Assem Marei: Ein Ägypter in der BBL

„Die Revolution war einer der Gründe für mich, um das Land zu verlassen“, erzählt der 24-Jährige. „Ich hatte da gerade ein gutes Angebot von meinem Verein bekommen und wollte als junger Spieler dieses Geld gerne nehmen. Unter den Umständen habe ich mich aber für den Schritt in die USA entschieden.“ Dabei habe sich der Beginn der Proteste gegen Staatspräsident Husni Mubarak gar nicht bedrohlich angefühlt: „Es war eine seltsame Atmosphäre. Niemand ging zur Arbeit, es war keine Polizei da, und die Armee musste sich für den Einsatz nach innen erst organisieren. So haben die Leute einfach selbst für die Sicherheit gesorgt. Alle waren auf der Straße, da wurde gemeinsam gekocht, wir haben Karten gespielt oder Fußball.“

Heimaturlaub in jedem Sommer

Seither habe Ägypten „ein paar verrückte Jahre“ erlebt. Ernsthafte Sorgen um seine dort lebenden Eltern und seinen Bruder habe er sich aber nie machen müssen. „Inzwischen ist die Lage zwar nicht gerade sehr gut, aber doch sicher“, berichtet Marei. „Ich habe immer meinen Sommerurlaub dort verbracht. Im Vorjahr war auch erstmals meine Verlobte dabei.“

Bei diesen Gelegenheiten gab es auch immer Kontakt zur Nationalmannschaft, in der Assem Marei längst ein würdiger Nachfolger seines populären Vaters Ahmed ist (Olympia-Teilnehmer 1984). Schon als 16-Jähriger absolvierte er sein erstes Länderspiel, und bei den letzten drei Afrikameisterschaften 2011, 2013 und 2015 war er schon Leistungsträger. Beim größten Erfolg Ägyptens mit der Vizemeisterschaft 2013 war der 2,06-m-Center der beste Rebounder des Turniers (11,6 pro Spiel) und Zehnter der Korbjägerliste (1,6 Punkte). Zwei Jahre später ragte er beim 69:63-Sieg im Spiel um Platz fünf gegen Algerien mit 17 Punkten und elf Rebounds heraus.

Eine Familie von Basketballern

Dabei hätten ihn weder sein Vater, noch die früher ebenfalls Basketball spielende Mutter in diese sportliche Richtung gedrängt: „Sie haben mir auch andere Wege angeboten. Erst habe ich Fußball gespielt, dann war ich beim Judo. Erst als ich allmählich auffällig groß für mein Alter wurde, konzentrierte es sich mehr auf Basketball.“ Bei seinem Bruder entwickelte es sich übrigens ebenso: Der spielt heute als Halbprofi ins Ägyptens erster Liga.

Seine nicht nur in der BBL exotisch wirkende Herkunft hat Assem Marei bei seinen Auslandserfahrungen nicht als Nachteil empfunden: „Ich glaube, ich wurde eher etwas unterschätzt, weil ich in Minnesota an einem College der 2. Division war, und nicht so sehr, weil ich aus Ägypten komme.“ Dabei habe es durchaus auch Kontakte zu namhafteren Universitäten gegeben: „Das war aber problematisch, weil ich in Ägypten schon etwas Geld mit dem Basketball verdient hatte.“

Auch abseits des Spielfeldes habe er sich von Vorbehalten gegenüber Menschen mit arabischer Sprache und muslimischem Glauben selten berührt gefühlt: „Da hatte ich mit meinem College im Norden wohl Glück. Dort ist es ruhiger als im Süden der USA.“ An Flughäfen werde ihm allerdings schon mitunter die eine oder andere Frage mehr gestellt: „Wenn sie aber in meinem Pass sehen, wo ich schon überall war, dann ist es wieder in Ordnung.“

Der schlechte Ruf des Islam in weiten Teilen Europas und Nordamerikas beschäftigt Assem Marei aber schon: „Ich freue mich immer, wenn Leute mich danach fragen. Leider interessieren sich zu wenige Menschen für mehr Informationen und bilden sich ihre Meinung aus den Medien.“ Bei vielen religiös motivierten Attentaten in Europa dürfe man nicht übersehen, dass die Täter in den betroffenen Ländern geboren wurden: „In jedem Fall aber müssen es ungebildete Moslems sein. Mit normaler Erziehung kann so etwas nicht passieren.“

Umgang mit Ausländern: "Die Deutschen sind die Besten"

Sich selbst beschreibt der Neu-Bayreuther durchaus als religiös, „aber nicht so sehr, wie ich es wohl sein sollte.“ Dass seine Verlobte Methodistin ist, stehe einer gemeinsamen Zukunftsplanung jedenfalls nicht entgegen: „Wir haben sogar schon besprochen, dass es kein Problem für sie ist, wenn unsere Kinder Moslems werden.“

In Deutschland macht sich Marei nun am wenigsten Sorgen um seine Rolle als „Exot“: „Hier ist man freundlicher, als ich es in Litauen erlebt habe. Im Umgang mit Ausländern sind die Deutschen die Besten mit ihren offenen Grenzen für Flüchtlinge. Das haben die arabischen Länder nicht so gemacht.“

Auch sportlich fühlt sich Assem Marei wohl: „Ich mag die Spielweise und die Atmosphäre in den Hallen.“ Dabei ist er aus der Heimat einiges an Stimmung gewohnt – nur anders: „Bei meinem Verein waren die Fans mal volle zwei Jahre lang ausgesperrt, weil sie bei Ausschreitungen mehrfach die Halleneinrichtung zerstört hatten, oder auch schon mal ein Auto“, berichtet er und fügt schmunzelnd an: „Sie wollten uns einfach nicht verlieren lassen.“

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