Aufs Alarmstichwort kommt es an

„Bei der neuen Alarmierungsbekanntmachung fallen die kleinen Wehren oft durch, weil sie nicht das für den Einsatz notwendige Gerät haben“, sagt Rainer Hauenstein, Kommandant der Lindenhardter Feuerwehr. Obwohl ihm klar ist, dass nach den schnellst verfügbaren Einsatzmitteln alarmiert wird, sei das für die Leute oft demotivierend.

Nur am Funkwecker gehört

Als Beispiel nennt Hauenstein einen Kaminbrand in der Nachbarortschaft Hörlasreuth – zwei Kilometer von Lindenhardt entfernt. Hier wurden die zuständige Ortswehr Schwürz sowie die Wehren aus Creußen, weil Wasser führend und mit Atemschutz ausgestattet sowie Bayreuth mit der Drehleiter alarmiert. Oder bei einem Kaminbrand in Trockau – etwa sechs Minuten Fahrtzeit von Lindenhardt – wurden Pegnitz mit der Drehleiter sowie Trockau mit Atemschutz und Wasser alarmiert. „Wir haben das nur auf dem Funkwecker mitgehört“, so der Kommandant.

„Die Alarmierungsbekanntmachung ist ein Gesetz, das wir umsetzen müssen“, sagt Kreisbrandrat Hermann Schreck auf Kurier-Nachfrage. Bei einem Einsatz gibt der Disponent in der Integrierten Leitstelle (ILS) die Alarmstichpunkte ein und es werden dann automatisch die Wehren alarmiert, die das erforderliche Gerät haben. „Es geht um die Schadensmeldung, die notwendigen Fahrzeuge und die Tagesverfügbarkeit der Wehren“, erklärt Schreck. Die Einsatzgebiete sind in Zonen eingeteilt. Von deren Mittelpunkt aus berechnet der Routenplaner, welche Wehren zum Einsatzort ausrücken müssen. „Wir haben selber keinen Einfluss auf das Ergebnis“, so der Kreisbrandrat. Ihm ist klar, dass jede Feuerwehr zu einem Einsatz möchte. „Aber es können nicht kollektiv 20 Wehren alarmiert werden“, sagt Schreck. Sonst würden die Kosten ins Unermessliche steigen. In dem Alarmierungsplan gibt es auch keine kommunalen Grenzen, es läuft ohne jegliche Vorbehalte, betont er. Immer vor Ort ist die örtliche Wehr, die Einsatzleitung liegt bei deren Kommandanten. Er habe bei Bedarf die Möglichkeit nach zu alarmieren. Oft komme es auch vor, dass Wehren, die exotisches Gerät haben – wie eben die Drehleiter, die nur vier Wehren im Landkreis haben – oft eine längere Wegstrecke zurück legen müssen und durch mehrere Ortschaften fahren.

Tausende von Parametern zu beachten

So erklärt es auch Martin Fiedler, stellvertretender ILS-Leiter: „Es kommt immer auf den Einsatz an. Bei einer technischen Hilfeleistung wird automatisch die Ortswehr alarmiert, ansonsten die Wehren, die das notwendige Gerät haben.“ Gerade bei Bränden komme es darauf an, was planerisch gebraucht wird. „Wir müssen davon ausgehen, dass die vorliegende Planung so passt“, sagt Fiedler. Diese gelte für den gesamten Landkreis, ein riesiger Raum. „Und die Kette vom Anrufer, der den Notfall meldet, bis zu den ausrückenden Wehren ist lang“, sagt er, „und es sind Tausende von Parametern zu beachten.“

„Wenn es die Einsatzmitteln nicht hergeben, bringt es nichts, bestimmte Wehren zu alarmieren“, sagt auch der Kommandant der Pegnitzer Feuerwehr, Roland Zahn. Die Alarmierungsbekanntmachung sei vom bayerischen Innenministerium so herausgegeben und die ILS müsse sich daran halten. „Es geht um die Alarmstichworte und die Personalstärke“, sagt Zahn. Als Beispiel nennt er einen Zimmerbrand. Hier könnte es sein, dass unter dem Tag nur eine Gruppe der Pegnitzer Wehr ausrücken kann, weil nicht mehr Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Dann werden zusätzlich andere Wehren verständigt. „Anders sieht es abends aus. Da ist die Personalstärke in Pegnitz größer und wir können mit drei Gruppen selber ausrücken“, erläutert der Kommandant.

Alarmstichwort umsetzen

Es müsse jedes Alarmstichwort umgesetzt werden. Trotzdem sei ihm klar, dass es gerade bei den kleineren Wehren öfter lange Gesichter gibt. „Früher gab es eben eine Person in der Leitzentrale, die sich im Landkreis auskannte und alle Gegebenheiten bei den einzelnen Wehren kannte. Danach wurde dann alarmiert“, so Zahn, „jetzt ist es eben anders.“

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Kommentare

Man braucht sich nicht wundern, wenn Feuerwehrleute in den "kleinen Wehren"frustriert sind, wenn man ständig übt und dann die "großen Wehren "die Arbeit machen.
Es gibt halt gewisse Sachzwänge, die gerade bei Rettungsaktionen, wenn es um Leben und Tod geht, dominant sind.
Im Rettungsdiest wird doch auch der HVO geschickt. Warum kann man dann nicht auch die Wehr, die im Nachbarort steht mit alamieren? Gerade wenn es um Leben und Tod geht. Selbst wenn sie nicht die nötige Ausrüstung besitzen können sie schnellstmöglich eine genaue Lagemeldung abgeben. Das ist oftmals viel wichtiger. Gerade wenn wie im Artikel geschrieben das ILS-Personal doch keinerlei Ortskenntnis im Landkreis aufweisen kann.
Seit es die Integrierte Leitstelle gibt wurde alles verschlimmbessert.

Eigentlich hätten ja vor Einführung der ILS jede Woche ganze Straßenzüge abbrennen müssen, weil alles so schlecht war.
Ich meine, dahinter steckt ein größeres Problem, und zwar die Tatsache, dass immer nur nach dem Text der Vorschriften gehandelt und darauf strikt bestanden wird. Dienst nach Vorschrift. Vor Ort spielt allein die vorgegebene Situation eine Rolle, wie man am besten und schnellsten helfen kann. Entscheidend ist dann, was einem der gesunde Menschenverstand vorgibt, unabhängig von den Vorschriften. Und das scheint immer mehr in den Hintergrund zu treten. Leider.

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