Bauausschuss: Mehr Liebe fürs Herz der Stadt

Das Gassenviertel mit – unter anderem – Spitalgasse, Kämmereigasse und Kirchgasse sei ein Bereich, „der mir am Herzen liegt und der nicht nur in meinen Augen vernachlässigt wird“, sagte Christa Müller-Feuerstein zur Begründung ihres Antrags. Der zentrale Bereich der Innenstadt könnte „ein Juwel sein, ein Anziehungspunkt für die Gäste unserer Stadt“. Die Wahrheit jedoch sei, dass viele Häuser beim Betrachter den Eindruck hinterließen, „dass wir uns zehn Jahre nach Kriegsende befinden. Dieser Anblick tut mir weh“, sagte Müller-Feuerstein. Viele der Häuser seien im 17. Jahrhundert gebaut worden, gehörten zum wichtigen Teil der Geschichte der Stadt. „Bisher hat man den Eindruck, dass das Gassenviertel im Rathaus eine untergeordnete oder gar keine Rolle spielt.“

Der Stadtbaureferent Hans-Dieter Striedl widersprach: „Es ist mitnichten so, dass im Gassenviertel nichts passiert ist.“ Die Stadt habe neun Grundstücke erworben, sechs Grundstücke freigelegt, „16 Maßnahmen im öffentlichen Raum gemacht“ und bei Sanierungen privater Anwesen unterstützt. Nicht zuletzt gehe es aber auch nicht weiter, weil Entscheidungen des Stadtrats auf sich warten ließen, spielte Striedl den Ball in die Reihen des Bauausschusses zurück: „Die Stadt hat das Anwesen Kämmereigasse 9 1/2 erworben. Da ist immer noch nicht entschieden, was rein soll.“ Generell, sagt Striedl, müsse man „auf die Bereitschaft privater Eigentümer“ setzen.

Zudem gebe es ein weiteres Problem: „Uns wird schon das eine oder andere denkmalgeschützte Haus angeboten – das aber mehr Schaden hat als das Grundstück wert ist.“ Nach Striedls Worten waren die Schwerpunkte der vergangenen Jahre auch anders gesetzt: „Erst lagen sie auf der Zentralen Omnibus-Haltestelle, jetzt auf der Dammallee.“ Gleichwohl versprach Striedl, das Gassenviertel verdiene mehr Mühe und Aufwand.

Gerade der letzte Satz kam versöhnlich an bei den Mitgliedern des Bauausschusses: „Das war das Beste an den Ausführungen“, sagte Stefan Specht (CSU), denn aus seiner Sicht „trifft Christa Müller-Feuerstein den Kern eines Problems mit ihrem Antrag. Man kann nichts feststellen, das sich dort was bewegt“, sagte Specht. Man müsse „wesentlich mehr Hirnschmalz investieren, um Privateigentümer dazu zu bewegen, zu investieren“. Eine Altstadt mit alten Häusern sei ja „kein exklusives Bayreuther Problem“, sagte Specht und griff eine Aussage Müller-Feuersteins auf, die gesagt hatte, Bamberg, Würzburg, Ansbach oder Rothenburg hätten Bayreuth bei der Altstadt-Sanierung „schon längst den Rang abgelaufen“.

Müller-Feuerstein sagte, sie erwarte genau das: „Mehr Aufwand und Mühe.“ Am Bericht Striedls fehlten der SPD-Stadträtin konkrete Maßnahmen, deshalb forderte sie einen erneuten Bericht der Verwaltung. „Wir müssen uns überlegen, was wirksam ist.“ Was gemacht werden könne, um die alten Gassen so auf Vordermann zu bringen, „dass es Bayreuth als Markgrafenstadt würdig ist. Als Vorzeigeobjekt kann ich nur die Eule sehen. Solche Eulen wünsche ich mir noch viele.“

Striedl sagte, in gewisser Weise stecke die Stadt auch in einem personellen Dilemma: Zwei Sachbearbeiter im Sanierungsbereich für den Hochbau, drei für den Tiefbau. Und kein Geld zur Verfügung, wenn ein privater Investor anklopfe, um Unterstützung bei Sanierungen zu bekommen. Auf Nachfrage von Christopher Süss (JB) sagte Striedl, zwei Kräfte mehr könne er gut gebrauchen. „Da würde ich allerdings mit meinem Referentenkollegen Ulrich Pfeifer ins Gehege kommen.“

Einstimmig befürwortete der Bauausschuss den Beschlussvorschlag Müller-Feuersteins, dass die Verwaltung im September erneut berichte – und Gespräche mit Hauseigentümern führt, um sie über Fördermöglichkeiten bei der Sanierung zu informieren.

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