B 303: "Alternative Fakten" der IHK?

„In der aktuellen Diskussion um den Ausbau der Bundesstraße 303 müssen die Argumente der Wirtschaft in Hochfranken Gehör finden“, fordert die IHK für Oberfranken Bayreuth in einer Pressemitteilung.

Die Anbindung an Fernstraßen zähle für die Unternehmen im Fichtelgebirge zu den wichtigsten Standortfaktoren. „Die tatsächliche Zufriedenheit mit der Anbindung an Autobahnen und Bundesstraßen hinkt in unserer Region aber dem Anspruch hinterher“, so IHK-Vizepräsidentin Laura Krainz-Leupoldt, sie verweist auf die Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage von IHK und Handwerkskammer unter heimischen Unternehmen im Jahr 2015.

Diese Aussage steht jedoch im klaren Widerspruch zu Aussagen aus eben der zitierten Umfrage. Unter der Überschrift „Gute Noten für die Infrastruktur“ heißt es dort: „Besonders gut schnitten die Themenfelder ’Allgemeines Umfeld’ und ’Infrastruktur’ ab.“ Und weiter: „Auf dem Feld der Infrastrukturen schnitten die Straßeninfrastruktur – sowohl die lokale als auch die überregionale Anbindung – und die Stromversorgung gut ab.“

Am zufriedensten mit den Straßen

Und weiter heißt es: „Am zufriedensten sind die Unternehmen mit der Stromversorgung, den niedrigen Lebenshaltungskosten in der Region sowie der Anbindung an kommunale und überregionale Straßen.“ Der Faktor „Anbindung an Fernstraßen (Autobahnen, Bundesstraßen)“ wird von den Unternehmern demnach mit der Note 2,2 bewertet, der Faktor „Zustand der Fernstraßen (Autobahnen, Bundesstraßen)“ mit der Note 2,4. Das ist jeweils überdurschnittlich im Vergleich zur Gesamtnote für den Standort: „Insgesamt bekommt der Standort Oberfranken von den teilnehmenden Befragten die Schulnote 2,6“, heißt es auf der Internetseite der IHK. Trotzdem: „Aus Sicht der IHK ist der vierspurige Ausbau der B 303 bis zur tschechischen Grenze daher dringend erforderlich, um den Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig zu erhalten – und dadurch Arbeitsplätze und Kaufkraft in der Region zu bewahren.“

Offenkundiger Widerspruch

Auf den offenkundigen Widerspruch gestoßen ist der Münchberger Physiker und Mathematiker Prof. Wolfgang Batrla. Er kommentiert den Widerspruch so: „Erinnert mich doch stark an ’Alternative Fakten’, denn Frau Krainz-Leupoldts Aussage ist mit dem Ergebnis der Umfrage nicht zu begründen.“ Ähnlich argumentiert die Bürgerinitiative gegen die Fichtelgebirgsautobahn Ost, die ebenfalls auf den Widerspruch gestoßen ist: „Man muss sich zwangsläufig schon fragen, ob Frau Dr. Krainz-Leupoldt die Umfrage verstanden hat“, so Kerstin Popp.

Konkret fordert die IHK: „Als Teil des Lückenschlusses nach Tschechien fordert die IHK den Bau der Ortsumgehung Schirnding, für die schon lange Baurecht besteht und nun auch die Mittel bereitgestellt werden.“ Darüber hinaus wird der punktuelle Ausbau der B 303 zwischen der A 9 und Marktredwitz-West vom stellvertretenden IHK-Hauptgeschäftsführer und Leiter des Bereichs Standortpolitik, Wolfram Brehm, gefordert.

Und Heinrich Strunz, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Hof, wird in der Pressemitteilung mit den Worten zitiert: „Die bayerischen Exporte nach Tschechien haben im Jahr 2015 um mehr als sieben Prozent zugelegt.“

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