Ausstellung: Der Meister der Illusion auf der Bayreuther Festspielbühne

Als Georg Solti und Peter Hall 1983 in Bayreuth den Ring-Zyklus inszenierten, wollten sie Richard Wagners Regieanweisungen möglichst wörtlich umsetzen. Und der liebte die perfekte Illusion. Also beschlossen Dirigent und Regisseur, dass die drei Rheintöchter Woglinde, Wellgunde und Floßhilde auf offener Bühne schwimmen sollten. Die Ausstellung "Wagner Backstage" in Detmold erklärt jetzt, wie der geniale Bühnentechniker und gebürtige Lipper Walter Huneke das geschafft hat.

"Jeden Abend mussten 80 000 Liter Wasser zuerst möglichst schnell auf die Bühne gepumpt werden - und nach der Szene noch schneller wieder verschwinden. Das war natürlich eine echte Schwierigkeit", erinnert sich Erich Huneke an Erzählungen seines 2003 verstorbenen Bruders Walter. Walter grübelte, bis er eine vergessene Zisterne unter dem Festspielhaus entdeckte. Dorthin konnte das Wasser schnell abgeleitet werden.

Bei seinen Konstruktionen setzte Walter Huneke auf modernste Technik. Im "Siegfried" hauchte er dem Lindwurm Fafner mit einem ausgeklügelten hydraulischen System Leben ein, ohne dass ruckartige Bewegungen die Illusion zerstörten oder mechanische Geräusche den Musikgenuss beeinträchtigten.

Klaus Wichmann, Vorsitzender der Initiative Theatermuseum Berlin und früher Hunekes Assistent, erinnert sich gut daran, wie sein damaliger Chef mit der Stoppuhr in der Hand darauf achtete, dass jeder Helfer die notwendigen Handgriffe genau zum richtigen Zeitpunkt erledigte. Ein Perfektionist, der seinem Team ebenso Höchstleistungen abverlangte wie sich selbst. Und einer, der mit überraschend einfachen Mitteln verblüffende Effekte erzielte, betont Wichmann, später selbst Technischer Direktor der Staatsoper in Berlin. "Für mich ist er einer der bedeutendsten Theatertechniker Deutschlands."

Begonnen hatte der 1925 geborene Walter Huneke seine Laufbahn mit 16 Jahren als Bühnenhelfer am Landestheater in Detmold. Er eignete sich handwerkliche wie technische Fähigkeiten an und absolvierte mehrere Ausbildungen, vom Maurer bis zum Beleuchtungsmeister.

Nach Stationen in Bremen, Düsseldorf und Frankfurt wirkte er von 1966 an in Bayreuth mit. Daneben konzipierte er mit einem eigenen Planungsbüro die Technik für ganze Theater - bis hin zu Häusern in Istanbul und Teheran.

Die Detmolder Ausstellung dokumentiert vor allem die Arbeit in Bayreuth. Und so kann man auf historischen Fotos etwa die Entwicklung des riesigen Schiffs aus dem Fliegenden Holländer von 1978 nachvollziehen. "Zunächst ist nur das Gerüst zu sehen, dann kommt die Styroporverkleidung hinzu, schließlich werden die optischen Details ergänzt", beschreibt Ausstellungsmacherin Luisa Mersch. Bei den Aufführungen schien das Geisterschiff aus den Tiefen des Bühnenraumes geradezu herbeizuschweben, geräuschlos öffnete sich der mächtige Bug und gab den Blick frei auf den singenden Holländer: Einmal mehr hatte Walter Huneke das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Die Ausstellung in Detmold ist bis zum 22. Mai im Landesarchiv NRW zu sehen.

dpa/Foto: dpa

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