Anwohner wichtiger als drei Schichten

Die Eisengießerei Trompetter produziert seit fast 50 Jahren an der St.-Georgen-Straße. Das Unternehmen will nun seine Betriebszeiten von 16 auf 24 Stunden erweitern und beabsichtigt, in drei Schichten zu arbeiten. Die Gießerei will ihre Schmelzleistung von 57 Tonnen auf 88 Tonnen erhöhen, und zudem will Trompetter einen neuen Schornstein mit einer Höhe von 25 Metern statt bislang 15 Meter bauen.

Der Gemeinderat war am Montag aufgerufen, im Genehmigungsverfahren für die längeren Betriebszeiten eine Stellungnahme abzugeben. Das Verfahren führt das Landratsamt.

Schlagabtausch entbrennt in der Bürgerviertelstunde

Wie sehr das Thema Gießerei die Anwohner bewegt, zeigte sich gleich zu Beginn während der Bürgerviertelstunde. Schon hagelte es Vorwürfe gegen das Unternehmen: Beim Betrieb werde gegen Auflagen verstoßen und die gekauften Gutachten hätten nur die von Trompetter gewünschten Ergebnisse ergeben. Außerdem bestehe das Wohngebiet schon länger als die Gießerei. Deren geplanter Betrieb in drei Schichten sei Schwerindustrie, die im Gewerbegebiet gar nicht zulässig sei.

Diese Vorwürfe ließ der Trompetter-Geschäftsführer Norbert Saalfrank nicht auf sich sitzen. Er hielt den Anwohnern entgegen, die Gutachten würden zeigen, dass sich der Betrieb an die Auflagen halte. Auch die Grenzwerte würden eingehalten, teils sogar deutlich unterschritten. Saalfrank holte zum Angriff aus: Das Flugblatt der Anwohner, das inzwischen überall in Bindlach ausliegt, enthalte nur falsche Aussagen.

Entflammte Debatte

Bürgermeister Gerald Kolb, Wahlgemeinschaft, hatte seine liebe Not, die entflammte Debatte einzudämmen und die Gegner wieder zu beruhigen.

Als der Gemeinderat wenig später das Thema laut Tagesordnung aufgriff, schilderte Kolb seine persönlichen Abwägung. Er verwies auf die 100 Arbeitsplätze in der Gießerei einerseits und die Wohnqualität in Stöckig andererseits. Der Bürgermeister sagte, die vor fast 50 Jahren gegründete Gießerei genieße Bestandsschutz. Kolb erinnerte auch an die Störungen, die es in den vergangenen Jahren durch den Gießereibetrieb für die Anwohner gegeben habe. Im Grundsatz gelte allerdings: „Jeder soll sich in Bindlach wohlfühlen“. Die Gesellschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert – die Ansprüche an die Wohnqualität seien gestiegen. Am Ende seiner Abwägung empfahl Kolb, es solle bei den zwei Schichten bleiben, der Gemeinderat möge den Betrieb in drei Schichten ablehnen.

Rücksichtnahme ist geboten

Dem schloss sich Werner Fuchs für die CSW an. „Eine Gesellschaft lebt nur dann gut zusammen, wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen“, so Fuchs. Für Werner Hereth von der SPD war entscheidend, dass die Gießerei Bestandsschutz genieße und im Zweischichtbetrieb produzieren könne.

Die gegenteilige Ansicht vertrat Klaus Jaunich für die CSU. Für seine Fraktion seien die 100 Arbeitsplätze bei Trompetter wichtig. Jaunich sprach auch von den Gutachten, denen zur Folge Auflagen und Grenzwerte eingehalten würden. Mit 15 gegen vier Stimmen sprach sich der Gemeinderat anschließend dagegen aus, die Betriebszeiten für die Gießerei zu erweitern.

Etappenziel erreicht

Die Nachbarn aus Stöckig haben damit ein Etappenziel erreicht. Sie haben seit Ende Juni 130 Unterschriften gesammelt, eine Versammlung gehalten und betreiben eine gemeinsame Internetseite bei Facebook. Ingo Grädtke und Andrea Thater äußerten sich erleichtert über das Abstimmungsergebnis.

Unmittelbar nach der Ratssitzung am Montag war der Trompetter-Geschäftsführer Norbert Saalfrank zu einem Gespräch am Dienstag bereit. Gestern hieß dann auf die Kurier-Anfrage, die Geschäftsführung nehme weder Stellung zur Abstimmung im Gemeinderat noch gebe Trompetter Auskunft zu den Hintergründen des beabsichtigten Dreischichtbetriebs. Das Unternehmen erwarte die Entscheidung des Landratsamtes im November.

Der Flächennutzungsplan ist maßgeblich

Das Landratsamt hört gegenwärtig die Träger öffentlicher Belange. „Betroffene können ihre Einwände gegen das Vorhaben vorbringen“, so Herbert Retzer, stellvertretender Pressesprecher. Im Anschluss komme es zu einem Erörterungstermin mit den Betroffenen und Behörden. Erst danach könne die Behörde entscheiden.

Zur immissionsschutzrechtlichen Genehmigung gehöre im vorliegend Fall auch eine Baugenehmigung, die sich aus der bauplanungsrechtlichen Zulässigkeit des Vorhabens ergebe. Retzer: „Insbesondere die Bauleitpläne einer Gemeinde sind hierbei wesentliche Entscheidungsgrundlagen.“

Rückblick ins Jahr 2011:

Dicke Luft hatte es in Stöckig bereits vor sechs Jahren gegeben. Im Juli und August 2011 beschwerten sich die Anlieger über Lärm, Geruch und Staub. Schon damals forderten sie das Landratsamt mit Unterschriften dazu auf, für Abhilfe zu sorgen. 40 Unterzeichner hatten sich an der Aktion beteiligt. Die Anwohner waren schon damals der Ansicht, die Firma Trompetter halte sich nicht an die Auflagen. Das Landratsamt müsse dafür sorgen, dass alles rechtens zugehe und niemand belästigt werde. Auf Anfrage des Kurier damals teilte die Kreisbehörde mit, bei einer Schallmessung hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass Grenzwerte überschritten werden. Die Messungen möglicher Luftverunreinigungen hätten gezeigt, dass die zulässigen Emissionsgrenzwerte unterschritten wurden.

500.000 Euro investiert

Firmenchef Mathias Trompetter ließ durch seinen Dresdener Rechtsanwalt Bernhard Becker-Flügel mitteilen, das Unternehmen habe rund 500 000 Euro investiert, um seine Anlagen auf dem neuesten Stand zu halten. Darunter ein neuer Ofen, ein neuer Schalldämpfer für die Ofenabsaugung und eine Umwelt schonende Sandluftanlage. Die neuen Anlagenteile seien 2010 und zum Jahreswechsel montiert worden. Im September 2011 übergaben Ingo Grädtke und Dagmar Wahler 50 Unterschriften an Landrat Hermann Hübner. Das Landratsamt veranlasste danach Maßnahmen bei Trompetter. So wurde auf dem Betriebsgelände umgeräumt. Lärm verursachende Betriebsabläufe wurden auf das vordere Betriebsgelände, also weg von Stöckig verlegt. ⋌ub

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