Aus Liebe zum Blech

Ein Fahrzeug, das immer wieder die bewundernden Blicke der Besucher auf sich zog, hatte Stefan Krauß aus Kemnath mitgebracht: einen Nachbau des ersten Automobils der Welt mit Gasmotor, den Benz-Patent-Motorwagens von Carl und Berta Benz aus dem Jahr 1886. „Ich habe ihn aus einem Privatmuseum in der Nähe von London, das der Inhaber aus Altersgründen aufgelöst hat“, erzählt der Oldtimer-Liebhaber. Als er in einem Internet-Forum davon erfuhr, kontaktierte er den Engländer und flog im September 2016 nach London. „Der Wagen wurde zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 1986 gebaut und stand 30 Jahre im Museum, ist deswegen noch erstklassig erhalten“, sagt Stefan Krauß. Auch heute noch baut Mercedes die automobile Kostbarkeit hin und wieder nach. Mit seinen 0,75 PS erreicht der Zweisitzer eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Stundenkilometern. Wenn das Wetter stimmt, nimmt Stefan Krauß das Dreirad für kurze Ausfahrten her. Mehrere Besucher des Oldtimer-Treffens durften mit Krauß über das Brauereigelände tuckern. „Das Original steht übrigens im Deutschen Museum in München“, sagt Krauß.

Vom Gutbrod gibt es nur noch elf fahrbereite weltweit

Eine weitere Besonderheit war auf dem Gelände mit einem Gutbrod Superior aus dem Jahr 1952 zu bestaunen. „Ich kam mit einem Patienten in meiner Praxis in Bayreuth ins Waafn und ich habe dabei meine Bewunderung für diese Marke ausgedrückt, die ich bis dato nur aus dem Museum kannte“, erzählt der Besitzer Dr. Stephan Huttner. „Er meinte dann, er habe einen solchen Wagen seit 20 Jahren in seiner Scheune in Leineck stehen.“

Der Motor lief - aber der Rest...

Er kaufte den Wagen zusammen mit seinem Bekannten Klaus Steinberger. Zwar war an dem Gutbrod vieles verbastelt, das Wichtigste aber, was er kaum für möglich gehalten hätte, war, dass der Motor ansprang. Mit großem Aufwand richteten die beiden Männer das Gefährt in fünf Jahren her: Der Boden musste komplett raus, über eine Spezialfirma in Schweden kamen sie an vier Original-Kotflügel und zwei Türen, die es allesamt normal nicht mehr gibt, ein Original-Armaturenbrett wurde besorgt und ein Freund goss die Schriftzüge, die man nicht mehr kaufen kann, nach. Über den Vorsitzenden der Alt-Ford-Freunde Köln kam Dr. Stephan Huttner an originale Scheinwerfer. Ende 2015 war das Fahrzeug komplett und seither nehmen die beiden Männer an diversen Treffen in der Region teil. „Norbert Drechsler vom OSK ist ja ein guter Freund von mir und deswegen bin ich fast jedes Jahr auf dem Oldtimer-Treffen in Kulmbach“, sagt Huttner. Deshalb hatte er auch den seltenen Gutbrod mitgebracht: „Weltweit gibt es nur noch 40 Stück in Museen und Sammlungen, von denen elf noch fahrbereit sind.“

Änderungen haben sich bewährt

OSK-Organisationsleiter Walter Schaller freute sich, dass das Treffen wieder so gut angenommen wurde. Zwar haben einige bedauert, dass es heuer keine Ausfahrt mehr gab, andere haben die Sache einfach selbst in die Hand genommen. „Ein paar Oldtimer-Freunde aus Hamburg, Berlin und Pforzheim, die jedes Jahr herkommen, reisten schon eher an und sind am Samstag einfach eine alte Tour in Eigenregie gefahren“, sagt Schaller. Die Veränderungen, die man heuer vorgenommen habe, hätten sich bewährt. „Erstmals haben wir uns ja in der Mönchshof-Halle mit unseren Fahrzeugen selbst präsentiert, was gut angekommen ist. Das wollen wir zukünftig so beibehalten“, sagt Schaller.

Nicht bewertet

Anzeige

Kommentar schreiben

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.