Bad Berneck sucht Hoteliers

Hans Margraf spricht von einem Generationenwechsel in der Gastronomie der Stadt. Auch er möchte sein Gasthaus, das Marktplatzstüberl, verkaufen. "Andere Leute gehen in dem Alter in die Rente", sagt Margraf und lacht. 65 Jahre ist er alt. Das und seine Gesundheit führt er als Grund dafür an, das Marktplatzstüberl nun verkaufen zu wollen, obwohl es "wirtschaftlich hervorragend" laufe, wie er sagt. Margraf möchte 269.000 Euro für das Marktplatzstüberl haben, das er seit 16 Jahren mit seiner Frau betreibt. Margrafs Frau kommt aus der Branche, lange hatte sie ein "großes Objekt" in Erlangen gepachtet, bis das Paar vor 16 Jahren dann in Bad Berneck gelandet ist.

Was Liebe mit Bad Berneck zu tun hat

Hier gelandet, in der Blüchersruh, ist auch Liubov Langer. Sie stammt eigentlich aus St. Petersburg, ist Ingenieurin für biomedizinische Apparatur. Dann lernte sie ihren Mann kennen, folgte ihm nach Bad Berneck und übernahm das Hotel seiner Eltern, die Blüchersruh. "Hier war dann eben etwas anderes gefragt. Und wenn man liebt, ist es doch egal, was man arbeitet. Wir waren 15 Jahre 24 Stunden am Tag zusammen. Das hat gezählt."

Ein prominenter Gast

Die glanzvollen Kurbetriebs-Zeiten von Bad Berneck haben weder Martin noch Liubov kennen gelernt. Aber sie hätten sich all die Jahre ganz gut durchgeschlagen, zuletzt die Auslastung des Hotels sogar gesteigert, berichtet Martin Langer. Festspielgäste steigen hier gerne ab, einige Jahre lang, bis zu ihrem Tod, war Balletttänzerin Margot Werner hier zu Gast. Liubov Langer zeigt auf den Balkon über dem Hauseingang. Dort, sagt sie, habe Margot Werner oft gestanden und "ihre Verbeugungen repetiert". Die Blüchersruh als Probenbühne für den Auftritt am roten Teppich.

Seit 1974 ist das Hotel im Besitz der Familie Langer. Sohn Martin wuchs hier auf, ist die dritte Generation im Hotelbetrieb. Und die letzte. Denn Martin Langer will in seinem Job arbeiten, als Informatiker, und eben nicht als Hotelier. Der Gedanke ans Aufhören fällt seiner Mutter Liubov schwerer als ihm. "Ich bin noch voll Elan, ich möchte nicht aufhören. Aber alleine schaffe ich es nicht." Wenn sich ein Käufer für das Objekt finden sollte, will sie ihn fragen, ob sie für ihn arbeiten könne.

Was ein Gastronom können muss

Sowohl für die Blüchersruh wie auch für das Marktplatzstüberl gab es bereits Interessenten - allesamt nicht aus der Region. Interessenten gibt es, Käufer seien trotzdem schwer zu finden. Das Problem, meint Margraf, sei die Finanzierung.

"Viele kriegen so ein Haus nicht finanziert", sagt er. Denn Banken fehle die Sicherheit, wenn einer seinen Job aufgebe, um ein Wirtshaus zu betreiben. Es reiche eben auch nicht, schon mal einen Schweinebraten gekocht zu haben, wenn man plant ein Hotel oder Gasthaus zu betreiben, sagt Margraf. Hinter einem Gastronomiebetrieb "muss ein Kaufmann stehen".

Wie es weitergeht

Und noch ein Problem sieht er: die Arbeitszeiten. In der Gastronomie arbeite man dann, wenn andere frei haben. Tage wären nicht berechenbar, Privates bleibe oft auf der Strecke. Es werde zunehmend schwieriger, Mitarbeiter zu finden, sagt Margraf. Schon allein deshalb glaubt er, dass sich seine fünf Mitarbeiter auch im Fall eines Verkaufs keine Sorgen machen müssen. "Die werden doch mit Handkuss weiterbeschäftigt." Im Marktplatzstüberl drängt die Zeit nicht. "Wenn wir keinen Käufer finden, machen wir einfach weiter."

Noch mehr Angebote

Im Internet werden weitere Hotels in Bad Berneck zum Kauf angeboten: Das Hotel am Kurpark, das Hotel Heissinger und das geschichtsträchtige doch seit langem leer stehende Hotel Bube, dem Adolf Hitler einst zu fragwürdigem Ruhm verhalf.

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Kommentare

Ich denke in Sachen Fremdenverkehr hat Bad Berneck seine Stärken schon seit langem verschlafen !