Amtshof: Garten wie zu Zeiten der Mönche

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs GmbH, Landrat Klaus-Peter Söllner, sein Stellvertreter, Oberbürgermeister Henry Schramm und mehrere Vertreter von Stadt- und Kreistag informierten sich diese Woche über die Rekonstruktion des ehemaligen Barockgartens der Zisterziensermönche am Langheimer Amtshof.

Seit Anfang Juni wurde der in einem unregelmäßigen Fünfeck eingebettete ehemalige Prunkgarten im Auftrag der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs GmbH und deren Geschäftsführer Rolf Peilnsteiner rekonstruiert.

Geometrische Strenge herrscht in dem aus fünf mit Granitwürfeln eingefassten Beeten, die mit den dazwischen verlaufenden Wegen ein sogenanntes Parterre bilden.

Im Barock gehörte ein solcher Garten unbedingt zu einem herrschaftlichen Bauwerk wie dem Amtshof, doch im 19. Jahrhundert wurde aus dem Schmuckstück ein Obstgarten, der nach 1965 verwilderte und 1983 einer Rasenfläche weichen musste.

Reichste Kloster des Fürstbistums

Der Amtshof war die Vertretung des bis 1803 größten und wohl auch reichsten Klosters aus dem benachbarten Fürstbistum Bamberg. Das heute noch existierende barocke Prachtgebäude mit der überbordend verzierten Prunkfassade und den vielen bizarren schwarzen Dachgauben war einst im Besitz der Zisterziensermönche des bei Lichtenfels gelegenen Klosters Langheim. Im 19. Jahrhundert war der Hof das königlich bayerische Rentamt und im 20. Jahrhundert schließlich bis 1965 das Kulmbacher Finanzamt.

Seit 1980 wurde das neben der St. Petri Kirche größte Gebäude der Kulmbacher Altstadt von der Langheimer Amtshof Sanierungs- und Verwaltungs GmbH mit einem Millionenaufwand saniert, erhalten und dann dem Freistaat Bayern abgekauft. Der Sandsteinbau beherbergt heute eine Reihe von Bildungseinrichtungen.

Nicht gern gesehene Nachbarn

„Im Langheimer Hof verwalteten die weißen Mönche jahrhundertelang ihre umfangreichen Besitzungen im Kulmbacher Umland und lagerten die Naturalabgaben der Untertanen“, erläuterte Peilnsteiner. „Allerdings waren die katholischen Brüder im seit 1528 protestantischen Kulmbach ungern gesehene Nachbarn, die sich nicht immer sicher auf den Straßen der Stadt fühlen konnten“.

In alter Tradition der Zisterzienser hätten sie sich ein Refugium in Form eines barocken Gartens angelegt, in dem sie sicher waren und neben Heil- und Küchenkräutern auch einen Ort für Ruhe, die Kontemplation und für die Diplomatie fanden. „Die Zisterzienser hatten den neben dem Garten stehenden Prälatenbau außen mit bester Steinmetzkunst und innen mit verschwenderischem Stuck, Schnitzereien und Gemälden ausgestattet, würdig für die hochrangigen Gäste, die hier empfangen wurden, wie etwa Grafen, Markgrafen und der spätere Kaiser Joseph I.“.

Östlich an den Prälatenbau schließt sich damals wie heute der Garten  an, der auf drei Seiten von hohen Mauern umgeben ist. Zugänglich war diese auf einer gemauerten Sandsteinterrasse gelegene Fläche entweder vom Rentamtsgässchen über das östliche Prunkportal oder direkt vom Amtshof aus durch ein Portal mit Engelskopf oder durch ein kleines Türchen am Roten Turm.

Mit großem Aufwand gepflegt

Der Garten war im 17. Jahrhundert als barocke Anlage französischer Prägung streng gegliedert mit Kräuterbeeten und kleinem Broderieparterre mit zentralem Rondell angelegt und bis zur Vertreibung der Zisterzienser 1803 mit großem Aufwand gepflegt worden.

Gegen den Festungsberg stützt eine Sandsteinmauer eine nördliche, etwa fünf Meter höher gelegene zweite Gartenebene, die noch heute über einen erst vor wenigen Jahren sanierten Treppenturm erreichbar ist. Über ihr erhebt sich heute noch majestätisch der Rote Turm der Stadtmauer und bildet zusammen mit den anderen Bauelementen rund um den Garten eine grandiose Theaterkulisse.

An der Ostfassade des Amtshofs prangt in etwa acht Metern Höhe eine rot, blau schwarz und weiß gefasste Sonnenuhr des 18. Jahrhunderts, die nur von diesem Garten aus zu sehen ist. Ein Familienmitglied Peilnsteiners hatte vor einigen Jahren in einem Münchner Archiv einen farbigen Grundriss- und Gartenplan des Langheimer Hofs aus dem späten 18. Jahrhundert gefunden, der die Basis für die Teilrekonstruktion des Gartens bildete. Der Geschäftsführer suchte schon lange nach einer möglichen Neugestaltung der kaum genutzten Rasenfläche.

In Angriff genommen wurde die Rekonstruktion von Friedhelm Haun, Kreisfachberater für Gartenbau am Landratsamt Kulmbach. ,„Als Bepflanzung haben wir typische Blumen und Kräuter gewählt, wie sie auch in barocken Gärten zu finden waren und die auch zur PTA-Schule passen, wie die Apothekerrose, die Nachtkerzen, den Salbei, die echten Primeln und Lavendel“. Im zentralen Rondell sollen sich die heute noch zierlichen Alantpflanzen in den kommenden Monaten zu mannshohen Stauen entwickeln.

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