Altes Rathaus: Sanierung dauert länger

Wie berichtet, bekommt das Alte Rathaus eine umfassende Innenraumsanierung, die laut Auskunft des stellvertretenden Pegnitzer Bürgermeisters Wolfgang Nierhoff, der das Projekt gemeinsam mit Bauamtsleiter Manfred Kohl betreut, insgesamt 1,275 Millionen Euro kosten soll. Eine stolze Summe, die aus Mitteln der Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepte in der Städtebauförderung (Isek) mit einer Förderung von 889 700 Euro bezuschusst wird. Wohl die einzige Chance, wie eine Kommune von der Größe der Stadt Pegnitz ein solches Vorhaben schultern kann, ohne sich auf Jahrzehnte zu verschulden.

Holzbalken werden hergerichtet

Seit Ende Juni haben die Arbeiter Tonnen von Abraum aus dem Gebäude geschafft, der bei der konsequenten Entkernung des Innenraums anfiel. Im Obergeschoss, das eines Tages nach dem Abschluss der Sanierung das Standesamt beherbergen soll, wurde der Putz von den Wänden geschlagen, um das historische Fachwerk des mehrere Jahrhunderte alten Gebäudes freizulegen. Diese Holzbalken werden wieder hergerichtet und nach Überschleifen geölt, um dem Ursprungszustand möglichst nahezukommen und den Trausaal zum Prunkstück des Gebäudes zu machen.

Behindertengerechte Ausstattung

Auch einen Aufzug bekommt das Alte Rathaus, denn inzwischen ist die behindertengerechte Ausstattung für öffentliche Gebäude gesetzlich verankerte Pflicht – und dazu gehört, dass alle Räume auch für gehbehinderte Menschen etwa mit dem Rollstuhl erreichbar sind. Die Durchbrüche für den Aufzugschacht sind schon gesetzt, auch wurden alte Trennwände im Erdgeschoss entfernt und neue gesetzt. Hintergrund: Das Gebäude war in den 1970er Jahren schon einmal ausgiebig saniert worden, wobei man kostengünstig und schnell, aber aus heutiger Sicht auch ziemlich unsensibel vorging. Die damals schon zum Teil maroden Holzbalken der Decken wurden mit Stahlträgern unterstützt, man baute neue Elektrik und ein neues Treppenhaus ein. In zum Teil abenteuerlicher Ausführung mit auf die blanken Balken genagelten Leitungen. Die seinerzeitige Schlamperei und Hudelei wird heute zum Problem.

Pilze und Holzwürmer

„Da achtete offenbar niemand darauf, wie man die Übergänge gestaltete“, erklärt Architekt Markus Geppert. Die Folge: Im alten Gebälk konnten sich Pilze und auch der Holzwurm einnisten, zudem war das Dach alles andere als wetterfest. Gut 40 Jahre nach der ersten Sanierung sind die Holzdecken wahrscheinlich nicht mehr zu retten. Laut Wolfgang Nierhoff und Manfred Kohl liegt dem Landesamt für Denkmalpflege bereits ein entsprechender Antrag vor, um die im Grunde nicht mehr tragfähigen Holzdecken komplett zu entsorgen und gegen stabile Betonkonstruktionen zu ersetzen. „Man kann froh sein, dass nichts passiert ist, solange das Gebäude noch benutzt wurde“, sagt Architekt Geppert nachdenklich und zeigt Stellen, an denen man das morsche Holz der Deckenbalken ohne Mühe mit dem Finger durchbohren kann.

Keine Kostenprognose

Die Sanierer sind optimistisch, dass vom Amt zeitnah grünes Licht kommt. Zumal die Alternative – ein Erhalt der Decken nach denkmalpflegerischen Vorgaben – immens zeitaufwendig und kostspielig wäre: „Da müsste man quasi jeden Balken einzeln untersuchen und seinen Erhaltungszustand bewerten“, weiß Markus Geppert. Geht dagegen alles wie gewünscht, dann könne man von etwa drei Monaten Zeitverzögerung ausgehen, bis auch das Thema „Decken“ abgeschlossen sei, meinen Geppert, Nierhoff und Kohl. Eine Kostenprognose wollen sie dagegen nicht abgeben, zumal bei einem Neubau der Decken das entsprechende Gewerk neu ausgeschrieben werden müsse. Statt im Herbst 2018 wird das Alte Rathaus wohl im Winter 2018/19 fertig.

Nicht bewertet

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