Amtsgericht: Rentner beleidigt Notarzt

Rund zwei Jahre liegen die Taten bereits zurück. Und hauptsächlich ging es dabei um einen Vorfall, der sich im und um das altehrwürdige Justizgebäude in der Kohlenbachstraße abgespielt hat. Staatsanwalt Willi Draise warf dem 78-Jährigen vor, dort im Dezember 2015 mehrere Beamte beleidigt, sich der Feststellung seiner Personalien widersetzt und der versuchten Körperverletzung schuldig gemacht zu haben.

Tritte gegen den Wachtmeister

Durch Zufall war einem der Wachtmeister des Gerichts aufgefallen, dass sich der Rentner auf dem Mitarbeiterparkplatz die Kennzeichen der dort abgestellten Fahrzeuge notierte. „Herausgeben wollte er den Zettel aber nicht“, erläuterte Beamte. Auch der Geschäftsleiter des Gerichts war sich nicht sicher, wie man aus juristischer Sicht darauf reagiert. Daher sollte der Rentner im Gebäude warten, bis eine Polizeistreife eintrifft, um wenigstens seine Personalien feststellen zu können. Dabei soll der 78-Jährige die Wachleute „Hampelmänner“ genannt haben. Gegen den Gang zur Wache habe er sich heftig gesträubt und mit dem Knie getreten, berichteten die Zeugen.

Widerstand und wüste Beleidigungen

Das Ganze endete schließlich nach weiterem Widerstand und noch wüsteren Beleidigungen für den 78-Jährigen gefesselt am Boden liegend. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine stark überzogene Aktion: drei gestandene trainierte Männer gegen einen Senioren. „Ich habe mich aber gewundert, welche Kraft der entwickelt hat“, erläuterte ein Zeuge in dem Prozess.

Notarzt beschimpft

Verhandelt wurde auch über einen Vorfall, der sich bereits drei Monate vorher abgespielt hat. Dabei hatte der Rentner ein „Heimspiel“. Vor seiner Wohnung waren nachts ein Arzt und zwei Rettungssanitäter im Einsatz. „Die standen im Halteverbot und ich wollte sie auf die Vorschriften hinweisen“, erläuterte der 78-Jährige. Nachdem der Notarzt nicht diskutieren wollte, endete das Ganze schließlich frei nach Götz von Berlichingen mit dem Satz: „Auf so einen A... habe ich gewartet.“

Mögliche Persönlichkeitsstörung

Während der 78-Jährige für das spätere Geschehen am Gericht die Beleidigungen zugab, stritt er sie in diesem Fall rundum ab. Mit einer ziemlich abstrusen Erklärung: Der Arzt habe so etwas wie einen Elektroschocker in der Hand gehabt, bei der Polizei gebe es einen „Maulwurf“ und generell seien es „alles nur Verbrecher“. Richterin Sieglinde Tettmann hörte zur „reizbaren“ Persönlichkeit des Rentners ein Gutachten des Psychiaters Thomas Wenske von der Uni Erlangen. „Geistige Fitness, aber eine beginnende organische Persönlichkeitsstörung“, lautete dessen Diagnose. Tettmann verurteilte den 78-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1200 Euro zu 80 Tagessätzen.

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