufolge erwartet die Gruppe einen Netto-Umsatz von 675 Millionen Euro. Damit bleibt Baur knapp unter dem Vorjahresniveau (683 Millionen Euro).

Schwache Monate

Als Gründe nannte Klein neben hohen Investitionen das Geschäft des Kernunternehmens Baur, das in der Vergangenheit stets als Wachstumstreiber glänzte, sich in diesem Jahr aber schwer getan habe. Obwohl seit Oktober die Umsätze wieder deutlich zulegten, sei es nicht gelungen, die durch einige schwache Monate entstandene Lücke gänzlich zu schließen.

Neue Angebote in den Bereichen Fashion, Home und Lifestyle sollen den zur Otto-Gruppe (Hamburg) gehörenden Versandhändler zurück in die Erfolgsspur bringen. Zusätzliche Effekte erhoffe sich Klein von einer „deutlichen Stärkung der Kunden- und Serviceorientierung“.

Gruppe profitabel

„Wir brauchen uns allerdings auch nicht zu verstecken. Dafür gibt es keinen Anlass“, sieht der Geschäftsführer die Baur-Gruppe alles in allem auf Kurs. Die Gruppe als Ganzes arbeite unverändert profitabel, einzelne Geschäftseinheiten erwirtschafteten weiterhin überdurchschnittliche Renditen. Dazu gehören vor allem die Sparten Baur-Logistik und BFS, die neue Kunden gewonnen haben. Ziel sei es, das Drittgeschäft zu forcieren und im Verbund mit Hermes die Position Altenkunstadts als bedeutender Logistikstandort innerhalb der Otto-Gruppe auszubauen.

Neue Logistikstandorte außerhalb Oberfrankens

Um neue Wachstumspotenziale und Geschäftsfelder zu erschließen, könne sich die Baur-Logistik nicht mehr ausschließlich auf die Heimatregion beschränken, sagte Klein. Der Blick gehe dorthin, wo potenzielle Kunden ansässig sind und Arbeitsmarkt und Verkehrsanbindungen sich günstiger gestalten. Baur stoße an personelle Kapazitätsgrenzen, aber wegen des inzwischen nahezu erschöpften regionalen Arbeitsmarkts sei es äußerst schwierig, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Deshalb gibt es Klein zufolge Pläne, erstmals Logistikstandorte auch außerhalb von Oberfranken aufzubauen und zu betreiben. Konkrete Ortsangaben machte er nicht.

Solide Töchter

Eine solide und insgesamt befriedigende Entwicklung attestierte die Geschäftsführung der österreichischen Tochter Unito. Diese wachse dank der neuen osteuropäischen Märkte weiterhin, aber mit reduziertem Tempo. Unito ist in sieben Ländern mit 21 Online-Shops aktiv. Der nächste Schritt zur weiteren Internationalisierung stehe mit der Eingliederung der Schweizer Versandmarke Jelmoli zum 1. März an. „Der Grundstock für ein weiteres Wachstum der Gruppe ist damit gelegt“, sagte Klein.

4000 Mitarbeiter

Der seit 1997 zur weltweit agierenden Otto-Gruppe gehörende Baur-Unternehmensverbund ist der größte Arbeitgeber im Landkreis Lichtenfels. Er beschäftigt nach eigenen Angaben aktuell rund 4000 Mitarbeiter, davon 3500 an den oberfränkischen Standorten. Das sind 200 Beschäftigte mehr als im Geschäftsjahr 2015/16.

„Wissenschaftscampus E-Commerce“ in Burgkunstadt

Die Baur-Gruppe will in diesem Jahr ihr regionales Engagement erweitern und plant mit der Universität Bayreuth und Partnern aus der Wirtschaft den Aufbau des „Wissenschaftscampus E-Commerce“ in Burgkunstadt. „Digitaler und demografischer Wandel machen es erforderlich, die Stärken unserer Region zu bündeln und neue Wege der Zusammenarbeit zu gehen“, begründete Geschäftsführungs-Vorsitzender Albert Klein das Vorhaben. E-Commerce sei der dynamische Treiber im Handel und habe glänzende Zukunftsperspektiven. Daran wolle einerseits die Baur-Gruppe noch intensiver teilhaben, andererseits solle die Region noch stärker profitieren.

Standort des „Wissenschaftscampus E-Commerce“ ist das von Baur genutzte Gebäude der ehemaligen Hans Püls Schuhfabrik. Dort sollen noch in diesem Jahr Wissenschaft und Praxis vernetzt werden. Der eigenverantwortlich agierende Campus entwickle und erprobe künftig innovative Lösungskonzepte und stehe allen interessierten Unternehmen offen, sagte Klein.

Am Aufbau der Einrichtung beteiligt sich der Freistaat Bayern mit einer Anschubfinanzierung. Weitere Förderungen erhoffen sich die Initiatoren zudem vom Bund und weiteren Unternehmen.

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