Anwohner fordern: "Bitte keine neue Rosi!"

Wie es mit dem Areal weitergeht, dazu will sich die Bayreuther Bierbrauerei AG, der die Rosenau gehört, noch nicht äußern. „Wir wollen erst einmal die Schuldfrage klären und schauen, wer für den Schaden aufkommt“, sagt Eva Ploß, die Sprecherin der Brauerei Gebrüder Maisel. Überlegungen, wonach an exponierter Stelle in der Innenstadt künftig etwas anderes als eine Diskothek entstehen könnte, gebe es noch nicht. „Die Steine sind ja noch nicht einmal richtig kalt“, sagt Ploß.

Wiederaufbau? Rechtlich kein Problem

Grundsätzlich stünde einem Wiederaufbau der Rosenau nichts im Wege, sagt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Seit dem Jahr 1970 gebe es einen rechtsverbindlichen Bebauungsplan, wonach auf dem Areal der Rosenau alle Formen von Vergnügungsstätten zulässig seien. Auch eine neue Diskothek. Für den Fall, dass der Stadtrat eine andere Nutzung wünsche, müsste der Plan geändert werden. Dann müssten aber auch die Interessen der Brauerei und der Anwohner abgewogen werden.

Letztere machen eine Woche nach dem Brand mobil. Martina Groh-Walter (43) ist die Geschäftsführerin des Hotels Lohmühle. In der Badstraße hat sie Unterschriften von Hauseigentümern gegen einen Wiederaufbau der Rosenau gesammelt. Etwa zehn Eigentümer hätten bislang unterschrieben. Warum? Weil die Rosenau für die Anwohner seit zwanzig Jahren eine massive Belastung darstelle.

Früher war mehr Anstand

Schon ihre Eltern hätten in der Rosenau getanzt, sagt Groh-Walter, aber damals noch zwischen 17 und 23 Uhr. Und auf der Straße habe man sich früher anstandshalber ruhig verhalten. Seit Mitte der 90er Jahre aus unregelmäßigen Tanzveranstaltungen regelmäßige Schüler- und Studentenpartys wurden, sei das anders: Wummernde Bässe dröhnten aus davonfahrenden Autos, obwohl seit einigen Jahren ein nächtliches Fahrverbot in der Badstraße gelte. Dazu kämen Besucher, die sich auf der Straße nicht in normaler Lautstärke unterhalten könnten, ganz abgesehen von jeder Menge Scherben auf der Straße, Schnapsflaschen in den Hecken und Erbrochenem auf dem Gehsteig.

Ladenbesitzer in der Badstraße hätten Angst um ihre Schaufenster, sagt Groh-Walter und sie selbst um die Pfoten ihres Hundes. Die Anwohner hätten sich im Laufe der Jahre Tore an ihre Grundstückseinfahrten gebaut. Um zu verhindern, dass betrunkene Partygänger sich auf den Hinterhöfen im Beischlaf übten. Alles in allem, sagt die Geschäftsführerin der Lohmühle, sei das Verhalten der Besucher für ihren Übernachtungsbetrieb geschäftsschädigend. „Sie glauben gar nicht, wie oft ich Gästen einen Preisnachlass gewähren musste.“

Groh-Walter: Besser Wohnungen statt Disko

Die Unterschriften der Anwohner will sie jetzt im Rathaus abgeben. In der Hoffnung, der Stadtrat möge das Mischgebiet, das direkt an dem Radweg hinter der Rosenau beginnt, auf das Areal der abgebrannten Diskothek auszuweiten. Der Baunutzungsverordnung zufolge wären dann „Gewerbebetriebe, die das Wohnen wesentlich stören“, verboten. Geht es nach Groh-Walter, sollen an Stelle der Rosenau dann Wohnungen entstehen, vielleicht sogar verbunden mit einem Raum für unregelmäßige Veranstaltungen. „Gegen Events wie das Kneipenfestival hat ja niemand etwas“, sagt die 43-Jährige, die einen anderen Platz zum Neubau einer Diskothek in der Stadt vorschlägt: das Gelände der ehemaligen Gießerei Burkhardt an der Justus-Liebig-Straße.

