Baden im Stadtweiher denkbar

Der auf diesem Gebiet erfahrene Trepesch hat nicht nur Kopfarbeit geleistet, sondern vor allem Fußarbeit. Er ist die Gesamtlänge von 31,5 Kilometer Bachlauf abgeschritten, die sich auf dem Auerbacher Stadtgebiet ( vor allem Norden) befinden: Gewässer der so genannten dritten Ordnung für die die Gemeinden unterhaltspflichtig sind. Auswerten und Bewerten war seine Aufgabe. Und die Ergebnisse zu kartieren.

60 Prozent Fließgewässer

Mit der Bewertung kann sich die Stadt sehen lassen. „Wir haben hier ein überwiegend sehr naturnahes Bild“, sagte Trepesch. In Zahlen ausgedrückt: Er fand knapp über 60 Prozent Fließgewässer vor, die er in die „Strukturklassen zwei und drei“ einordnete, was „gering“ und „mäßig verändert“ bedeutet. Bei insgesamt 190 Abschnitten.

Die mäßigen Veränderungen beschränken sich beispielsweise auf Vorrichtungen, die verhindern sollen, dass Uferbereiche weggeschwemmt werden. Knapp über 25 Prozent sind deutlich und stark verändert (Strukturklassen vier und fünf). Nur rund fünf Prozent sind sehr stark und vollständig verändert (Strukturklassen sechs und sieben) und betrifft 16 Abschnitte.

In ein künstliches Bett gezwängt

Dort wurde der Bach vor allem in ein künstliches Bett gezwängt. Bei acht Prozent Bachlauf sieht man überhaupt keinen Bach mehr. Sie sind verrohrt. 60 Prozent seien auf jeden Fall „ein guter bis zufriedenstellender Zustand der Gewässer“, so Trepesch. Für Bürgermeister Joachim Neuß ein Beleg dafür „dass wir in einer intakten Naturlandschaft leben“.

Querbauwerke unter die Lupe genommen

Trepeschs Aufgabe war außerdem, Querbauwerke unter die Lupe zu nehmen, also Wehre und Sohlenbauwerke (Vermeidung von Erosion). Vor allem im Hinblick darauf, ob Fische die Hindernisse überwinden können. Auch hier entdeckte er keinen großen Handlungsbedarf. Die meisten Wehre sind durchgängig oder eingeschränkt durchgängig. Nur wenige stufte er als „mangelhaft“ oder als „nicht durchlässig“ ein. „Man kann sagen, dass Auerbach durchgängige Gewässer hat und nur wenige Stellen, an denen man etwas nacharbeiten muss.“

Das Attest des Fachmanns für Auerbachs Weiher sieht ebenfalls gut aus. Sie sind vorwiegend nur „mäßig verändert“, Das treffe auch auf den Stadtweiher zu. Vier der sechs Weiher unterhalb der Siechen-Siedlung konnte Trepesch sogar als „naturnah“ einordnen.

Bessere Zustände der Gewässer ließen sich beispielsweise durch eine naturnahe Gewässerhaltung, durch das Anpflanzen von Gehölzen, das Einbringen von Totholz und Wurzelstöcken, dem Umbau von nicht durchgängigen Wehren, der Minderung von Einträgen aus der Landwirtschaft erreichen. Die Stadt könnte auch an Bächen Grund erwerben,um die Gewässer sich selbst zu überlassen. Im Prinzip sei es „ein ellenlanger Maßnahmenkatalog“ der zur Verfügung steht. Der Gewässerentwicklungsplan wird Arbeitsgrundlage für die nächsten Jahre erklärte Neuß. Zum Beispiel in Sachen Stadtweiher. Wenn es an die Sanierung geht, wird man auf den Plan von Trepesch zurückgreifen. Dieser schlug vor, mehr „Uferstruktur“ zu schaffen, um Lebensraum für Wasserlebewesen und Pflanzen zu bekommen und um Sedimente zurückzuhalten. Der Weiher soll aber auch „erlebbar“ bleiben.

Auch den Weiher wieder zu einem Badeweiher zu machen, hält er für machbar. Die Maßnahmen: Pufferstreifen und Filterröhricht im gegenüberliegenden Lohweiher halten Sedimente zurück. Eine Entschlammung des Badeweihers und das Schaffen von Verlandungszonen wären der Weg zurück zu einem naturnahen und gleichzeitig erlebbaren Gewässer. Eine weitere Voraussetzung dafür wäre aber auch, dass landwirtschaftliche Nutzung nicht bis direkt an das Gewässer heranreicht.

Eine weitere Maßnahme ist die eventuelle Freilegung des verrohrten Ortlesbaches im Rahmen des Projekts bodenständig. Darüber hinaus bestehen bereits Planungen des Wasserwirtschaftsamts für den Flembach in Michelfeld zu dessen Renaturierung und für einen besseren Hochwasserschutz.

Trepeschs Fazit: „Wir sind hier in Auerbach auf einem guten Weg. Man muss halt einfach weitermachen.“ Die Stadträte wollen das. Neuß versicherte aber, dass man Maßnahmen mit Interessengruppen, wie Sportanglerverein, Landesbund für Vogelschutz oder Dorfgemeinschaften abstimmen werde.

INFO: Das Gewässerentwicklungskonzept ist eine wichtige Grundlage für die Gewässerunterhaltung und den Ausbau. Es zeigt auf, wie ein Gewässer unter den vorhandenen Rahmenbedingungen wieder naturnah entwickelt werden kann. Dabei werden auch bestehende Fachplanungen (zum Beispiel Natura-2000-Gebiete) berücksichtigt. Das Konzept wird vom Bayerischen Landesamt für Umwelt gefördert. Auerbach hat den Gewässerentwicklungsplan zusammen mit Sulzbach-Rosenberg und der VG Königstein/Hirschbach in Auftrag gegeben.

Nicht bewertet

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