Bauerntag: Kampfansage an Handelsketten

An den Pranger gestellt sehen sich die Bauern vor allem durch die sogenannten „neuen Bauernregeln“ aus dem Bundesumweltministerium. „Dass gegen einen ganzen Berufsstand staatliche Gelder verwendet werden, das habe es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben. Es sei unerträglich, wie sich Menschen in unseren Berufsstand einmischen, die keine Ahnung davon haben. „Was da im Moment abläuft ist unverantwortlich“, sagte Deß.

Bauernregeln ein Ärgernis

Zuvor hatte bereits BBV-Kreisobmann Karl Lappe die „neuen Bauernregeln“ von Ministerin Barbara Hendricks als eigenartige Hetzkampagne bezeichnet. Bauern taugten nicht als Wahlkampfobjekt, denn sie sichern die Lebensgrundlagen von uns allen, so der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel und selbst der evangelische Pfarrer Christian Aschoff sprach mit Blick auf die PR-Aktion aus dem Umweltministerium von gewaltigen Kollateralschäden. „Es darf nicht sein, dass die Politik die Bevölkerung gegen die Landwirtschaft aufhetzt“, fand der Geistliche deutliche Worte.

Mehr Produktion gegen den Welthunger

Der Europaabgeordnete Deß hatte zuvor beklagt, dass allein in Deutschland täglich im Schnitt rund 74 Hektar Land, das sind über 100 Fußballfelder, für die landwirtschaftliche Produktion verloren gehen. Dabei wäre gerade die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion der Schlüssel zur Verringerung von Hunger und Mangelernährung auf der Welt. Die reichen Länder müssten mehr produzieren und exportieren, sonst lässt sich die Nahrungslücke der armen Länder nicht schließen, sagte Deß, der von 1990 bis 2004 Bundestagsabgeordneter war und dann ins Europäische Parlament wechselte.

Die derzeitigen Tierschutz- und Tierwohldiskussionen bezeichnete der Abgeordnete als haarsträubend und verlogen. Schon heute gebe es beispielsweise in China Schweinemaststätte mit über 100 000 Tieren auf mehreren Stockwerken. Da könne man doch nicht die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern schlechtreden. Es darf doch nicht sein, dass kleine Familienbetriebe hierzulande aufgrund überzogener Auflagen schließen müssten und das aus fragwürdigen Bedingungen stammende Fleisch schließlich aus China oder Asien importiert werden muss. „Das ist nicht der Tierschutz, den wir wollen.“

Überzogene Preisforderungen

Auch den Handelsketten sagte der Parlamentarier den Kampf an: „Wir müssen uns wehrten gegen immer überzogenere Forderungen seitens des Lebensmitteleinzelhandels.“ Es könne nicht Aufgabe von drei oder vier marktbeherrschenden Handelsketten sein, den Bauern vorzuschreiben, wie sie ihre Tiere halten sollen. Das sei einzig und allein Aufgabe des Gesetzgebers.

Mut machte den Bauern Landrat Hermann Hübner. Er habe das Gefühl, dass die Wertschätzung für Lebensmittel wieder ansteigt. Deshalb sollten die Bauern auch keine Furcht vor Transparenz haben und sich den Diskussionen mit stolzer Brust stellen. Hübner: „Das Image der Landwirte ist wesentlich besser als das der Politiker.“

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Kommentare

Durch übermäßiges Ausbringen von Gülle wird das Trinkwasser mit nutrat belastet.
Zuviel an geistiger Gülle richtet größeren Schaden an!
Offensichtlich fehlt dem Bauernverband so manches Wissen, was die Welternährung angeht. Fleischproduktion verschlingt das siebenfache an pflanzlichen Nahrungsstoffen. Das heißt, unser gewaltige Fleischkonsum benötigt Futtermittel aus ärmeren Ländern. Die fehlen dann der eigene Bevölkerung.
Die hoch subventionierten Bauern sollte auch etwas zurückhaltender sein, weil niemand einsehen kann, warum Deutschland als Industrienation auf Kosten der Steuerzahler Nahrungsmittel exportiert.
Auch die Schäden durch diese Überproduktion werden natürlich der Allgemeinheit aufgelastet.
Weil sonst weltweit noch mehr Menschen hungern würden.
Ich glaube, hohehu, Du hast das Ernährungsprinzip noch nicht verstanden. Mit Fleisch kann nur 1/7 der Menschheit ernährt werden.
Ohne Fleisch könnte also 1/7 der Menschheit nicht ernährt werden!
Ich gebe zu, dass ich diese Problematik, dass der Fleischkonsum der reichen Länder die Ernährung der Weltbevölkerung direkt negativ beeinflusst, sehr verkürzt und missverständlich dargestellt hab. Ich dachte, das wäre inzwischen Allgemeinwissen geworden. Aber das sollen andere erklären.
Uwart, ich wüsste nicht, dass wir schon per "du" sind.
Richtig! Es war ein Ausrutscher, der mir leid tut.
Trotzdem sollten Sie sich Gedanken machen, warum vegetarische Ernährung der Weltbevölkerung viel effektiver ist als der Umweg über Fleisch.
Der Bauernverband soll lieber direkte Subventionen, als Eingriffe in die Marktpreisbildung fordern!
Ich kann das Gejammer der Bauernvertretung einfach nicht mehr hören. Dauernd Genöle: der Winter ist zu kalt, der Sommer zu heiß. Gleichzeitig wird eine Rekordernte nach der anderen eingefahren.
Völlige Unzugänglichkeit für sachliche Kritik in Sachen Schutz der Böden, des Wassers, des Tierschutzes und anderer Belange. Ständige Forderungen nach Extrawürsten, Subventionen, Ausnahmen.
Totale Humorlosigkeit und null selbstkritische Betrachtung, siehe Bauernregeln.
Gute Lobbyarbeit.