Auf was es jetzt beim EHC ankommt

Was ist der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung?
Florian Eagan: Die Neuwahl des Vorstands. Es ist das A und O, dass sich ein neuer Vorstand findet. Auch, weil die nachrangigen Punkte zum größten Teil davon abhängig sind, dass sich ein gutes Vorstandsteam findet, das sich den Aufgaben stellt.

Hat sich schon jemand für den Vereinsvorsitz oder als Vorstandsmitglied in Stellung gebracht?
Eagan: Mit einer direkten Anfrage ist kein neues Vorstandsteam bei uns vorstellig geworden. Gleiches gilt für Einzelpersonen. Zumindest ist bei uns offiziell nichts eingegangen. Aber es sind Gespräche geführt worden, aus denen man aus meiner Sicht heraushören kann, dass Interesse besteht. Der eine oder andere überlegt wohl ernsthaft, ein Amt anzunehmen. Aber das ist nicht so konkret, dass man sagen könnte, es gibt klare Kandidaten.

Bereitet Ihnen das Sorgen?
Eagan: Natürlich. Die Aufgaben müssen von jemandem weiter geführt werden. Der Verein soll ja handlungsfähig bleiben.

Muss man sich generell um die Zukunft des Vereins Sorgen machen?
Eagan: Aus meiner Sicht nicht. Wichtig ist, dass die Leute, die im Verein sind, – und der besteht aus mehr als fünf bis zehn Leuten – den Mut aufbringen, aufzustehen und Dinge mitgestalten wollen. Es gab immer wieder von einigen Seiten gute Ideen. Jetzt muss man mitgestalten wollen und nicht nur darüber reden – und zwar mitgestalten in verantwortlichen Positionen.

Würden die jetzigen stellvertretenden Vorsitzenden, also Sie und Tim Hartmann, die Geschäfte weiterführen, wenn die Neuwahlen kein Ergebnis bringen?
Eagan: Ich gehe nicht davon aus.

Was passiert, wenn es keine Kandidaten für den Vorstand gibt?
Eagan: Dann wird von Amts wegen ein „Ersatzvorstand“ gestellt, der die Geschäfte weiterführt. An dessen Stelle würde ich in einigen Wochen die nächste außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Bis dahin könnte sich ja ein Vorsitzender in Stellung bringen. Im schlechtesten Fall könnte das aber auch eine unendliche Geschichte werden.

Und das wäre sicherlich nicht gut für die Außendarstellung des Vereins und auch nicht für den Spielbetrieb. Wäre dieser gefährdet, wenn kein neuer Vorstand gewählt wird?
Eagan: Nein. Wir haben alle nötigen Vorkehrungen getroffen, dass der Spielbetrieb weitergeführt werden kann. Die organisatorischen Aufgaben werden weiter geleistet. Ein Vorstand von Amts wegen kann auf dieses Netzwerk und die ehrenamtlichen Helfer zurückgreifen.

Und was passiert, wenn mehrere Kandidaten am Donnerstag ihren Hut in den Ring werfen?
Eagan: Da hätte ich nichts dagegen. Von mir aus können auch zehn Leute ihre Hand heben, dann werden sie sich der Versammlung vorstellen, und die Mitglieder picken sich dann den Kandidaten heraus, der für sie der geeignetste ist. Der Verein sind die Mitglieder, und die haben dann entschieden. Für eine Wahl ist eine einfache Mehrheit nötig. Wenn also bei einer Kampfkandidatur kein Kandidat über 50 Prozent erhält, gibt es laut Satzung eine Stichwahl. Zuvor müssen die Mitglieder aber noch entscheiden, ob der neue Vorstand für ein halbes oder zweieinhalb Jahre gewählt wird. Wenn die Amtsperiode über das Ende der Saison hinausgeht, hätte der neue Vorstand natürlich die Möglichkeit, strategisch längerfristig zu planen.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Tagesordnung ist die Spielbetriebs-GmbH.
Eagan: Das ist sogar ein sehr wichtiger Punkt. Die Mitglieder müssen entscheiden, ob diese in die Wege geleitet werden soll oder nicht. Es geht aber nicht um inhaltliche Details, wie zum Beispiel einen Kooperationsvertrag zwischen Hauptverein und GmbH. Diese Details werden erst dann geklärt, wenn es ein Mandat der Mitglieder für die GmbH gibt.

