Ausflug einer Hausfrau in den Drogensumpf

Hauptfigur des Prozesses war der 30-jährige Dealer, ein bei den Drogenfahndern seit langem bekannter Süchtiger. Mit 16 war der Mann schon von Metamphetamin, dem sogenannten Crystal Speed, abhängig. Einer seiner Abnehmer war der 35-jährige Freund der Hausfrau, von zweien ihrer Kinder ist er der Vater. Alle drei Angeklagten sind aus dem Raum Kulmbach.

Und alle drei legten bei ihrem Prozess am Bayreuther Landgericht Geständnisse ab. Der 35-Jährige erklärte sichtlich betroffen, dass er es gewesen sei, der seine "Jugendliebe" so spät noch zum Drogenkonsum verleitet habe: "Ich habe Mist gebaut." Er gestand auch, dass er vom mitangeklagten 30-Jährigen Crystal bezogen und in mehreren Fällen an andere Süchtige weiterverkauft hatte.

Der Dealer hat keinen Führerschein mehr

Der 30-Jährige ließ seinen Verteidiger Alexander Schmidtgall eine Erklärung abgeben: Ja, er habe gedealt, um seine Sucht zu finanzieren. Ja, er habe die mitangeklagte Frau und Freundin seines Kumpels als Fahrerin gebraucht - er und auch der andere Angeklagte verfügen nicht über eine Fahrerlaubnis.

So wurde die Hausfrau am 5. Dezember 2016 und drei Tage später, am 8. Dezember, zur Drogentransporteurin. Sie gestand vor Gericht, dass es ihr schon klar gewesen sei, welchen Zweck die erste Fahrt nach Cheb hatte. Der 30-jährige Angeklagte kaufte dort neben den üblichen Gütern wie Zigaretten, Kosmetikartikeln und sonstigem auch Crystal auf einem Vietnamesenmarkt. "Wieviel er gekauft hat, weiß ich nicht", sagte die Hausfrau aus, "aber er erzählte mir, danach, dass er mindestens ein Gramm schnell verschluckt hat, als die Polizei uns anhielt."

Trotz Kontrolle noch ein Fahrt drei Tage danach

Tatsächlich war der alte VW der Hausfrau am 5. Dezember 2016 auf dem Rückweg von Tschechien angehalten worden. Wie sich später heraus stellte, nicht aus Zufall: Die Bayreuther Kripo hatte aufgrund der Aktivitäten des Dealers bereits eine Telefonüberwachung geschaltet und die Kollegen der Grenzpolizei auf die Hausfrau und ihren Beifahrer angesetzt. Im Prozess blieb unklar, wieviel Crystal die beiden damals dabei hatten - der Gerichtsvorsitzende Michael Eckstein äußerte den Verdacht, dass es mehr gewesen sein dürfte: "Für ein Gramm fährt man nicht rüber." Mehr als ein Gramm ließ sich aber nicht nachweisen: Die angeklagte Hausfrau berichtete, ihr Mitfahrer habe ihr nach der Polizeikontrolle berichtet, er habe "noch ein Gramm" des Crystal verschlucken können und sich dabei "den Hals verätzt".

Bei der zweiten Fahrt drei Tage später war der Lebensgefährte der Hausfrau mit von der Partei. Sie sagte im Prozess aus, sie habe zunächst "gedacht, dass die doch nicht so blöd sind, schon wieder Drogen zu holen." Als sie aber erneut an einem Vietnamesenmarkt Halt machen sollte, ihre zwei Begleiter ausstiegen, kurz verschwanden und wenig später etwas gehetzt wieder einstiegen und sie bei ihrer Unterhaltung das Wort "Crystal" hörte, war ihr klar: "Die haben wieder Drogen gekauft."

Verteidiger halten Anträge der Anklage für überzogen

Die Sitzungsstaatsanwältin beantragte sieben Jahre Haft für den 30-Jährigen, drei Jahre und zehn Monate für den 35-Jährigen und zwei Jahre und neun Monate für die Hausfrau. Die Anträge der Anklägerin bezeichneten alle drei Verteidiger als maßlos überzogen. Ralph Pittroff hielt mit einem Antrag auf eine Geldstrafe für die Hausfrau dagegen. Alexander Schmidtgall hielt für seinen Mandanten, den Dealer, vier Jahre für ausreichend. Wichtiger für seinen Mandanten sei ohnehin die vom Psychiater befürwortete Drogenentzugstherapie. Anwalt Johannes Driendl beantragte für den 35-Jährigen eine Bewährungsstrafe.

Das Landgericht verhängte gegen den suchtkranken Dealer viereinhalb Jahre und die Zwangstherapie. Der 35-jährige Mittäter bei der zweiten Einfuhr wurde mit zweieinhalb Jahren bestraft. Die Fahrtdienste der Hausfrau stufte das Landgericht als minder schwere Fälle ein und verhängte eine zehnmonatige Bewährung.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06