Ausbau auf Basis falscher Zahlen

Für elf Millionen Euro sollen, wie berichtet, 2,5 Kilometer der B 303 auf Höhe von Schirnding vierspurig ausgebaut werden. Kritiker verweisen auf die niedrigen Verkehrszahlen, auf falsche Annahmen und Berechnungen, mit denen das Projekt gerechtfertigt wird und sprechen von politischer Willkür.

Im Dezember hatte sich der Bayerische Rundfunk in seinem satirischen Nachrichtenmagazin „Quer“ mit dem Projekt befasst. Und beißenden Spott über das Vorhaben ausgegossen („sinnlose Straße“, „nutzloser Wurmfortsatz“). Bundestagsabgeordneter Hans-Peter Friedrich (CSU), ein Verfechter des Projekts, der für den Beitrag auch interviewt wurde, kontert die BR-Sendung auf seiner Facebookseite mit ebenso scharfen Worten: „Leider hat die ’Anstalt für Information und Wahrheit’ vergessen zu erwähnen, dass es sich bei der Straße um den Lückenschluss zwischen dem deutschen und dem tschechischen Autobahnnetz handelt. Ab 2022 wird man von Prag bis Schirnding/Landesgrenze vierspurig fahren. Aber es passiert schon mal, dass die Wahrheitswächter solche Nebensächlichkeiten vergessen! Wollen wir nicht so sein, ist ja bald Weihnachten.“

Projekt schon längst abgestuft

Worauf gründet sich der Vorwurf der Willkür und der falschen Zahlen? Der vierspurige Ausbau der B 303 in diesem Bereich war noch im alten Bundesverkehrswegeplan im „vordringlichen Bedarf“, also in der obersten Kategorie, in der ein Projekt die größten Chancen auf Verwirklichung hat. Im seit kurzem geltenden neuen Bundesverkehrswegeplan wurde das Projekt eine Kategorie abgestuft („weiterer Bedarf“). Was in der Praxis bedeutet hätte, dass das Projekt für die Laufzeit des neuen Plans (bis 2030) so gut wie keine Chance auf Verwirklichung gehabt hätte. Aber Bundesverkehrsminister Dobrindt hatte das Geld für die Vierspurigkeit bei Schirnding im September kur vor Ablauf des alten Bundesverkehrswegeplans freigegeben.

Doch damit nicht genug. Ausschlaggebend für die Kategorisierung ist eine Berechnung des Verhältnisses von Kosten und Nutzen eines Straßenbauvorhabens. Die hohe Kategorisierung im alten Bundesverkehrswegeplan - Grundlage für die Geldfreigabe des aktuellen Projekts - kam aufgrund einer falschen Berechnung zustande. Das hat der Münchberger Physiker Prof. Wolfgang Batrla schon vor mehreren Jahren nachgewiesen. Bei der Kosten-Nutzen-Rechnung hatte man dem Nutzen einer vierspurigen Straße die Kosten einer zweispurigen Straße statt der vierspurigen gegenübergestellt. Die Bürgerinitiative hatte schon 2003 und ein weiteres Mal 2007 auf den Fehler aufmerksam gemacht, eine Korrektur wurde versprochen, aber nie vorgenommen. Wäre die korrekte Berechnung angestellt worden, wäre das Projekt nicht in den vordringlichen Bedarf gekommen. Die Freigabe des Geldes im vergangenen September, erfolgte also auf der Grundlage nicht nur alter, sondern auch noch falscher Berechnungen, so Batrla.

Merkwürdigkeiten auch im neuen Plan

Doch auch im aktuellen, erst seit kurzem geltenden Bundesverkehrswegeplan hat Batrla Fehler ausgemacht. Wieder geht es um die vierspurige B 303 bei Schirnding. Batrla spricht von „grob unplausiblen Annahmen“, mittels derer das Nutzen-Kosten-Verhältnis „gnadenlos schön gerechnet“ sei. Vereinfacht gesagt, haben die Planer laut Batrla unterstellt, dass auch 2030 nicht mehr Fahrzeuge auf der B 303 bei Schirnding unterwegs sind als heute. Und auch dass nur unter der Annahme, dass eine fiktive Zahl von rund 3000 Fahrzeugen, die ohne weiteren Ausbau angeblich täglich die Ortsdurchfahrt von Schirnding nutzen würden, dann auch die erweiterte Ortsumgehung auf der B 303 nutzen.

Letztlich hat der nun begonnen Ausbau der B 303 auf nur 2,5 Kilometern in den Augen der BI nur einen Zweck: Es soll der Druck erhöht werden, auch den Rest der Straße zwischen Grenze und A 93 auszubauen. Doch dieser Abschnitt taucht im aktuellen Bundesverkehrswegeplan in der niedrigsten Kategorie auf: „Kein Bedarf“.

Für Bulldogs künftig verboten

Als der Bayerische Rundfunk bei Schirnding für seinen "Quer"-Beitrag drehte, suchte er auch nach den Verkehrsschlangen, die die Vierspurigkeit angeblich notwendig machen sollen. Und wurde erst fündig, als mehrere Lastzüge und Autos auf der B 303 hinter einem Bauernbulldog herfuhren. Doch damit soll Schluss sein, wenn die Straße vierspurig ist. Nicht, weil man dann Bulldogs leichter überholen kann. Sondern weil die von der dann neuen Straße runtermüssen, so wie alle anderen Fahrzeuge, die höchsten 60 Stundenkilometer fahren. Das bestätigt auf Nachfrage das Staatliche Bauamt Bayreuth: "Deshalb bestehen gerade für den landwirtschaftlichen Verkehr parallel zur B 303 Alternativwege, die im Rahmen der Baumaßnahme noch baulich verbessert werden", so Baudirektor Siegfried Beck.

