Auf der Sonnenseite des Tourismus

Mit Bayreuth als Austragungsort des Deutschen Städte- und Kulturforums mit rund 140 Teilnehmern mache der Deutsche Tourismusverband (DTV) nach zehn Jahren wieder einmal Station in Bayern. Das sagt Dirk Dunkelberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DTV, am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Arvena-Kongresshotel. Die Teilnehmer sind Touristiker und Experten aus dem Event- und Marketingbereich.

Digitalisierung, Datenschutz und Denkmäler

Neben der Digitalisierung, "die vor dem Tourismus nicht halt macht", wie Dunkelberg sagt, gehe es um Themen wie die Finanzierung für Kultur und Tourismus ebenso wie um die Datenschutzgrundverordnung.

Ein Schwerpunkt aber: Zu viel Tourismus, der Deutschland nicht erst seit der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin beschäftige. "Es gibt einige Hotspots" in Deutschland, wo das schon zum Problem werde, sagt Dunkelberg.

Keine Gefahr für Bayreuth

In Bayreuth, sagt Manuel Becher, der Geschäftsführer der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG), auf Nachfrage unserer Zeitung, bestehe die Gefahr, das Denkmal - also das Weltkulturerbe Opernhaus - zu überreizen nicht. Das Opernhaus sei von vorne herein "durch die bayerische Schlösserverwaltung limitiert. Alle 45 Minuten können 200 bis 250 Besucher ins Opernhaus hinein".

Ziel der BMTG sei auch nicht, "den Welterbetourismus in dem Sinn zu fördern, dass die Touristen auf dem Weg von Regensburg nach Bamberg 45 Minuten Halt in Bayreuth machen, um das Welterbe zu besuchen". Man versuche, die ganze Welt der Wilhelmine zu vermarkten, um so den Gästen Anreiz zu geben, länger in Bayreuth zu bleiben. Man müsse "nicht erst reduzieren, wenn es zu viele sind", sagt Becher.

Bayreuth profitiert stark vom Welterbe

Das Welterbe Opernhaus allerdings sorge dafür, dass "Bayreuth auf der Sonnenseite des Tourismus" liege, wie Becher sagt. Dass das Opernhaus Unesco-Welterbe geworden sei, "erleichtert die Vermarktung Bayreuths", das bislang weltweit den Stempel Wagner trage.

Als Festspielstadt, sagt Becher, sei Bayreuth schon immer wahrgenommen worden, jedoch nicht als touristische Destination. Der Welterbe-Titel sei "der zweite große Scheinwerfer, der aufs Opernhaus gerichtet ist, erleichtert es, die touristische Ganzjahres-Destination Bayreuth" zu erschließen.

Becher: "Die Ausreißer der Übernachtungszahlen im Juli und August dürften sich abschwächen." Weil in den zehn Monaten drum herum deutlich mehr Gäste kommen werden. Um "ein ganz spezielles Welterbe zu sehen": Eines, das nicht nur schützenswert, "sondern auch besonders schön ist" - was das Opernhaus aus den 42 Welterbestätten in Deutschland heraushebe.

Eben nicht eine weitere denkmalgeschützte Altstadt oder ein Welterbe zu sein, das - wie die Pfahlbauten am Bodensee - unter Wasser liege und nicht zu sehen sei.

Deutlich mehr Nachfragen und Gäste in der Tourist-Info

Messbar in Übernachtungszahlen sei die Zunahme der Gäste noch nicht. "Die Übernachtungszahlen haben einen Nachlauf von sechs Wochen. Die neuen Zahlen gibt es erst am 19. Juni", sagt Becher. Aber: "In der Touristinfo haben wir eine deutlich gestiegene Frequenz."

Kamen vor der Eröffnung des Welterbes im Schnitt rund 300 Touristen, um sich zu informieren oder Führungen zu buchen, pro Tag, "zählen wir jetzt zum Teil über 600".

Zudem sehe man die gestiegene Frequenz in der Stadt, zähle deutlich mehr Besucher-Busse. Was das Marketing angehe, wolle man nicht nur "die Silver-Ager", Menschen fortgeschrittenen Alters mit viel Zeit zum Reisen, wie Becher sagt, ansprechen, sondern auch gezielt jüngere Touristen.

Deutschlandweit achtes Rekordjahr in Folge

Deutschlandweit, sagt Dunkelberg, steuere man "auf das achte Rekordjahr in Folge" bei den Gästezahlen zu. Im ersten Quartal sei die Zahl der Deutschland-Touristen um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. "Und das tolle Wetter derzeit wirkt sich positiv auf die Zahl der Tagestouristen aus."

Fast nebenbei habe sich Deutschland als "das Kulturreiseziel Nummer eins in Europa" etabliert, sagt Claudia Schwarz, die Vorsitzende des Vereins Unesco-Welterbestätten Deutschland.

Welterbe bringt den Boom

Unesco Weltkulturerbe zu werden sei "Anspruch und besondere Auszeichnung" zugleich, sagt Claudia Schwarz. Das Unesco-Welterbesiegel sei vor 40 Jahren, als der Aachener Dom die erste deutsche Welterbestätte geworden sei, "relativ unbekannt gewesen". Aber: "Für touristische Destinationen ist es gut, wenn man sich damit schmücken kann", weil es für besondere Qulität stehe. "Das zusätzliche Interesse verursacht aber keine zusätzlichen Mittel. Die Öffentlichkeit hilft, es zu vermarkten."

Mehr Identifikation

Außerdem identifizierten sich die Menschen in Welterbe-Städten stärker mit ihrer Stadt und der Region, "bringen sich ein, es entwickelt sich ein neues Qualitätsbewusstsein". Schwarz, die aus dem Unesco-Welterbe des oberen Mittelrheintals kommt, sagt: Die Städte mit dem Welterbe-Siegel "erleben natürlich einen Boom".

Wie sie auf Nachfrage sagt, reiße dieser Boom auch nicht ab: "Bei uns sind die Zahlen am steigen, seit wir Welterbe wurden. Man investiert auch in gute Ideen und Projekte. Das wirkt sich aus."

3 (2 Stimmen)

Anzeige

Kommentare

Naja, dann sind die angedachten und geplanten zusätzlichen Hotels (HBF, Uni) wenn sie denn irgendwann mal kommen vielleicht doch nicht so verkehrt?

Kommentar schreiben

Zum Verfassen von Kommentaren bitte Anmelden oder Registrieren.