Bademoden Riedl will in Neubau investieren

Diesmal haben sie bei Riedl den Betriebsurlaub genutzt. Der Nähsaal, in dem immerhin gut 70 der 200 Beschäftigten arbeiten, wurde gerade saniert und dabei auch technisch auf den neuesten Stand gebracht. "Damit haben wir jetzt im Laufe der letzten Zeit zusammen mit anderen Maßnahmen eine nennenswerte sechsstellige Summe in unseren Stammsitz gesteckt", sagt geschäftsführender Gesellschafter Jens Friemann, der die Geschäfte des Familienunternehmens in dritter Generation führt - zusammen mit Jens Ehrhardt.

Drei Millionen Euro eingeplant

Aber eigentlich schwebt den beiden noch etwas ganz anderes vor - ein zusätzlicher Neubau gleich gegenüber auf einer Wiese, die dem Unternehmen gehört. "Wir stoßen hier mit unseren Lager- und Logistikkapazitäten langsam an Grenzen. Aber ein reines Lager wollen wir auch nicht, sondern zum Beispiel noch ein Kreativzentrum für unsere Designer unterbringen und einen Shop, in dem wir unsere Produkte auch an den Endverbraucher verkaufen können", umreißt Ehrhardt das Projekt, das wohl an die drei Millionen Euro schwer wäre. Das Problem: Der Shop ist eine Einzelhandelsnutzung, und dafür an dem Standort eine Genehmigung zu bekommen, ist zumindest nicht einfach. Zugleich aber sagt Inhaber Friemann: "Das Invest rechnet sich für uns nur dann so richtig, wenn wir auch den Shop einrichten können. Wird der genehmigt, dann bauen wir sofort. Wenn nicht, dann dauert's halt noch. Wir sind mit der Stadt im Gespräch." Was Fredy Schmidt, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung bestätigt: "Wir werden uns demnächst mit Vertretern des Unternehmens treffen, um konkret über die Pläne zu sprechen."

Kunden in 89 Ländern

Dass Ehrhardt betont, "dass wir in Sachen Lager auf jeden Fall eine Lösung brauchen", zeigt auch, dass es läuft bei Riedl - man sieht sich als einer der führenden Hersteller in Deutschland und Europa. Gut 1,7 Millionen Teile, also vor allem Badeanzüge, Bikinis und Badehosen, gehen im Jahr an die Kunden. Der Vertrieb läuft über Kaufhauskonzerne wie Kaufhof oder Karstadt, Versender wie die Otto-Gruppe oder Alba Moda und nicht zuletzt über 4500 Fachhändler, von denen rund 2000 regelmäßig ordern. Dabei ist Deutschland zwar der Hauptmarkt, doch der Exportanteil beträgt mittlerweile 52 Prozent, so Friemann. In 89 Länder liefern die Bayreuther, wobei Europa mit den Schwerpunkten Niederlande, Italien, Österreich, Frankreich und Skandinavien den Löwenanteil ausmacht. Aber auch die USA und Kanada sind wichtige Märkte, und selbst in Australien und Südafrika sind die Riedl-Produkte zu haben.

Vier Marken

Allerdings nicht unter diesem Namen. Sunflair, Opera, Olympia und Sunmarin heißen die vier Marken, "mit denen wir den kompletten Markt abdecken - bis auf das ganz preiswerte Segment, etwa bei H+M oder den Discountern", sagt Friemann, und: "Da wollen wir auch nicht hin." Hauptmarke ist mit 75 Prozent Anteil Sunflair. Und zwar nicht von ungefähr. 500 von der Fachzeitschrift "Sous" befragte Fachhändler haben sie als die Marke genannt, die sich 2016 bei ihnen am besten verkauft hat. Dafür gab's den Branchenpreis "Sterne der Wäsche" - und zwar im siebten Jahr in Folge.

Kollektion mit 1000 Teilen

Rund 1000 Teile umfasst die jeweils aktuelle Kollektion, davon sind gut 90 Prozent für Frauen gedacht. Und: 98 Prozent davon werden regelmäßig ausgetauscht - und zwar zwei Mal im Jahr, sagt Ehrhardt: "Wir planen stets ein Jahr im Voraus." Was auch bedeutet, dass man die Trends rechtzeitig erkennen muss - eine Aufgabe für die Mitglieder des Designteams. Deren Entwürfe werden in Bayreuth zunächst in Muster umgesetzt, ehe sie in Serie gehen.

Löwenanteil der Produktion im Ausland

Produziert wird dann vor allem im Ausland. In einer eigenen Fabrik mit 40 Mitarbeitern in Lviv, dem ehemaligen Lemberg. Ein zweiter eigener Auslandsstandort, ebenfalls in der Ukraine, ist angedacht. Hinzu kommt Auftragsfertigung in China, Bangladesch und Indien, aber auch in Kroatien, Slowenien oder Ungarn. "Es ist ein Trend, Produktion wieder nach Europa zurückzuholen. Die Standortvorteile in Fernost sinken", sagt Friemann. Neben der Musterfertigung werden auch noch fünf Prozent der Kollektion in Bayreuth gefertigt. "Wir müssen unsere Innovationsfähigkeit am Stammsitz behalten, auch wegen der Nähe zu den Entwicklern und Designern", sagt Ehrhardt. Nicht zuletzt deshalb bilde das Unternehmen auch aus, rund 15 Auszubildende gibt es ständig.

Schwarz geht immer

Und welches Teil geht eigentlich immer? "Der schwarze Badeanzug", kommt es bei Friemann und Ehrhardt wie aus der Pistole geschossen. Warum? "Weil Schwarz etwas gnädiger ist."

Ursprung in Untersteinach

1947 gründete der aus Böhmen vertriebene Adolf Riedl in Untersteinach eine Firma, die Strick- und Wirkwaren herstellte. Nach fünf Jahren folgte der Umzug nach Bayreuth in die Leuschnerstraße. Dort wurden unter anderem die Stutzen der "Helden von Bern" beim Gewinn der Fußball-WM 1954 hergestellt. Nach einem Brand 1963 wurde der heutige Standort im Industriegebiet St. Georgen gegründet. Seit den 80er-Jahren konzentriert sich das Unternehmen auf Bademoden und gehört hier nach eigenen Angaben zu den führenden Anbietern in Deutschland und Europa.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06