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Kommentare

Hallo,

das Problem liegt doch grundsätzlich auf der Bürgerinitiative B 303 Gefrees, die ja
schon gegen einen Autobahnbau, dann gegen einen bedarfsgerechten Ausbau der
B303 und schon immer gegen den Lückenschluss nach CZ schon jahrelang wettert.
Selber haben sie ja auch eine praktische A9 vor der Haustüre. Die geht ja Gottseidank
am Fichtelgebirge haarscharf vorbei.

Es ist zur Lebensaufgabe geworden zu verhindern. Freuen tun sich unsere Landsleute in Ober-und Niederbayern. Dort werden Straßen ausgebaut weil ein Unfallschwerpunkt einen Ausbau unbedingt notwendig macht. Auch ohne große Verkehrszahlen. Das
Geld geht dann nach Süden.

Der Hauptverkehr hat sich seit 1990 auf die Autobahnen verlagert und lässt nixlos
Oberfranken in Ruhe. Ein Ausbau könnte das aber ändern da ja heutzutage alle
nach Navi fahren und die Routenberechnung die Autobahnen bevorzugt.

Warten werde ich aber auf den Kurierbericht 2032. Bi Gefrees petzt in München und verhindert Radweg zwischen Waldsassen und Eger wegen zu wenig Radfahrer.

joe
"Bedarfsgerecht" ist genau das passende Stichwort: Eine existierende Straße, die für 20.000 Autos ausgelegt ist, aber nur von 6000 benutzt wird, auszubauen ist das Gegenteil von "bedarsfgerecht". Nach der Logik müsste man die B 22 zwischen Bayreuth und Kemnath mindestens sechsspurig ausbauen.
Und das Argument Das "Geld geht dann nach Süden" kann ich auch nicht mehr hören. Lieber hier sinnlos verbraten, als dass es der Nachbar bekommt - was ist das nur für eine Logik? Zahlen Sie eigentlich keine Steuern? Diese Art von Kirchturmdenken ist das eigentliche Problem in Oberfranken.
Das eigentliche Thema, oder besser: der eigentliche SKANDAL dieser Geschichte scheint Ihnen entgangen zu sein: Hier wurde Politik gemacht, wie man sie sonst nur aus Bananenrepubliken oder dysfunktionalen südeuropäischen Staaten kennt!
Welche "dysfunktionalen" Südstaaten sind denn damit gemeint, die nicht bedarfgerechte Straßen bauen?
Gehört denn nicht auch der Straßenbau zu den staatlichen Investitionen, um eine Region wirtschaftlich weiter zu bringen?
Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.

So einfach es. Wenn wir wollen, dass die Regionen Oberfranken / Okres Karlovy Vary weiter zusammenwachsen, dann macht es Sinn, die B303 in der geplanten Form auszubauen.

Die Argumentation mit dem heutigen Verkehrsaufkommen ist zwar naheliegend, aber eben nur eine Teilbetrachtung. Die Route ist eine Entlastung zur Goldene Straße/ A6 und hat das Potential mehr Handel, Dienstleistung und Produktion in die Region zu bringen.

Schaut man sich aktuelle Entwicklungen an, erkennt man schnell, dass sich die Entwicklungsachsen entlang der leistungsfähigen Verkehrsverbindungen weiterziehen. Wer da nicht mitmacht, wird abgehängt. So ist der Ausbau einfach notwendig.

Die Investitionen auf tschechischer Seite sind ins Stocken geraten – wie auch bei der Bahn, weil Deutschland hier seit Jahren seinen Zusagen nicht nachkommt. Die Protokolle hierzu sind online verfügbar – in Landessprache.

Das alles könnte man recherchieren und schreiben – wenn man an einer qualitativ hochwertigen und ausgewogenen Berichterstattung interessiert wäre.
Hallo

Potzblitz..hier joe . So eine Antwort auf meinen Kommentar hätte ich gerne von
der BI Gefrees erwartet.

Ja auch ich habe gedacht ich könnte in unserer realen, Bananenrepublik die Welt retten . Leider ist das Zauberwort Topf. Bundesstraße, Bundesautobahn nix Oberfranken zahlen. Was im Topf ist wird verteilt.

Wenn mein Nachbar 25 km entfernt in Wunsiedel zu seiner Garage einen Zuschuss bekommt, und der die Garage möchte, dann mache ich das als Bayreuther madig.
Freut sich halt dann einer in der Oberpfalz. Der hat zwar schon drei ...aber.

Wo steht da der Kirchturm? Und welcher,... ach ja der in Berlin/München steht mir
näher die freuen sich immer wenn sie volle Töpfe bei dankbaren Wählern verteilen können ? Die zahlen ja nicht mal Straßenausbaubeitrag sehr sympatisch.

Uwart hat es natürlich auf den Punkt gebracht. Besser gehts nicht " Gehört denn nicht auch der Straßenbau zu den staatlichen Investitionen, um eine Region wirtschaftlich weiter zu bringen?"

Joe