ASV Hollfeld: Schlimmste Krise des Vereins

Am Mittwochabend wurden 65 der rund 500 Mitglieder des ASV in nicht-öffentlicher Sitzung informiert. Darüber, dass Sozialversicherungsträger, allen voran die Deutsche Rentenversicherung, über 200.000 Euro vom Verein fordern. Weil dieser in den Jahren 2004 bis 2013 für einige der damals beschäftigen Lizenzspieler keine Sozialabgaben abgeführt habe.

Das Problem: Noch immer fehlen zahlreiche Unterlagen, aus dieser Zeit, die genauen Aufschluss darüber geben können, wieviele Spieler zu der Zeit, als der ASV unter anderem noch in der Landesliga spielte, nicht gemeldet waren. Das Vorstandsteam um Alfred Arnold und Heinz Weggel an der Spitze, hatte im Jahr 2013 hingeworfen. Wie Härtl sagt, ohne eine Betriebsprüfung abgehalten zu haben. Weggel wollte sich dazu auf Kurier-Anfrage nicht äußern. Arnold war nicht zu erreichen.

Razzia beim ASV

Die Prüfung sei später nachgeholt worden, wonach Zoll und Staatsanwaltschaft anrückten um Hunderte Dokumente zu konfiszieren. Härtl sagt, die frühere Vorstandschaft habe sich aus der Verantwortung gestohlen und spricht davon, dass der Verein heute in der schlimmsten Krise stecke, die es je gab.

Unter anderem aufgrund von Schätzungen habe die Deutsche Rentenversicherung nun Forderungen in Höhe von mehr als 200.000 Euro an den Verein gestellt. Zur Sichtung und Beurteilung einer 150 Seiten langen Spielerliste hätten Zoll und Staatsanwaltschaft, die selbst zwei Jahre zum Wälzen der Unterlagen gebraucht hätten, dem Verein jetzt zwei Monate eingeräumt -- ohne die konfiszierten Dokumente Zeit freigegeben zu haben. Dagegen hat Härtel Widerspruch eingelegt und so zumindest etwas Zeit gewonnen. Die Zahlung einer ersten Tranche an die Deutsche Rentenversicherung habe man aber nur bis Januar 2018 aufschieben können.

Notfalls in die Insolvenz

Entsprechend stehe man immernoch unter immensen Zeitdruck, so Härtl. Erklären sich die früheren Vorsitzenden und ihre Stellvertreter deshalb nicht binnen zwei Wochen bereit, sich an dem finanziellen Schaden zu beteiligen, will Härtl juristisch gegen seine Vorgänger vorgehen. Eine strafrechtliche Verfolgung sei zwar gegen Zahlung von Geldern eingestellt worden. "Aus den Forderungen des Vereins nach einem Schadensersatz, sind sie deshalb aber noch lange nicht raus", so Härtl. In letzter Konsequenz schließt der Vorsitzende auch einen Antrag auf Insolvenz des Vereins nicht aus. "Vom Verein gibt es nichts zu erlösen", sagt Härtl. Ein Insolvenzverwalter habe aber andere Mittel als der Verein, sich das Geld von den früheren Vorständen zurück zu holen.

Sportlich droht der ersten Mannschaft des ASV dann vermutlich der Abstieg in die B-Klasse, sagt Spielleiter Manfred Neumeister mit Verweis auf die Spielordnung. So weit soll es aber nicht kommen. Die Forderungen zu bedienen, hält Härtl für möglich. Er habe bereits Gespräche mit weiteren, privaten Gläubigern des Vereins geführt, die bereit seien, auf einen Teil ihres Geldes zu verzichten, so sich die früheren Vorstände an den Forderungen der Rentenversicherung beteiligen, so der Vorsitzende.

Nicht bewertet

Anzeige

Kommentare

Ja, das ist ja ganz komisch und neu: man muss als Arbeitgeber von und für Mitarbeiter SV-Beiträge bezahlen ?
Das konnte ja keiner wissen .........
Wie die Profis spielen wollen, aber wie ein Amateur arbeiten....Was für ein Wahnsinn.
Alles richtig formuliert von den Vorrednern! Viel schlimmer ist aber, dass es meiner Meinung nach wissentlich und mit voller Absicht passiert ist. Das hat mit Amateuren nichts zu tun, sondern ist der Gier nach immer mehr Erfolg geschuldet. Und irgendwann platzt die Blase ... Was aber am aller Schlimmsten ist, ist die Tatsache, dass durch die Machenschaften Einzelner viele ehrenamtlich Tätige jetzt mit rein gezogen werden bzw. rein gezogen worden sind. Da wurden viele Menschen hinter das Licht geführt - natürlich auch aus Unwissenheit und Naivität raus. Hoffentlich werden die wahren Schuldigen auch zur Rechenschaft gezogen. Das kann man sich nur für alle Beteiligten und den verein wünschen.
Sehr richtig, Basti15!!! IIch denke auch, dass hier ganz bewusst gehandelt wurde, zumal ja ein Vorsitzender eines solchen Vereins mit Sicherheit betriebswirtschaftliches, kaufmännisches sowie rechtliches Wissen haben sollte bzw. gehabt haben muss. Das sind ja nicht irgendwelche Leute, sondern mitunter gestandene Unternehmer, Angestellte oder ähnliches. Wie sie sagen....die Gier nach immer mehr Erfolg und Geld stand hier im Vordergrund, was letztendlich zu der jetzigen Situation führte. Und schlimm ist wirklich, wie sie sagten, dass dabei Ehrenamtlich geziehlt mit reingezogen wurden, Ehrenamtliche dadurch jetzt mit Füßen getreten werden und Feindschaften enstehen werden oder bereits entstanden sind. Aber vielleicht wird ja irgendwann ein Gericht darüber befinden, wer welche Verantwortung zu tragen hatte bzw. hat. Denn eines ist klar. Ein Kavaliersdelikt war dies nicht ;-) Auf Hinterziehung von Abgaben ob Steuern oder Sozialabgaben warten empfindliche Strafen. Von einer Insolvenzverschleppung gar nicht zu reden. Da wurde schon mancher Verantwortlicher mit ganz empfindlichen Strafen belangt.
Angesichts der Presseberichte müsste ein Staatsanwalt von Amtswegen ermitteln. Sehe ich das richtig?