Merk-Erbe: Besser Respekt und Toleranz

An Spekulationen über alternative Standorte will sich Oberbürgermeisterin Merk-Erbe nicht beteiligen. Es müsse abgewartet werden, ob die Brauerei die Rosenau wieder aufbauen wolle. Merk-Erbe sagt aber auch, dass die Stadt für junge Leute attraktiv bleiben müsse. Umso mehr, weil die Zahl der Studenten stetig steige. Zur Unterschriftenaktion sagt die Oberbürgermeisterin: „Die unterschiedlichen Interessen führen in allen Städten zu Konflikten. Meiner Meinung nach lassen sich diese am besten bei gegenseitigem Respekt und Toleranz lösen.“

Das sagen die Chefs der Fraktionen im Stadtrat:

Stefan Specht (CSU): „Wir sollten erstmal abwarten, was von der Rosi noch zu retten ist. Grundsätzlich fände ich es positiv, wenn dort wieder etwas für Schüler und Studenten entstehen könnte. Die alten Probleme würden mich nicht davon abhalten, dort etwas neues zu planen. aber wird sollten uns nichts vormachen: Die alte Rosenau hatte einen Charme, der nicht wieder hergestellt werden kann. Bleibt die Frage, ob eine neue Rosi wieder so gut angenommen würde.“

Stephan Müller (BG): „Nach den derzeitigen planungsrechtlichen Vorschriften ist der Betrieb einer Diskothek weiter möglich und es stellt sich die Frage, ob man dem Betreiber nach diesem Unglücksfall einen Wiederaufbau verwehren sollte. Klar ist aber auch, dass bei einem Neubau die aktuellen Vorschriften, wie beispielsweise Brand- und Lärmschutz zur Anwendung kommen. Es gibt ein berechtigtes Interesse der Anwohner auf Ruhe aber ein genauso berechtigtes Interesse nach einer lebhaften Innenstadt auch in den Abendstunden.“

Thomas Bauske (SPD): „Ich verstehe die Anwohner, weil in der Rosi zuletzt deutlich mehr Betrieb war als noch zu meiner Zeit. Wir brauchen eine Feierlocation in Bayreuth, die Frage ist nur wo. Vielleicht wäre eine Kombination denkbar: Ein Haus, in dem Studenten wohnen und unten Platz zum Feiern ist. An der Unterschriftenaktion hat mich überrascht, dass sie so schnell kam. Wir schwelgen doch noch alle in Erinnerungen an die Rosi.“

Sabine Steininger (Grüne): „An einen Wiederaufbau habe ich bislang nicht gedacht. Wir sollten akzeptieren, dass die Rosenau nicht mehr ist. Es ist fraglich, ob eine neue Rosi jemals wieder so wird, wie die alte war. Ich glaube eher, die Schüler und Studenten werden sich zum Feiern auf andere Lokale in der Stadt verteilen.“

Thomas Hacker (FDP): „Die Rosi wieder aufbauen? Das Herz sagt ja. Aber ich habe Verständnis für die Anwohner. Zwischen deren Erholungsbedarf und dem Feierbedürfnis der jungen Menschen gab es schon immer einen Konflikt. So ein hochattraktives Gelände in der Innenstadt könnte bestimmt auch zu einem guten Preis veräußert werden. Der Brauereichef Jeff Maisel ist aber in vielen Belangen Idealist.“

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Kommentare

...das ist Bayreuth!!!
Man schaut vorher, wohin man zieht.
Das sind die Gleichen, die neben einen Sportplatz ziehen und dann das Ballspielen verbieten wollen.
Eine Konkurrentin im Bereich Gastronomie will mit nichtmarktwirtschaftlichen Mitteln kämpfen!!!
Hm, mir war gar nicht bekannt, dass ein Hotel und eine Disko in direkten Wettbewerb stehen. Man lernt nie aus...
Die superschlauen Kommentarverfasser möchte ich mal erleben wenn man regelmässig aus dem Schlaf gerissen wird und unter oben beschrieben Begleiterscheinungen leben muß. Viele dieser Anwohner, die ja so schlau daher geredet schauen sollen wohin sie ziehen, wohnen schon Jahrzehnte dort.
Für mich zeigen die Kommentare über mir ganz klar das Anstand und Rücksichtnahme in unserer heutigen Gesellschaft für viel nur noch Frendwörter sind!
Die Rosenau gibt es an diesem Platz schon fast hundert Jahre. Ich glaube kaum, dass einer der Beschwerdeführer beim Bau der Rosenau schon dort lebte. Also haben sie sich alle so gut wie sicher wohl wissend , dass da ein Gastronomie- und Vergnügungsbetrieb steht, niedergelassen.

Aber es ist schon länger Programm, dass man sich an einer lärmenden Straße oder neben vorhandenen Gewerbebetrieben niederlässt um dann lautstark dagegen zu protestieren und zu fordern, dass schon lange da gewesenes zu verschwinden hat.

Wenn das so weitergeht, wird es eines Tages weder Straßencafes, Biergärten oder Erlebnisgastronomie geben.