Und die GmbH braucht einen Geschäftsführer. Dafür war ja Thomas Bothstede vorgesehen, doch der Geschäftsstellenleiter hat gekündigt und ist nur noch bis 14. Dezember im Amt. Gibt es einen Nachfolger?
Eagan: Wir haben alles für eine Einstellung eines neuen Geschäftsstellenleiters getan. Es gibt mehrere Kandidaten, die sofort handlungsbereit wären. Es sind auch Verträge vorbereitet. Aber Tim Hartmann und ich wollen nicht über den Kopf eines neuen Vorstandes hinweg entscheiden, es geht ja um jede Menge Geld. Der neue Vorstand soll sich den Geschäftsstellenleiter raussuchen, mit dem er zusammenarbeiten will.

Auch der Vorstand soll am Donnerstag entlastet werden. Bei der vorangegangen Versammlung wurde darauf verzichtet. Kann das erneut passieren?
Eagan: Wir werden diesmal eine Komplettentlastung vorschlagen, die dann sowohl den Vorstand unter Vorsitzendem Matthias Wendel als auch den unter seinem Vorgänger Michael Rümmele einschließt. Finanziell geht es dem Verein gut, deswegen ist eine Entlastung jederzeit möglich. Dazu will auch der Rechtsanwalt des EHC, Stefan Hübner, einiges zu Beginn der Veranstaltung erklären. Er will generell über die Situation im Verein aufklären und auch mögliche Ängste zu Themen wie Entlastung, Haftung oder GmbH abbauen.

Auch die Spielbetriebsumlage für den Nachwuchs soll angepasst werden.
Eagan: Dieses Thema beschäftigt uns seit den späten Sommermonaten dieses Jahres. Die Umlagen, die für Nachwuchsspieler erhoben werden, sind nicht auf aktuellem Stand der Dinge. Aus der Vergangenheit heraus ist diese viel zu niedrig angesiedelt. Die entstehenden Kosten des Spielbetriebs können nicht gedeckt werden. Hier muss die Umlage angepasst werden. Zum Vergleich werde ich die Zahlen anderer Vereine – auch aus anderen Sportarten – präsentieren. Aus meiner Sicht ist es besser, jetzt ein Scheibchen draufzulegen, als dann in ein zwei Jahren wieder über die nächste Erhöhung reden zu müssen. Die Höhe der Umlage kann ich jetzt nicht nennen, darüber sollen am Donnerstag die Mitglieder entscheiden.

Wird die jüngste Vergangenheit des EHC mit all den Problemen in der Versammlung Thema sein?
Eagan: Klar kann es sein, dass darüber gesprochen wird. Ich persönlich finde es aber nicht zielführend, über die Vergangenheit zu diskutieren. Wir müssen nicht über Zurückliegendes reden, sondern über Inhalte. Der Verein muss sich für die Zukunft aufstellen. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate können jederzeit einfließen, das heißt aber nicht, dass man alles nochmals durchkauen muss. Darüber wurde in den vergangenen Wochen genug gesprochen.

 

GmbH-Gründung: Positive Signale von möglichen Kapitalgebern

Der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung des EHC Bayreuth ist für den Rechtsanwalt der Tigers, Stefan Hübner, die Spielbetriebs-GmbH: „Die GmbH muss in die Wege geleitet werden, das ist essenziell. Wer soll denn ehrenamtlich diesen Verein führen und den Gesamtetat von 1,75 Millionen Euro verantworten?“

Wenn die Zweitligamannschaft ausgegliedert wird, dann minimiere sich das persönliche Risiko und so könne auch leichter ein neuer Vorsitzender für den Hauptverein gefunden werden. Zudem käme es zu der schon lange angestrebten Professionalisierung, da die GmbH nicht ehrenamtlich, sondern von hauptberuflichen Mitarbeitern geleitet wird.

Die Finanzierung der GmbH hält Hübner für realistisch. Er habe schon unter dem Vorsitzenden Matthias Wendel die Gründung der GmbH vorbereitet und auch jetzt senden „mögliche Kapitalgeber weiter positive Signale“.

„Ich selbst könnte mir vorstellen, Geld in die GmbH einzubringen“, sagt Hübner. „Aber nur wenn diese dann professionell geführt wird. Wenn ich jede zweite Woche auf eine Krisensitzung muss, dann tue ich mir das nicht an. Dieser Meinung sind auch andere mögliche Geldgeber.“

Der Rechtsanwalt appelliert an den Zusammenhalt im Verein: „Der EHC konnte nur dank der Unterstützung der Sponsoren und Fans den Schritt in die Zweite Liga wagen. Das war ein herausragendes Engagement. Aber fast noch wichtiger ist es jetzt, dem Bayreuther Eishockey weiter die Treue zu halten. Jetzt müssen wir den Verein mit der GmbH-Gründung fit für die Zukunft machen.“

Hübner hofft, dass Sponsoren „möglichst schnell“ ihre Bereitschaft signalisieren und die Tigers weiter unterstützen.

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