ASV Hollfeld findet Weg aus der Krise

„Der ASV ist jetzt 117 Jahre alt“, sagt Hans-Peter Härtl. „Und die Krise ab 2013 war die schwerwiegendste der Vereinsgeschichte.“ Dem Vorsitzenden – er ist seit Juni 2015 im Amt – ist anzumerken, dass er nicht gerne über diese Zeit spricht. Ins Detail geht er selten, Zahlen nennt er nicht. Er will niemandem einen Vorwurf machen, alle hätten in der Vergangenheit „nach besten Wissen und Gewissen“ gehandelt.

„Aber wir hatten eine zusammengekaufte Truppe, die Identifikation der Zuschauer und der Stadt mit dem Verein ging verloren, es gab nur noch bezahlte Tätigkeiten. Das war nicht der Weisheit letzter Schluss“, sagt Härtl.

So ging es nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte – dem Bayernliga-Klassenerhalt in der Saison 2012/13 – schnell abwärts. In den kommenden beiden Spielzeiten stiegen die Hollfelder sang- und klanglos ab, fanden sich in der Bezirksliga wieder. Dort traten sie wegen Spielermangels nicht an und zogen sich in B-Klasse zurück.

Finanzielle Probleme

Mit der sportlichen Talfahrt ging auch eine Krise an der Vereinsspitze einher. Im Oktober 2013 trat der Vorstand zurück. Bis Härtl übernahm, hatte der ASV etwa 20 Monate kein gewähltes Führungsgremium.

„Ein Problem bei den Finanzen gab es natürlich auch“, sagt der 53-Jährige. Seit er und sein Vorstandsteam – stellvertretend für dieses nennt er immer wieder Jürgen Krauß (stellvertretender Vorsitzender), Monika Krauß (Schatzmeisterin), Hartmut Stern (Jugendleiter) und Thomas Bornschlegel (Sportlicher Leiter) – im Amt seien, wurde „positiv gewirtschaftet“, doch bliebe unter dem Strich nichts übrig, da „ein Brocken an Altlasten“ den Vereinshaushalt belaste.

„Wir haben viele kleine Schritte gemacht, einen Großteil davon abgebaut. Auch, weil uns fast alle Mitglieder und Sponsoren die Treue gehalten haben“, sagt Härtl. „Wir verfallen jetzt nicht in Enthusiasmus, aber wir haben den richtigen Weg eingeschlagen.“

Rückkehr zum "originären Sinn" eines Vereins

Der war gleichbedeutend mit der „Rückkehr zum originären Sinn eines Vereins“, wie es der Vorsitzende nennt. Im Vordergrund stehe, gemeinsam Sport zu betreiben, soziale Kontakte zu pflegen, gesellig zu sein. Und das sei beim ASV nun wieder der Fall.

Jetzt überlegt sich Härtl nicht mehr jedes Wort genau, es sprudelt aus ihm heraus. Seine Augen strahlen, jetzt spricht nicht mehr der Vorsitzende, sondern der Fan. Gerne erinnert sich Härtl an den gelungenen Neuanfang in der B-Klasse, den eine „etwas verjüngte Alt-Herren-Truppe“ mit dem Aufstieg krönte.

Junges Team holt auf Anhieb Rang drei

Noch mehr Freude bereitet ihm die Vorsaison. Die beendeten die Hollfelder auf Platz drei in der A-Klasse II. Das erreichte eine aus vielen jugendlichen und einigen erfahrenen Spielern neu gebildete Mannschaft. „Alle sind mit vollem Elan dabei, der Teamgeist stimmt. Gleiches gilt für die Zuschauerzahlen“, sagt Härtl. Bei einigen Heimspielen seien es mehr als 150 Besucher gewesen. „Wir hatten viel Spaß und sind außerordentlich zufrieden.“

ASV setzt auf Nachwuchsspieler

Ziel müsse es nun sein, weiter qualitativ und quantitativ gute Nachwuchsarbeit zu leisten. Denn Geld wird es für Spieler nicht geben, einzige bezahlte Position im Verein ist der Trainer.

„Bei uns wird es keine Söldner mehr geben“, betont Härtl. „Dass in den vergangenen zehn bis 15 Jahren in den unteren Amateurklassen Spieler bezahlt werden oder Begrüßungsgeld bekommen, ist eine unsägliche Entwicklung. Ich hoffe, dass alle Vereine, die darauf verzichten, gut damit fahren.“

Mittelfristig soll dann mit vielen beim ASV ausgebildeten Spielern der Aufstieg in die Kreisklasse gelingen, Druck baut die Vereinsführung aber nicht auf. „Es dauert so lange, wie es dauert. Hauptsache der Verein lebt“, sagt Härtl.

ASV Hollfeld richtet am Samstag Meistercup aus

Ein Beleg dafür, dass es beim ASV Hollfeld wieder aufwärts geht, ist der Erdinger Meistercup. Den oberfränkischen Bezirksausscheid dieses Turniers richtet der Traditionsverein am Samstag aus. Ab 12.30 Uhr suchen 31 Herren- und neun Damenteams, die in ihren Ligen in dieser Saison die Meisterschaft holten, die beiden besten Teams Oberfrankens. Gespielt wird auf vier Kleinfeldplätzen. Etwa 500 Spieler und viele Zuschauer werden für Hochbetrieb auf der Hollfelder Sportanlage sorgen.

Nach der Siegerehrung (gegen 18 Uhr) folgt eine „After-Cup-Party“ mit Live-Musik. „Dieses Turnier hat für uns eine große Bedeutung“, sagt Härtl. „So etwas schweißt zusammen, der Verein kann sich präsentieren und einen Imagegewinn daraus ziehen. Und es ist kein Geheimnis, dass wir hoffen, dass etwas Geld liegen bleibt.“

Seit mehreren Wochen laufen die intensiven Vorbereitungen für den Meistercup, viele Vereinsmitglieder bringen sich ein. „Diesen Zusammenhalt zu sehen, ist toll“, sagt Härtl. Es zeige sich, dass in einem Verein viel bewegt werden könne, wenn jeder seine Talente, sein Können und sein Engagement einbringe. „Jeder macht seinen Part. In diesen Momenten weiß ich auch, warum ich als Vorsitzender gerne meine Freizeit für den ASV opfere.“

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