Atommüllendlager: Granit kein Hindernis

Bundestag und Bundesrat haben das neue Standortauswahlgesetz verabschiedet. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Suche nach einem atomaren Endlager in Deutschland liegen damit auf dem Tisch. In Frage kommen demnach Regionen, in denen Steinsalz, Ton oder kristallines Gestein vorkommen. Der Granit im Fichtelgebirge fällt in die letzte Kategorie.

100 Meter dicke Steinschicht

Daniel Frieß erklärt das Kriterium, das erfüllt werden müsse, um in die nähere Auswahl für das Endlager zu gelangen: Das Gestein müsse 100 Meter dick und von einer 300 Meter dicken Schickt bedeckt sein. Dieses Kriterium werden 20 bis 30 Teilgebiete in Deutschland erfüllen, schätzt Frieß. Darunter wohl auch das Fichtelgebirge.

Diese Gebiete werden dann weiter untersucht. Anhand von Kriterien des Naturschutzes, der Wohnbebauung und des Überschwemmungsrisikos beispielsweise. Übrig bleiben dann voraussichtlich sechs Standorte, schätzt Frieß. Diese werden weiter über und unter Tage untersucht, bis zwei Standorte übrig blieben, die dem Bundestag zur Entscheidung vorgelegt würden.

Kluftig und rissig kein Hindernis

Ob das Fichtelgebirge im zweiten Durchgang noch im Rennen um das Endlager ist, vermag auch Frieß noch nicht zu sagen. Aber: „Dass unser Granit kluftig ist, dass er Risse hat und Wasser eindringt, ist kein Hindernis.“ Es sei schließlich im Interesse einiger Bundesländer, dass Granit nicht frühzeitig ausgeschlossen werde. Demnach seien Castorbehälter oder eine Ummantelung denkbar, um den Atommüll auch unter rissigem Granit für eine Million Jahre einzulagern.

"Mit Sicherheit längere Zeit dabei"

Frieß kommt zu dem Schluss: „Wir müssen damit rechnen, dass wir zu den 20 Standorten gehören, die näher untersucht werden. Danach müssten wir mit guten Gründen herausfallen.“ Landrat Hermann Hübner (CSU) vermutet: „Wir sind in diesen Suchprozess mit Sicherheit für längere Zeit mit dabei.“

Alles andere wäre naiv

Der Bundestagsabgeordnete der CSU, Hartmut Koschky dagegen warnt: „Wir sollten das atomare Endlager im Fichtelgebirge aber auch nicht herbeireden.“ Wer wirklich dachte, das Fichtelgebirge würde bei der Suche nicht einbezogen, sei naiv. Zu Beginn der Debatte, vor sechs Jahren, hatte Koschyk noch von einer „Geisterdebatte“ gesprochen und davon, dass ihm der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen versichert habe, dass es keinerlei Überlegungen für ein Endlager im Fichtelgebirge gebe. Auch Markus Söder, damals noch bayerischer Umweltminister, hatte ein Endlager in Bayern zu dieser Zeit noch ausgeschlossen.

Mehr dazu:

Für Atommüll nicht geeignet

Endlager-Suchen auch im Fichtelgebirge

Atommüll-Endlager: Region will mitreden

Interview: Daniel Frieß zur Standortsuche

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Kommentare

Hallo,

also Kastorbehälter in einem abgesoffenen Bergloch mit Ummantelung sind im
Fichtelgebirge für ein paar Milliönchen an Jahren in einen dicht besiedelten Gebiet
durchaus denkbar. Nun ja, man kann ja das radioaktive Wasser auch hochpumpen.

Da kann ich diese Behälter aber auch an Putin verkaufen, der sie irgendwo in Syberia
in einen Stollen deponiert wo auf 10 km² ein Mensch lebt. Oder ich versenke diese
in den Tiefseegräben.

Schlimmer als ein abgesoffenes Bergloch ist dies auch nicht. Aber erheblich billiger
und sicherer.

Joe



Ist eigentlich schlimm, was sich die Menschheit alles schlechtes selbst angetan hat und sicher auch jetzt noch antut (ohne erkennen zu wollen, dass es falsche für unsere Zukunft ist).
Unseren (Atom-)Müll an ärmere Länder verkaufen? Ist das die Folge unserer Überflussgesellschaft? Jetzt, wo die Endlagerproblematik auch uns selbst erreicht, fangen wir an, uns Gedanken zu machen.
Bisher dachte man, ein tiefes Loch in der Erde genügt, um den Atommüll ein für alle mal zu entsorgen. Jetzt weiß man, dass dies nicht für hunderttausende von Jahren ohne Gefährdung für die Gesundheit möglich ist. Es bleibt unserer Menschheit leider nicht erspart, Lagermöglichkeiten zu schaffen, die jederzeit inspiziert werden können und bei Problemen (z.B. bei Wassereinbruch) wieder umgelagert werden müssen. Das muten wir allen unseren nachfolgenden Generationen zu, nur weil wir "billigen" Atomstrom für zukunftsfähig hielten. Vielleicht relativiert diese Endlagerproblematik etwas die Diskussionen um die Windräder mit den Schattenschlägen und dem Infraschall (Achtung: Ironie!).