Ausstellung: Elefant mit Reichsadler

Aus heutiger Sicht kann man dem Entwurf durchaus auch etwas Humoristisches abgewinnen. Damals, vor mehr als hundert Jahren, war es freilich eine ernste, geradezu staatstragende Frage: Wie könnte ein Wappen für das von den Deutschen usurpierte Schutzgebiet Kamerun aussehen? Ein Krokodil mit weit geöffnetem Schnappmaul? Nein, das wäre wohl doch etwas zu unseriös und dem Gesichtspunkt der Integration womöglich wenig zuträglich gewesen.

Jedenfalls waren hier kaiserliche Experten am Werk, die sich mit einer Aufgabe von enormer Tragweite zu befassen hatten. Schnell war klar: Ein Elefant musste es sein, der unter dem Reichsadler samt Kaiserkrone das Wappen der Kolonie ausmachen sollte.

Dabei waren auch wichtige Detailfragen zu klären, wie etwa die Farbgebung. Im finalen Entwurf, der tatsächlich die Zustimmung von Kaiser Wilhelm II. fand, ziert ein grauer Elefantenschädel mit riesigen Ohren das Wappen.

Über das Stadium der Planung kam diese schmucke Grafik freilich nicht hinaus. Dies verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Wie sind Menschen zu integrieren?

Auf derlei Details stößt man beim Besuch der Ausstellung „Was treiben die Deutschen in Kamerun?!“, die am Donnerstag, 19. Oktober, um 19 Uhr im Lastenausgleichsarchiv, Dr. Franz-Straße 1, in Bayreuth eröffnet wird. Die gemeinsame Ausstellung von Bundesarchiv und Goethe-Institut gibt Einblicke in die Geschichte dieser deutschen Kolonie.

Von 1884 bis 1916 war das zentralafrikanische Land den deutschen Kolonialherren unterworfen. Die Fotografien aus dem Bundesarchiv wollen ein Bild von friedlichen, aber auch konfliktgeladenen Begegnungen von deutschen Kaufleuten, Missionaren, Beamten und Politikern mit kamerunischen Bauern, Händlern, Arbeitern und Sultanen vermitteln.

Durch die Themen Eroberung, Besetzung, Vertreibung lässt sich die Brücke zum Präsentationsort der Ausstellung, dem Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth, schlagen.

Zwar ist im hiesigen Bundesarchiv hauptsächlich die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentiert, doch „Migrationserscheinungen kommen immer wieder“, wie der stellvertretende Leiter des Lastenausgleichsarchivs, Karsten Kühnel, sagt. Wie geht man mit Migration um? Wie sind die Menschen zu integrieren? Welche Parallelen finden sich zwischen den heutigen Asylsuchenden und der Eingliederung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg?

Ort für Diskussionen

Das Lastenausgleichsarchiv könnte sich als geeigneter Ort für die Diskussion solcher Fragen erweisen. Jedenfalls bietet die Ausstellung neben vielen faksimilierten Dokumenten in deutscher Kurrent-Handschrift samt Lesehilfe in danebenstehender lateinischer Schrift eindrucksvolle Bildmotive, wie etwa das Foto einer Frau aus Kamerun, die in geradezu mitteleuropäisch-bürgerlicher Manier vor der Linse eines kolonialherrschaftlichen Fotografen positioniert wurde, und dabei auf eine deutsche Zeitung blickt. Ein fotografisches Dokument von Assimilierung. Ob die Frau die Zeitung wirklich liest, bleibt offen.

Peinlicher Anblick

Zu einem weiteren Blickfang der Ausstellung wird ein Bild, auf dem sich ein deutscher Beamter auf einem Ziegenbock präsentiert und dabei ein eher peinliches Bild eines deutschen Kolonialherren abgibt.

Weitaus mehr Stolz bringen die auf nebenstehendem Bild gezeigten Kameruner zum Ausdruck, die vom Fotografen in exotischer Weise ins Licht gerückt wurden. Vor allem aber gibt es in den von Gisela Müller, Referatsleiterin für historische Bildungsarbeit beim Bundesarchiv Koblenz, drapierten Vitrinen viel zu lesen – dabei im zeitgeschichtlichen Teil über die Beziehungen von Kamerun zur Bundesrepublik und zur DDR.

In äußerst diskreter Weise wird auch auf einen Staatsbesuch des Bundespräsidenten Heinrich Lübke in Kamerun hingewiesen.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Lastenausgleichsarchivs zu sehen. Montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr.

 

Zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag um 19 Uhr spricht Hermann Hiery vom Lehrstuhl für Neueste Geschichte, Uni Bayreuth, über das Thema „Migrationsaspekte in der Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonien“.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06