Vielleicht kauft ein reicher Scheich das Filetgrundstück und errichtet dort eine Moschee mit Minarett, auf dem der Muezzin dann mehrmals täglich zum Gebet ruft. Dann brauchen sich die Beschwerdeführer wenigstens nicht mehr über lärmenden Kneipenbetrieb Gedanken machen.
Ja genau. Vor 50 bis 100 Jahren jagte auch schon eine Veranstaltung die nächste und die Uni die es da noch lange nicht gab schickte schon mal das feierwüttige Volk nach Bayreuth um schon mal nen Vorgeschmack auf die 2000er Jahre zu bekommen.
Nicht zuletzt hat sich das Verhalten des feiernden Volkes in den letzten Jahrzehnten gegegenüber dem genannten Zeitraum ja auch überhaupt nicht verändert......Ohne weitere Worte!
@TOM
Früher war alles besser… klar… ;)

Die Uni gibt es aber länger als die Lohmühle, das Hotel wurde 1980 eröffnet. Frau Groh-Walter selbst ist erst ein paar Jahre dort.

Alle – wirklich alle – Anwohner, die sich jetzt aufregen, kamen NACH der Rosenau.

Mich erinnert das alles an den Protest gegen Hochspannungsleitungen im Hussengut, obwohl die Baugrundstücke genau deshalb günstiger waren. Oder an den Ärger beim Autobahnausbau.

Man kann über alles reden, aber der Zeitpunkt und die Art und Weise ist sehr unpassend. Man stelle sich vor, die Lohmühle wäre abgebrannt und die Rosenau würde statt eines Wiederaufbaus dringend notwendige Parkplätze fordern…
Es regt sich doch einer auf. Die Anwohner nutzen lediglich die Gelegenheit für ihre eigenen Interessen. Und das ist ihr gutes Recht.
Vielleicht ist das Unglück mit der Rosenau, so blöd wie es ist, ja wirklich die Chance den Konflikt in der eigentlich reinen Wohngegend (Inkl. Hotelbetrieb) zu lösen. Es ist ja leider tatsächlich so, dass die Leute sich inzwischen wesentlich bescheuerter verhalten als früher und die Veranstaltungen zunehmen. Es wäre möglicherweise tatsächlich zu überlegen den Veranstaltungsort zu verlegen. Damit würde in der Straße Ruhe einkehren und das Partyvolk müsste lediglich eine andere Straße, mit einer brandneuen Partylocation aufsuchen. Eigentlich eine win-win Situation. Aber man sieht schon an manchen Kommentaren, dass Konfrontation eher gewünscht ist als Verständnis und Kompromiss. Ich bin gespannt, was rauskommt.
Vielleicht sollte man dort einfach im nächsten Sommer einen Strand aufschütten und dann eine Beachbar bis 22.00 Uhr abends machen.
Hoffentlich wird der Neubau dann nicht ein Studentenwohnheim mit zu wenigen Parkplätzen ....
Und nein, ich wünsche nicht, daß die Konfrontation gesucht wird - aber zeigen denn Leute, die auf eine bestehende Situation treffen (hier die Rosenau, die 1925 gebaut wurde und seither in Betrieb war) Verständnis und Kompromissbereitschaft? Jeder der zuzog wußte, was in der Nachbarschaft ist. Aber für dieses Verständnis und die Kompromissbereitschaft gibt es ja leider sehr viele Beispiele ...
Ich habe auch schon an einer lauten Stelle in der Innenstadt gewohnt, im Sommer bei offenem Fenster schlafen war halt nicht. Das wusste man aber vorher, dafür gab's ja andere Vorteile mitten in der Stadt. Die Entscheidung, was einem wichtig ist, muss jeder für sich selbst treffen. Sich im Nachhinein zu beschweren finde ich ehrlich gesagt ein bißchen armselig. Die Entscheidung, direkt in der Badstraße ein Einfamilienhaus neu zu bauen und bald danach auf Unrerschriftensuche (10 Unterschriften) gegen die seit Jahrzehnten bestehende Nachbarlocation zu gehen finde ich inkonsequent.

Herr Maisel hat ja an anderer Stelle schon toll traditionelle Bausubstanz erhalten, mit Modernem verbunden und mit Leben gefüllt. Ich fände es toll, wenn das mit der (Fassade der) Rosenau ähnlich gelänge: eine ansprechende kultige Kultur-/Gastronomielocation mitten in der Stadt, vielleicht auch für "höherwertige" Veranstaltungen wie kleinere Konzerte, Jazzforum (die Lücke seit dem Abriss des alten Podiums in der Mainstraße ist noch nicht geschlossen ...) ...
eine neue rosi ist noch lange nicht die alte, also das ganze geschichte lassen