Azubis: Noch viele Stellen nicht besetzt

"Es schaut ganz gut aus auf dem Ausbildungsmarkt", sagt Thomas Moder, Lehrer an der Mittelschule in Weidenberg. Alle 23 Absolventen seien untergekommen, entweder als Auszubildende in Betrieben oder in weiterführenden Schulen. Der stellvertretende Schulleiter Jörg Zinner betont, dass sich in den vergangenen Jahren die Situation deutlich verändert habe: Vor zehn Jahren habe ein gravierender Lehrstellenmangel geherrscht, heute würden viele Betriebe händeringend nach Bewerbern suchen. Auch Klassenleiter Christian Wagner von der Gefreeser Mittelschule kann nur Positives berichten. Lediglich zwei seiner 24 Schüler hätten noch keinen genauen Plan, wie es mit ihnen weitergehen soll. 13 Absolventen würden eine betriebliche Ausbildung beginnen, drei ihre schulische Karriere an der Landwirtschafts- oder Pflegefachschule fortsetzen und sechs die Klasse wiederholen. Was Wagner von seinen Schülern erfahren hat: Einen Beruf, der körperliche Anstrengung erfordert, schließen viele für sich aus. Der Trend gehe eher in Richtung Büro.

Trend zum Studium

Bei den Kammern beobachtet man seit Jahren, dass aufgrund des demografischen Wandels die Zahl der Auszubildenden zurückgeht. "In den vergangenen Jahren hat sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage komplett gedreht. Immer mehr Unternehmen tun sich schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden", sagt Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken. "Ginge es nach den Unternehmen, würden diese deutlich mehr ausbilden. Doch immer mehr Unternehmen tun sich schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden." Eine aktuelle Umfrage der deutschen IHK-Organisation zeige, dass in fast einem Drittel der Unternehmen Ausbildungsplätze unbesetzt geblieben seien. In Oberfranken gebe es zum Stichtag 30. Juni 2074 unversorgte Bewerber bei 3450 gemeldeten unbesetzten Stellen. Doch nicht nur der demografische Wandel, der die Zahl der Schulabgänger deutlich verringere, führe zu einer angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt. Auch der Trend zum Studium verringere die Zahl potentieller Azubis. Bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer: Denn 29 Prozent der Bachelorstudenten würden ihr Studium abbrechen. Deren Beratung würde deshalb immer mehr an Bedeutung gewinnen, sagt Hohenner und fügt an: "Es muss unser Ziel sein, Studienabrechern eine gute Perspektive für ihr künftiges Berufsleben zu geben."

Gute Chancen

Peter Schirmer, Ausbildungsfachmann bei der Handwerkskammer für Oberfranken (HWK), bestätigt, dass viele Betriebe händeringend nach Auszubildenden suchen. In Oberfranken gebe es derzeit rund 500 offene Stellen, die Chancen für Bewerber seien in allen Branchen ausgesprochen gut. Dies könne bei der Suche nach der ausbildungsstelle in der bevorzugten Branche die Chancen erhöhen. Zrotzdem empfiehlt er den jungen Frauen und Männern, zuvor ein Praktikum zu absolvieren. Damit könnten sie testen, ob es wirklich ihr Traumberuf werden könnte. Und andererseits de Betrie vom Können des Praktikanten überzeugen.

Hohe Anforderungen

Die Tendenz zu Büroberufen sei groß, die Nachfrage übersteige die nach Handwerksberufen, sagt Kristin Irrgang von der Agentur für Arbeit in Bayreuth. Momentan gebe es in allen Branchen noch sehr viele offene Stellen. Was aber nicht bedeutet, dass alle Schulabgänger auch in allen Branchen gleich gute Chancen haben. Absolventen der Realschule hätten beispielsweise im kaufmännischen Bereich aufgrund ihrer Ausbildung bessere Chancen als Abiturienten. Absolventen der Mittelschulen kämen wiederum ihre praktischen Erfahrungen zugute.Wer beim Berufswunsch flexibel ist und auch einen Umzug nicht scheut, habe gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Klar sei aber auch, dass nicht jeder schulische Abschluss jede Ausbildung ermögliche. In manchen Fällen seien die Anforderungen höher als das in der Schule vermittelte Wissen. Deswegen müsse man aber bei der Berufswahl noch keine Abstriche machen. Sogenannte Ausbildungsbegleitende Hilfen, die fachliche, aber auch sozalpädagogische Unterstützung biete, können dabei helfen, Wissenslücken zu füllen.

Stolze Eltern

Den Trend zur weiterführenden Schule statt zur Ausbildung stoppen wollen die Handwerkskammern mit der Aktion "Handwerk macht stolze Eltern". Diese Ausbildungsoffensive soll wieder mehr Interesse an Handwerksberufe wecken, sagt Kreishandwerksmeister Peter Engelbrecht. Wenn selbst Modeberufe wie der KfZ-Mechatroniker auf zunehmend weniger Nachfrage stoße, dann hätten nicht nur Branchen wie das Bauhandwerk, Metzger und Bäcker ein Problem. Deshalb müsse man die jungen Menschen davonüberzeugen, dass Handwerk nicht nur etwas wert ist, sondern auch viele Chancen bietet.

Info: Einen Überblick über das Angebot freier Ausbildungsplätze findet man hier: www.ihk-lehrstellenboerse.de und www.hwk-oberfranken.de.

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