Bad Berneck: Stadtrat wirft das Handtuch

Nicht aus Ärger über Bad Berneck oder über Stadtratskollegen - obwohl der Zusammenhalt früher auch größer gewesen sei. Schneider ärgert sich vor allem über Ämter und Architekten, denen er die Schuld für immense Kostensteigerungen in Bad Berneck gibt.

Das ärgert Schneider

Er nennt Beispiele. Das Bärnreuther Feuerwehrhaus hätte 180000 Euro kosten sollen. Über Nacht, so Schneider, hätten sich die Kosten verdoppelt, weil das Amt für ländliche Entwicklung und ein Architekt eingeschalten worden waren. Ein anderes Beispiel: Das Tosbecken am Heinersreuther Berg, das "beim Bau des Hochwasserschutzes der Stadt aufs Auge gedrückt wurde", kostete 300000 Euro, obwohl es an der Stelle überflüssig sei, meint Schneider. Noch ein Beispiel: Die Binningbrücke kostete 170000 Euro, hätte wohl auch für einen Bruchteil des Geldes gebaut werden können. Und jetzt noch der Hochwasserschutz. Fünf Jahre nach dem großen Hochwasser im Jahr 2006 lag eine Studie vor, die den Hochwasserschutz für das gesamte Stadtgebiet mit 2,2 Millionen Euro bezifferte. Jetzt werden dem Stadtrat Pläne für einen Teilabschnitt dieses Hochwasserschutzes vorgestellt. Kosten: 4,4 Millionen. Doppelt so viel für einen kleinen Teil, wie einst für die gesamte Stadt. Schneider ärgere besonders, dass davon knapp eine Million Euro an den Architekten fließen würden. Und Schneider versteht auch nicht, warum für viel Geld im Kindergarten die Heizung ausgetauscht werden muss, wenn die doch noch tadellos funktioniere.

Warum Schneider Stadtrat wurde

Schneiders Ärger kam nicht über Nacht. Seit einiger Zeit wälzt er diese Gedanken umher, im November entschloss er sich dann, das Mandat niederzulegen. 

Als er 1984 zur Stadtratswahl antrat tat er dies, um seine Stadt mitzugestalten. Er kann sich noch gut an diese Zahl erinnern. Schneider nimmt ein kleines Büchlein zur Hand: ein Kalender von damals. Am 18. März war die Wahl, steht da. Schneider hat außerdem "Tunesien" quer über ein paar Tage geschrieben. Mit seiner Frau war er verreist, dass er mit 1178 Stimmen gewählt worden war, wusste er am Abend des 18. März 1984 noch nicht. Zwei Tage später habe er zurückfliegen wollen, die Bärnreuther planten, ihm einen gebührenden Empfang zu bereiten. Auch davon wusste Schneider nichts. Doch die Schneiders saßen dann in Tunesien fest, konnten erst einen Tag später reisen. Als sie nach Hause kamen, stand die Empfangs-Dekoration im Hauseingang. "Da wussten wir, dass ich gewählt worden war", erinnert sich Schneider grinsend.

Was früher schief lief

Stadtrat zu sein war nicht immer einfach. Drei Bürgermeister erlebte der 69-Jährige während seiner Zeit als Stadtrat. Hans Wirth, Bernd Albert, und jetzt Jürgen Zinnert. "Und immer war ich in der Opposition", nie habe er mit der SPD die Mehrheit gehabt. Dass die Sanierung der Abwasserentsorgung nicht in Angriff genommen worden war, konnte er nicht verhindern. "Dabei hätte es damals noch Zuschüsse gegeben." Schneider erinnert sich daran, dass über die Mütterberatung für ein paar hundert Euro stundenlang diskutiert worden war, während die Räte bei Fünf-Millionen-Projekten schnell die Hand hoben. Er erinnert sich an den Kurhaus-Anbau, den Bau der Turnhalle und daran, dass die Räte nach den Sitzungen immer noch ins Wirtshaus gingen. "Es geht ja nicht um Parteien, sondern um die Bürger", sagt er, da könne man doch noch zusammen am Wirtshaustisch sitzen. Heute gebe es das nicht mehr.

Schneider erlebte auch den Niedergang der Kurstadt mit. "Als ich in den Stadtrat kam, war die Kur in Bad Berneck schon auf dem absteigenden Ast." Die Kurmusik sei in seiner Zeit als Stadtrat abgeschafft worden, und dann wären im Blick auf den Tourismus auch einige Fehler gemacht worden. Ein Hotelier habe groß bauen wollen und auch eine Therme für Bad Berneck war im Gespräch. "Der Bürgermeister damals hat die Pläne in die Schublade gesteckt, dann hat der Landrat angerufen, welche Meinung wir jetzt dazu haben, und wir hatten keine." Jetzt habe Obernsees die Therme, nicht Bad Berneck.

Was jetzt kommt

Bereut hat er seinen Entschluss von damals, als Stadtrat zu kandidieren, dennoch nicht. Jetzt sei aber die Zeit gekommen, in der er diese Arbeit nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren könne.

Langweilig dürfte es Schneider auch künftig nicht werden. Feuerwehr, Gesangverein, Arbeiterwohlfahrt, SPD, "und im Förderverein gestalte ich ja auch immer noch mit", sagt er und meint den Förderverein für historische Stätten. Er geht Holz machen im eigenen Wald, vier Enkel hat Schneider auch. Die freuen sich schon auf den Urlaub mit dem Opa.

Erst vor einigen Wochen hatte eine weitere SPD-Stadträtin, Frauke Wick, ihr Mandat aus privaten Gründen niedergelegt. Für Richard Schneider rückt Harald Kröhn in den Stadtrat nach.

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